KV21

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KV21
Grabmal von unbekannt

Ort Tal der Könige
Entdeckungsdatum 18. Oktober 1817
Ausgrabung Giovanni Battista Belzoni
Vorheriges
KV20
Folgendes
KV22
Tal der Könige
Tal der Könige
(östliches Tal)
Plan des Grabes nach einem 3-D-Modell

KV21 (Kings' Valley no. 21) ist ein altägyptisches Grab im Tal der Könige (West-Theben). Aufgrund des Grabtypus wird es in die Zeit des Neuen Reiches (18. Dynastie) datiert. Der Grabinhaber ist unbekannt, es wird jedoch vermutet, dass hier Mitglieder aus dem Königshaus bestattet wurden. Es fanden sich zwei weibliche Mumien.

Entdeckung und Erforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KV21 wurde 1817 von Giovanni Battista Belzoni entdeckt, der im selben Jahr die Ausgrabungsarbeiten für Henry Salt vornahm. Kartografiert wurde das Grab 1825 von James Burton und 1889 erneut von Eugène Lefébure. Erst 1989, 100 Jahre nach dem letzten Besuch von Lefébure, wurde die Ausgrabung von Donald P. Ryan wieder aufgenommen. 1990 wurde das Grab mit einem Sicherheitstor versehen und Holzstufen wurden installiert.

Zustand des Grabes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burton bezeichnete den Zustand von KV21 nach Abschluss seiner Arbeiten als clean new tomb. Schäden durch Wassereinbrüche in das Grab gab es keine. Die Schäden, die Donald P. Ryan während seiner Ausgrabung feststellte, sind alle in der Neuzeit, also in der Zeit danach entstanden. Er stellte fest, dass das Grab schwer unter von Wasser herein geschwemmtem Geröll gelitten hatte. Auch die in der Grabkammer befindlichen Artefakte waren durch das eingedrungene Wasser beschädigt worden. An den Wänden waren Wasserstandsmarken erkennbar. Auch die Mumien hatten durch das Wasser Schaden genommen. Fledermauskot im Grab ließ außerdem den Schluss zu, dass KV21 recht lange Zeit offen zugänglich gewesen war.

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausrichtung der Hauptachse des Grabes verläuft Richtung Ost-West. Im Vergleich zu anderen im Tal gefundenen Gräbern ist KV21 recht klein. Die Gesamtgröße beträgt 120,29 m². Im Grundaufbau ähnelt es KV32. Das Grab weist einen Eingangsbereich, zwei absteigende Korridore, die durch Stufen unterbrochen sind und schließlich die Grabkammer mit einer kleineren Nebenkammer auf. Es ist undekoriert, jedoch sind die Wände glatt behauen und sowohl an den Decken als auch Wänden sind noch rote und schwarze Markierungen der Steinmetze sichtbar.

In der 56,42 m² großen Grabkammer befindet sich in der Mitte ein einziger Pfeiler sowie auf der Nordseite des Raumes eine Nische, die sich über die Gesamtlänge der Wand erstreckt. Die Grabkammer Tutanchamuns in KV62 hat vergleichsweise eine Größe von 26,22 m². Die im Grab Amenophis III. (WV22) je für Königin Teje und Königin Sitamun angelegten Grabkammern haben ebenfalls einen Pfeiler in der Raummitte, so dass in KV21 ein Königinnengrab vermutet wurde. Die im 90°-Winkel zur Grabkammer liegende Seitenkammer hat eine Größe von 10,36 m². In der Seitenkammer findet sich das Graffito eines Besuchers: „ME 1826“.

Außer den zwei weiblichen Mumien fanden sich in KV21 verschiedene Arten von Stein, Skarabäen, Siegel der Nekropole, sowie Teile einer Grabausstattung und verschiedene Krüge.

Die Mumien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belzoni beschrieb den Zustand der beiden weiblichen Mumien, die sich zum Entdeckungszeitpunkt in der Grabkammer befanden:

„At one corner of this chamber, we found too mummies on the ground, quite naked, without cloth or case. They were females, and their hair pretty long, and well preserved, though it was easily separated from the head by pulling a little.“

Giovanni Battista Belzoni[1]

1989 befanden sich die zum Teil stark zerstörten Mumien in Korridor B, der dem Eingangsbereich folgt. Die Mumien sind in einem schlechten Zustand. Sie wiesen nicht nur Schäden durch das ins Grab eingedrungene Wasser, sondern auch durch starken Vandalismus auf. Die Untersuchung der zerbrochenen Überreste der Mumien durch Ryan ergab, dass diese aufgrund der Art der Mumifizierung königlicher Herkunft sein mussten. Bei beiden Mumien lag der rechte Arm längs der Körperseite, während der linke Arm über der Brust angewinkelt und die Hand zusammen geballt war. Diese Körperhaltung findet sich auch bei der als Younger Lady (KV35 YL) bezeichneten Mumie[2], die genetisch als Tutanchamuns Mutter festgestellt wurde. Während seiner Säuberungsarbeiten in KV21 ließ Ryan die Überreste der Mumien in Holzkisten zurück in die Grabkammer bringen.

Die als KV21A und KV21B bezeichneten weiblichen Mumien wurden 2010 im Rahmen des King Tutankhamen Family Projects sowohl einer Untersuchung mittels CT als auch einem DNA-Test unterzogen. Die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen waren weniger erfolgreich als bei den anderen getesteten Mumien. Eine Identifizierung war durch die Untersuchungen nicht möglich. Beide Mumien befinden sich seit der Untersuchung im Ägyptischen Museum in Kairo.

KV21A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Mumie ist schlechter erhalten als KV21B. Es fehlt der Schädel, ein Unterschenkel, jedoch ist ein Großteil der Wirbelsäule intakt. Die Untersuchungen ergaben, dass sie von mittlerer Größe war (etwa 1,62 m) und unter starker und schmerzvoller Missbildung beziehungsweise Fehlstellung beider Füße litt (Klumpfuß), die angeboren war. Da an den untersuchten Knochen keine altersbedingten Schädigungen beziehungsweise Verschleißerscheinungen festgestellt werden konnten, wird von einer relativ jungen Person zum Todeszeitpunkt ausgegangen.[3]

Der DNA-Untersuchung zufolge ist diese Mumie die Mutter der beiden Föten aus Tutanchamuns Grab (KV62). Dass es sich bei ihr um eine Tochter der Mumie aus KV55 handelt, die als Echnatons angesehen wird, konnte genetisch bisher nicht nachgewiesen werden. Es gilt deshalb als ungesichert, dass KV21A die Mumie der Anchesenamun, der Großen königlichen Gemahlin Tutanchamuns, ist.[1]

KV21B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KV21B ist weniger stark zerstört als KV21A, wenn auch in mehrere Teile „zerbrochen“, Gliedmaßen fehlen und der Schädel schwer beschädigt ist. Diese Mumie war ein wenig größer als KV21A und wies ebenfalls eine Wirbelsäulenverkrümmung und einen Klumpfuß auf.[1] Des Weiteren wiesen die untersuchten Überreste leichte degenerative Anzeichen an der Wirbelsäule auf, was auf eine wesentlich ältere Person als KV21A hindeutet. Das Alter wurde auf etwa 45 Jahre geschätzt. Zahi Hawass hält diese Mumie für eine mögliche Kandidatin als Nofretete.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: KV21 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Zahi Hawass: Discovering Tutankhamun. From Howard Carter to DNA. The American University Press, Cairo 2013, ISBN 978-977-416-637-2, S. 170.
  2. Nicholas Reeves: On Some Queens’ Tombs of the Eighteenth Dynasty (Memento des Originals vom 26. April 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nicholasreeves.com. In: Nigel Strudwick, John H. Taylor: The Theban necropolis: past, present, and future. (= Tagungsband.). British Museum Press, London 2003, ISBN 978-0-7141-2247-2, S. 69–73 (englisch).
  3. Zahi Hawass, Sahar N. Saleem: Scanning the Pharaos. CT Imaging of the New Kingdom Royal Mummies. American University Press, Cairo 2016, ISBN 978-977-416-673-0, S. 136.
  4. Zahi Hawass, Sahar N. Saleem: Scanning the Pharaos. CT Imaging of the New Kingdom Royal Mummies. American University Press, Cairo 2016, ISBN 978-977-416-673-0, S. 142.

Koordinaten: 25° 45′ 0″ N, 32° 36′ 51″ O