KZ Sisak

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

45.49527777777816.365555555556Koordinaten: 45° 29′ 43″ N, 16° 21′ 56″ O

Karte: Kroatien
marker
KZ Sisak
Magnify-clip.png
Kroatien

Das Konzentrationslager Sisak (serbokroatisch Koncentracioni logor Sisak, Концентрациони логор Сисак) war während des Zweiten Weltkriegs ein für Kinder konzipiertes Konzentrationslager im damaligen Unabhängigen Staat Kroatien (NDH), einem Vasallenstaat der faschistischen Achsenmächte.[1] Es befand sich in Sisak, einer kroatischen Kleinstadt, etwa 100 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Zagreb.

Der Hauptkomplex dieses Lagers befand sich westlich des Güterbahnhofes von Sisak am Flussufer der Kupa, nicht weit vom städtlichen Friedhof. Das Lager war von einem Stacheldrahtzaun umgeben, so dass für die Kinder eine Flucht nicht möglich war.[2] Die internierten waren hauptsächlich serbische Kinder, aber auch jüdische sowie Kinder von Roma und Sinti.[3]

Im Gegensatz zum KZ Stara Gradiška, in dem neben Kinder auch Frauen interniert waren, waren das Lager in Sisak sowie das KZ Gornja Rijeka und KZ Jastrebarsko die einzigen reinen Kinderkonzentrationslager in Europa. Sisak war von ihnen das größte.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Verwaltung[Bearbeiten]

Das KZ Sisak wurde am 12. Juli 1942 eröffnet. Es war eines der etwa 40 Lager, die zwischen 1941 und 1945 im damaligen Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) von den faschistischen kroatischen Ustascha errichtet wurden und bestand aus sechs Baracken.[4] Sisak bildete ein Spezial- und Außenlager des Konzentrationslagers Jasenovac, zu dem neben Sisak noch vier Nebenlager sowie drei kleinere Lager gehörten. KZ-Kommandant des Lagers war Antun Najžer.[4] Von den etwa 10.000 Kindern in den drei Kinderlagern starben rund 4.000. Das Lager wurde im Mai 1945 von jugoslawischen Partisanen befreit. Nach der Befreiung berichtete der Totengräber des KZ Franjo Videc, dass die Anzahl der Todesfälle die in den Unterlagen eingetragen wurde, höher war, denn die jüngsten Kinder wurden gar nicht erst registriert.[4] Bis heute konnte die genaue Zahl der Opfer nicht ermittelt werden.

Bestimmung[Bearbeiten]

Kinder im KZ Sisak, Jugoslawien

Das Ziel der Inhaftierung war offiziell die Umerziehung der gefangenen Kinder, jedoch diente es in weitem Umfang dem Völkermord an Serben, Juden, Sinti und Roma. Die Sterberate im Lager war extrem hoch. Bakterienruhr gehörte zu den üblichen Krankheiten und häufigsten Todesursachen. Oft erhielten die Kinder tagelang keine Nahrung, wodurch viele verhungerten, dann Essen, dem man Natriumhydroxid zugesetzt hatte. Einige Kinder wurden von Ustaschas ermordet.[4]

Zu den größten Verbrechen gehörte die Verschleppung von serbischen Kindern aus der in Bosnien-Herzegowina gelegenen Regionen Kozara, Banije, Kordun und Slawonien im Jahre 1942.[3][4] Die Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und unter anderem nach Sisak gebracht. Von den etwa 6693 Kindern im Lager verloren mehr als 1630 ihr Leben.[3] Täglich starben etwa 30 bis 40 Kinder.[4] Die Eltern hingegen wurden ins KZ Jasenovac interniert oder nach Deutschland zur Zwangsarbeit gebracht.[3][4]

Verhalten der Zivilbevölkerung[Bearbeiten]

Das Leben vieler Kinder wurde nur durch den Einsatz der Humanistin Diana Budisavljević gerettet, die durch einen Teil der kroatischen Zivilbevölkerung damit aus Sisak und Zagreb unterstützt wurde und dabei ihr eigenes Leben riskierte.[3][4] Mitarbeiter des Roten Kreuz hatten mit jugoslawischen Kommunisten zusammengearbeitet und dadurch so viele Kinder wie möglich aus dem Lager schmuggeln können. Die Zivilbevölkerung gab diese Kinder als ihre eigenen aus. Da einige der Kinder während der Befreiung zu jung waren, um sich an ihre Familiennamen zu erinnern, konnte vielen die Identität nicht nachgewiesen werden, so dass sie ihren familiären Hintergrund nie erfuhren.[3] Bis die Wiedervereinigung mancher Familien vollendet wurde, vergingen oft Jahre.[4]

Gedenkstätte[Bearbeiten]

Zur Erinnerung an das Leid im Konzentrationslager wurde erst 1958 ein Springbrunnen mit Statuen von sieben spielenden Kindern errichtet. Die ebenfalls angebrachte Gedenktafel wurde Anfang 1990 von kroatischen Nationalisten zerstört.[4] Aus dem früheren vierstöckigen Hauptgebäude des Lagers wurde inzwischen eine Diskothek.[2] Der Kinderfriedhof Viktorovac, auf dem bis zu 2000 Kinder begraben liegen, wurde seit dem völlig vernachlässigt und war als solcher nicht gekennzeichnet.[4] Die Umwandlung des Gebäudes in eine Diskothek wurde von serbischer Seite scharf kritisiert. Nach Jahren der Vernachlässigung wurde 2013 schließlich die Gedenktafel auf Initiative des Serbischen Nationalrates (SNV) wieder errichtet.[3] Die SNV stellten im selben Jahr ein Gesuch, indem der Kinderfriedhof den Status eines Denkmals erhalten soll.[3] Der erste Gedenktag der seit 1990 abgehalten wurde, fand 2012 statt.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wolfgang Benz und Barbara Distel - Der Ort des Terrors - Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager - Frauen- und Kinderlager - Kinderlager - Band 9, S. 321-323, Verlag C. H. Beck - Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, München 2009, ISBN 978-3-406-57238-8.
  2. a b Kaj Metz: Extermination Camp Sisak. WW2museums.com, 2011, abgerufen am 25. Februar 2011 (englisch, Webseite über Gefangen- und Konzentrationslager sowie Gedenkstätten zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges in Europa): „The Ustaše extermination camp Sisak was specialized in the systematic murder of Serbian, Jewish and gypsy children. Sisak was established on 12 July 1942 and liberated by partisans in May 1945. The extermination camp was a sub-camp of the notorious Jasenovac complex. There were approximately 6.600 children imprisoned in the Sisak extermination camp. 4.000 children died through poisoning and starvation. A fountain with seven statues of playing children, is placed at the former camp site in memory of the children of Sisak. The former concentration camp's main structure, a four-story building, is now home of a Discotheque Party Club.“
  3. a b c d e f g h Večernji list:Mališani su u dječjem logoru umirali od gladi i hladnoće (kroatisch)
  4. a b c d e f g h i j k l RTV:Komemoracija za decu žrtve ustaškog logora u Sisku (serbisch)