Kaiser Wilhelm (Apfel)

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Kaiser Wilhelm
Kaiser Wilhelm
Art Kulturapfel (Malus domestica)
Herkunft Haus Bürgel, Bergisches Land
bekannt seit 1864
Abstammung

Zufallssämling

Liste von Apfelsorten

Die Apfelsorte Kaiser Wilhelm, auch Wilhelmsapfel genannt, wurde 1864 als Zufallssämling im Garten von Haus Bürgel in der Urdenbacher Kämpe zwischen Düsseldorf-Urdenbach und Monheim-Baumberg aufgefunden. Der Volksschullehrer und Pomologe Carl Hesselmann (1830–1902) aus Witzhelden (Bergisches Land) leistete mit der Benennung – nicht ganz uneigennützig – einen Beitrag zum Kult um Kaiser Wilhelm I. Der Apfel wurde 1875 Kaiser Wilhelm zur Geschmacksprobe vorgelegt, der daraufhin die Namensverwendung für „diesen wahrhaft majestätischen Apfel“ huldvoll genehmigte und sich mit einer gerahmten Fotografie mit eigenhändiger Unterschrift bedankte.

Aufgrund genetischer Untersuchungen wurde die Apfelsorte Kaiser Wilhelm vor wenigen Jahren als „Plagiat“ erkannt. Die Sorte ist identisch mit der Lokalsorte „Peter Broich“, die aus der Kölner Umgebung schon vor der „Entdeckung“ Hesselmanns bekannt war.[1]

Kaiser Wilhelm

Die Sorte wird Ende September geerntet und ist von Ende Oktober bis zum April genießbar. Sie hat ein wohlschmeckendes, himbeerartiges Aroma. Das anfangs feste Fruchtfleisch wird im Laufe der Lagerung mürbe. Dies wurde in der Vergangenheit aufgrund der schlechten Zahnqualität eher gern gesehen.

Das Problem an dieser Apfelsorte war und ist, dass der Baum stark in die Höhe wächst und somit kommerziell kaum interessant ist. Deshalb verschwand er spätestens in den 1950er Jahren aus dem Erwerbsanbau in Deutschland. Der Apfel hat sich deshalb, obwohl wenig empfindlich, nur in privaten Gärten[2] und einigen bäuerlichen Streuobstwiesen erhalten. Erst mit der relativ neuen Slow Food-Bewegung kam diese Apfelsorte wieder ins Blickfeld einer vorerst kleinen Liebhaberschar.[3] Er wird seit einigen Jahren wieder von gut sortierten Baumschulen angeboten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Hartmann, Eckhart Fritz: Farbatlas alte Obstsorten, Ulmer Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5672-6, S. 98.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. all-in.de, 31. August 2011: Experte kartiert traditionelle Obstsorten, um sie zu zu erhalten, Auf den Spuren alter Äpfel und Birnen. abgerufen 28. Juli 2012
  2. Gerhard Schuster: Der alte Kaiser Wilhelm und seine Pilze Der Tintling 98, Ausgabe 1/2016, S. 44 - 48
  3. https://www.slowfood.de/slow_food_vor_ort/mainfranken_hohenlohe/was_wir_tun/biodiversitaet_bewahren/fraenkische_arche/