Kōichi Kishi

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Kōichi Kishi (jap. 貴志 康一, Kishi Kōichi; * 31. März 1909 in der Präfektur Osaka; † 17. November 1937) war ein japanischer Violinist, Komponist und Dirigent.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kōichi Kishi wurde als ältestes von acht Kindern geboren. Er verlebte seine Kindheit in Miyakojima, einem Stadtteil von Osaka.[1][2] Dort lebten zahlreiche Emigranten, vor allem aus Russland, und so kam Kishi mit der abendländischen Kultur in Berührung. Nach dem Vorbild seiner Mutter erlernte er das Geigenspiel. Im Alter von 18 Jahren ging er nach Europa, um seine Ausbildung als Geiger am Konservatorium Genf und an der Musikhochschule Berlin abzuschließen. Anschließend studierte er Komposition bei Paul Hindemith sowie Dirigieren bei Wilhelm Furtwängler.[3] In der folgenden Zeit war Kishi als Dirigent, Komponist sowie als Violinist tätig. 1934 dirigierte er im Alter von 25 Jahren die Berliner Philharmoniker, die seine Werke aufführten, darunter ein Violinkonzert, gespielt von Georg Kulenkampff.[3] Die Berliner Zeitungen lobten Kishi als „bewunderungswürdig“.[3]

Als Komponist übernahm Kishi die westliche, spätromantische Tradition und änderte sie „auf seine Art“.[4] Er selbst, sein Vater und sein Großvater waren tiefgläubige Buddhisten. Er komponierte die Symphonie das Leben Buddhas (仏陀の生涯, Buddha no shōgai) als Programmmusik, die einzige dieser Art von seinen Werken.[4] Er spielte auf einer Stradivari-Violine, die seit Anfang des 18. Jahrhunderts der britischen königlichen Familie gehört hatte und deshalb King George genannt wird. Das Instrument gehörte offensichtlich seiner Mutter.[1] King George befindet sich heute im Besitz der Stiftung Habisreutinger Foundation.[5][6]

In Deutschland engagierte sich Kōichi Kishi dafür, sein Heimatland Japan bekannt zu machen. So wirkte er neben seiner Landsmännin, der Sängerin Hatsue Yuasa, bei zwei Kurzfilmen mit, in denen die japanische Kultur präsentiert wurde. Darüber hinaus schlug er der UFA die Gründung einer deutsch-japanischen Filmproduktionsfirma vor, die von der japanischen Regierung mit einer Million Reichsmark unterstützt werden sollte. Doch die UFA zeigte sich nicht interessiert.[7]

1937 erlag Kishi in Japan einem Herzleiden. Er wurde 28 Jahre alt.

Sein Wohnhaus in Osaka steht unter Denkmalschutz. Als Yukawa Hideki als erster japanischer Physiker 1949 den Nobelpreis erhielt, wurde bei dem Bankett in Stockholm Kishis Werk Taketori Monogatari gespielt. Auch das Glockenspiel am Bezirksrathaus von Miyakojima spielt diese Melodie.[1] Aus Anlass des 100. Geburtstags von Kôichi Kishi war im Frühjahr 2009 im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) eine Ausstellung über dessen Leben und Werk zu sehen. Am 10. März 2009 fand in der Berliner Philharmonie ein Konzert mit Werken von Kishi statt.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Leben Buddhas – Sinfonie in vier Sätzen
  • Japanische Skizzen für großes Orchester (大管弦楽のための「日本スケッチ」)
  • Japanische Suite für großes Orchester (大管弦楽のための「日本組曲」)
  • Ama no iwato (天の岩戸) – Ballett in zwei Aufzügen
  • Namiko – Operette
  • Kagokaki, Akai kanzahi – insgesamt vierzehn Lieder
  • Musik zu den Filmen Kagami („Spiegel“) und Haru („Frühling“)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Miyakojima Ward Official Web Site Osaka City. In: city.osaka.lg.jp. 17. November 1937, abgerufen am 31. März 2017.
  2. Laut anderen Quellen wuchs er in Kōbe auf. siehe [1]
  3. a b c d Kôichi KISHI - ein japanischer Musiker. In: de.emb-japan.go.jp. 17. April 2009, abgerufen am 31. März 2017.
  4. a b Gerda Laube-Przygoddy: Musik dreier Kulturen. Orchestermusik des 20. Jahrhunderts in Europa, den Vereinigten Staaten von Amerika und Japan. Eine synchrone Gegenüberstellung. Ars Una, Neuried 2001, ISBN 978-3-89391-124-0.
  5. Tokyo 2010-present: Stradivari Ensemble. In: sarahintokio.blogspot.de. 24. Februar 2004, abgerufen am 31. März 2017.
  6. King George : Stradivari-Quartett ¦ Eine Liebeserklärung an die Musik. (Nicht mehr online verfügbar.) In: stradivariquartett.com. 2. Mai 2015, archiviert vom Original am 1. April 2017; abgerufen am 31. März 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/stradivariquartett.com
  7. Janine Hansen: Celluloid Competition: German-Japanese Film Relations, 1929–1945. In: Roel Vande Winkel/David Welch (Hrsg.): Cinema and the Swastika. The International Expansion of the Third Reich. Palgrave MacMillan, 2007, S. 187.