Teldec

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Logo der TELDEC, um 1990

Die Teldec Schallplatten GmbH war ein Tochterunternehmen des AEG-Konzerns und zählte jahrzehntelang zu den größten und traditionsreichsten deutschen Schallplattenherstellern.

Anfänge in der Weimarer Zeit[Bearbeiten]

Anfang der 1920er Jahre war die Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. maßgeblich am Aufbau der ersten deutschen Rundfunksender beteiligt und begann mit der Fertigung von Rundfunkgeräten für den Endverbraucher. Im Jahre 1930 präsentierte das Unternehmen unter dem Namen „Arcofar“ das erste Kombinationsgerät aus Radioempfänger und elektrischem Plattenspieler; angesichts der Marktchancen dieser neuen Technik reifte bei der Telefunken-Gesellschaft das Bedürfnis nach einem Einstieg in die Schallplattenbranche.

Die entsprechende Chance bot sich, als Anfang 1932 nach kaum dreijähriger Daseinsfrist die Deutsche Ultraphon AG, ein mittelgroßes Plattenunternehmen mit niederländischer Konzernzugehörigkeit, in Insolvenz geriet und einen Käufer suchte. Die AEG und Siemens & Halske als Telefunken-Muttergesellschaften übernahmen im März 1932 die Deutsche Ultraphon und siedelten die solchermaßen eingekaufte Schallplattenproduktion organisatorisch bei Telefunken an, die ihrerseits im Juli 1932 als Tochterunternehmen die Telefunkenplatte G.m.b.H. gründete. Die Missstände, die Ultraphon in den Konkurs getrieben hatten, insbesondere das chaotische Geflecht zahlloser Neben- und Unterlabels, wurden beseitigt. Man übernahm jedoch den genialen künstlerischen Leiter Herbert Grenzebach und unterstützte dessen Entwicklungsarbeiten im Bereich der Aufnahmetechnik und der Plattenwiedergabe; auch die vielen prominenten Künstler, die die Deutsche Ultraphon unter Vertrag genommen hatte, setzten größtenteils ihre Tätigkeit bei Telefunken fort. In einer Zeit, die für zahllose kleine und mittlere Plattenunternehmen den wirtschaftlichen Untergang brachte, entwickelte sich Telefunken mit erstaunlicher Geschwindigkeit zu einem der drei führenden deutschen Musikkonzerne; die hohe technische und künstlerische Qualität der Platten verhalfen dem Label zu einem treuen Kundenstamm.

Aufstieg zum führenden Plattenkonzern während des „Dritten Reiches"[Bearbeiten]

Der politischen Entwicklung zollte man 1933 durch die Aufnahme einiger Propaganda-Titel in das Katalogprogramm Tribut. Unter dem Motto „Deutsche Musik" erschien die neue Staatshymne, das Horst-Wessel-Lied, ebenso wie Marschlieder aus der „Kampfzeit der Bewegung“. Wirtschaftliche Gesichtspunkte gaben 1934 den Ausschlag für die Einführung der mit 1,60 Reichsmark sehr preiswerten Telefunken Musikus-Serie mit volkstümlichem bis swingendem Repertoire. Damit übernahm die Firma als einziges deutsches Plattenlabel die in den 1930er Jahren in den USA zeitgleich weitverbreitete Werbeidee, Platten aus brauner statt schwarzer Pressmasse herzustellen; bei diesen Produkten handelt es sich entgegen landläufiger Meinung im übrigen um normale Schellackplatten und nicht um Pressungen aus Ersatzstoffen. Das bis 1938 verwendete braune Pressmaterial war aber billiger und qualitativ etwas schlechter als die normalen Plattenausgaben, die für Preise ab 2,00 RM unter dem Label Telefunken – Die deutsche Weltmarke bis 1943 erschienen. Die Musikus-Serie wurde dagegen bereits 1939 kriegsbedingt eingestellt.

Da Telefunken nicht über entsprechende Kapazitäten verfügte, entstand ein erheblicher Teil der Telefunken-Platten als Lohnpressungen bei der Deutschen Grammophon in Hannover, mit der Telefunken entsprechende Vereinbarungen getroffen hatte; trotz mehrerer entsprechender Anläufe scheiterte Mitte der 1930er-Jahre allerdings der Versuch, beide Konzerne zu fusionieren.

Telefunken produzierte in den Jahren der NS-Herrschaft ein im Rahmen des Möglichen relativ liberales Programm an Unterhaltungsmusik: mit Heinz Wehner und seinem „Telefunken-Swing-Orchester“ leistete sich die Firma eine Swing-Band amerikanischer Prägung; von 1936 bis 1939 hatte sie daneben den Schweizer Swing-Musiker Teddy Stauffer mit seinen „Original Teddies" unter Vertrag. Durch Matrizenaustausch mit dem französischen und dem tschechischen Ultraphon-Label gelangten unter anderem auch Titel von Jazz-Größen wie Django Reinhardt, Jaroslav Ježek, Kamil Běhounek, Fud Candrix, Stan Brenders und Eddie Tower in Deutschland zur Veröffentlichung.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs brachte das Unternehmen zunächst in eine unerwartet günstige Position, da die Ultraphon-Niederlassungen in Paris und Prag unter der deutschen Besatzung an Telefunken übergeben wurden. Dadurch verfügte die Firma über Presswerke, die vor Bombenangriffen weitgehend sicher und nicht vom Rohstoffnachschub abgeschnitten waren, was gegenüber den anderen deutschen Plattenkonzernen einen großen Vorteil darstellte – ein erheblicher Teil der Telefunken-Platten für den deutschen Markt wurde nun im Protektorat Böhmen und Mähren gepresst, und die Produktion konnte noch aufrechterhalten werden, als der Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg an Stärke zunahm: noch im September 1944 lieferte das Prager Werk eine Monatsproduktion von 53000 Platten! Kurz vor Kriegsende gelang es den Telefunken-Konzernchefs, die Bestände an Pressmatrizen aus Prag und Berlin in einen Bergwerksstollen bei Dresden auszulagern, wo sie den Zusammenbruch des Regimes unversehrt überstanden.

Strukturelle Veränderungen nach 1945[Bearbeiten]

Bereits wenige Monate nach Kriegsende wurden die Matrizen auf Veranlassung von Grenzebach zurück nach Berlin transportiert, wo Telefunken in einem mit Pressen ausgestatteten Werk der AEG in Hennigsdorf die Plattenherstellung wieder aufnahm. Zunächst wurden mit alliierter Erlaubnis nur Neuauflagen von Vorkriegstiteln produziert; erst im Juli 1947 wurde die Aufnahmetätigkeit wieder aufgenommen. Telefunken beschränkte sich bei der Vermarktung der Platten nicht auf die Westzonen: bis etwa 1949 lieferte ein eigenes Zweigwerk in Erfurt auch Pressungen für die Sowjetische Besatzungszone. 1948 gelang Telefunken der Abschluss eines Matrizenaustausch-Vertrags mit der US-Firma Capitol Records. 1950 vereinbarte das Unternehmen mit dem britischen Traditionsunternehmen Decca Records eine intensive Zusammenarbeit: Telefunken gliederte die Schallplattenproduktion aus dem eigenen Konzernverbund aus und überführte sie in die neu gegründete TELDEC Telefunken-Decca Schallplatten GmbH mit Sitz in Hamburg. Die britische Decca verfügte zu fraglicher Zeit über eine Tochtergesellschaft in der Schweiz, die ihrerseits einige Schlagerstars jener Tage unter Vertrag genommen hatte, darunter Hans Albers, Vico Torriani und Lys Assia. Die entsprechenden Aufnahmen gelangten nun in Deutschland auf Telefunken-Platten zur Veröffentlichung und verhalfen dem Unternehmen zu einem rasanten Wiederaufstieg: schon 1950 erreichte der Plattenausstoß wieder das Volumen von 1935, und Telefunken eroberte hinsichtlich des Tonträgerverkaufs den nach Polydor-Grammophon zweiten Platz auf dem deutschen Markt. 1951 etablierte Teldec das Decca-Label zusätzlich zu Telefunken als zweite deutsche Marke, wobei offenbar keine klare inhaltliche Abgrenzung erfolgte. Interessant ist die bei Telefunken in jenen Jahren besonders umfangreiche Auftragsproduktion von Werbeplatten und anderen Pressungen unter Fremdlabels (z. B. Christophorus für sakrale Musik). Unter dem Reihennamen Wort und Stimme unterhielt man zudem ein umfangreiches Sprechplattenprogramm. 1953 brachte Teldec als erstes Unternehmen in Deutschland Vinyl-Singles mit 45 Umdrehungen auf den Markt.[1]

Der Bereich E-Musik[Bearbeiten]

Seit den 1950er Jahren entstanden zahlreiche Klassikaufnahmen mit deutschen (Bamberger Symphoniker, Berliner Symphoniker, Berliner Philharmoniker, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg u.a.) und internationalen Orchestern (z.B. Orchestre Symphonique de la Radiodiffusion Nationale Belge). Vor allem die Dirigenten Joseph Keilberth, Artur Rother und Franz André gehörten zu den unter Vertrag genommenen Dirigenten. Die US-amerikanische Violinistin Joan Field spielte für Telefunken die großen Violinkonzerte von Bruch, Dvořák, Mendelssohn, Mozart und Spohr ein. Einen Schwerpunkt im E-Musik-Katalog der Teldec nahm der Bereich der Alten Musik in historischer Aufführungspraxis ein, die ab 1958 unter dem eigenen Sub-Label Das Alte Werk vermarktet wurden. Ab 1964 entstanden die ersten Aufnahmen mit dem Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, der mit dem von ihm gegründeten Concentus Musicus Wien und später auch mit anderen Orchestern zu einem der Schwerpunktkünstler des Labels wurde. Eines der größten Projekte dieses Bereichs war die mehrfach mit Schallplattenpreisen ausgezeichnete erste Gesamtaufnahme der Bachkantaten, die von 1970 bis 1989 gemeinsam vom Concentus Musicus Wien unter Nikolaus Harnoncourt sowie vom Leonhardt-Consort unter Gustav Leonhardt zusammen mit verschiedenen Solisten und Chören eingespielt wurden. In der Reihe Das Alte Werk erschienen zusätzlich verschiedene Opern, darunter die Ersteinspielungen der rekonstruierten Fassungen von Monteverdis Opern L'Orfeo, Il ritorno d’Ulisse in patria und L’incoronazione di Poppea mit dem Concentus Musicus unter Harnoncourt. Auch die Aufführungen des Zürcher Monteverdi- und des Mozart-Zyklus unter Harnoncourt erschienen bei Teldec.

Ein Projekt der 1980er Jahre war die Ersteinspielung der Urfassungen der Sinfonien Anton Bruckners mit dem RSO Frankfurt unter der Leitung von Eliahu Inbal als Coproduktion mit dem Hessischen Rundfunk.

Entwicklung in der Bundesrepublik[Bearbeiten]

TELDEC blieb jahrzehntelang als unabhängiger Plattenkonzern bestehen. 1983 zogen sich die Mutterkonzerne Telefunken und Decca-GB aus der Teldec zurück. Seit 1987 gehört die Firma zum Medienimperium des Time-Warner-Konzerns, der die Markennamen Teldec und Telefunken vereinzelt noch immer für CD-Produktionen verwendet. 1990 wurde die Teldec in den Katalog von East West Records eingegliedert, die zu diesem Zeitpunkt von Time-Warner übernommen wurde. Das Presswerk für CD und Musikkassetten in Nortorf in Schleswig-Holstein sollte von Time Warner 1997 geschlossen werden. Dadurch gab es ein Management buyout, indem die bis dahin tätigen Betriebsleiter das CD-Presswerk übernahmen und weiterführten. Heute heißt das ehemalige Teldec-Presswerk OK Media Disc Service GmbH & Co KG. Seit 2001 wurden dort auch DVDs gefertigt sowie seit 2005 Speicherkarten beschrieben bis das Unternehmen Anfang 2009 für den Standort in Nortorf Insolvenz anmeldete.[2]

Im Jahr 2001 fusionierten die zwei Konzerne AOL und Time Warner. Zum Jahresende 2001 wurde das Label TELDEC vom neu entstandenen Mutterkonzern AOL Time Warner für Neuproduktionen geschlossen. Die zunehmend schwierigere wirtschaftliche Lage der Plattenfirmen durch sinkende Umsätze, das Platzen der Internet-Blase im Jahr 2000 und verschiedene Sparmaßnahmen des Mutterkonzerns waren vermutlich ausschlaggebende Faktoren für diese Entwicklung. Zahlreiche Künstlerverträge wurden aufgelöst. Einige wenige Musiker konnten unter dem Label Warner Music weiterhin Musikproduktionen veröffentlichen. Ältere Aufnahmen aus dem E-Musik-Bereich werden bis heute von Warner Music unter den Labels Teldec und Das Alte Werk vermarktet. Das Teldec Tonstudio in Berlin wurde in Teldex umbenannt[3] und führt seine Geschäfte seit 2002 als eigenständiges Tonstudio weiter.

Bekannte Interpreten[Bearbeiten]

Decca Telefunken Pool
Rolling Stones (I can't get no satisfaction) Udo Lindenberg (Alles klar auf der Andrea Doria) Karat (Über sieben Brücken mußt du gehn)
Silvio Francesco (Hello Mary Lou) Michael Holm (Alle Wünsche kann man nicht erfüllen) Puhdys (Alt wie ein Baum)
Hildegard Knef (Eins und eins das macht zwei, KNEF) Gitta Lind (Fahre mit mir in die Ferne) City (Am Fenster)
Billy Mo (Ich kauf’ mir lieber einen Tirolerhut) Ronny (Oh My Darling Caroline) Ted Herold (Rockabilly Willy)
Vico Torriani (Kalkutta liegt am Ganges) Manuela (Schuld war nur der Bossa Nova) Drafi Deutscher (Marmor, Stein und Eisen bricht)
Caterina Valente (Rosen sind rot) Detlef Engel (Mister Blue)
Ten Years After (I’m going home)
Gerd Böttcher (Für Gabi tu ich alles)

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Hartmann: Geschichte der historischen Aufführungspraxis in Grundzügen. Teil I: Von den Anfängen bis Harnoncourt. Pro Musica Antiqua, Regensburg 1988
  • Franz Schorn: Alte Schallplatten-Marken in Deutschland. Wilhelmshaven: Noetzel 1988. ISBN 3-7959-0551-6
  • Hansfried Sieben: Herbert Grenzebach: eine Leben für die Telefunken-Schallplatte. Düsseldorf: Sieben 1991
  • Erdmann Thiele (Hrsg.): Telefunken nach 100 Jahren. Berlin: Nicolai 2003. ISBN 3-87584-961-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schallplattenbar – Klingende Post
  2. Meldung zur Insolvenz der OK Media Disc Service GmbH & Co KG, Der Prignitzer, 16. März 2009. (abgerufen am 11. Februar 2010)
  3. Teldex Studio

Weblinks[Bearbeiten]