Kalifat (Fernsehserie)

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Fernsehserie
Deutscher TitelKalifat
OriginaltitelKalifat
Produktionsland Schweden
Originalsprache Schwedisch
Jahr 2020
Produktions-
unternehmen
Filmlance International AB,
Imaginarium Films
Länge 46 Minuten
Episoden 8 in 1 Staffel
Regie Goran Kapetanovic
Drehbuch Wilhelm Behrman, Niklas Rockström
Produktion Peter Bengtsson, Lars Blomgren
Musik Sophia Ersson
Kamera Jonas Alarik
Erstausstrahlung 12. Januar 2020 auf Sveriges Television
Deutschsprachige
Erstveröffentlichung
18. März 2020 auf Netflix
Besetzung

Kalifat ist eine schwedische Fernsehserie, die 2020 auf dem öffentlich-rechtlichen Sender Sveriges Television ausgestrahlt wurde und im deutschsprachigen Raum auf Netflix abgerufen werden kann. Die Serie handelt von einem aus Schweden stammenden Mädchen, das sich dem sogenannten „Islamischen Staat“ im syrischen Raqqa angeschlossen hat. Während sie ihre Flucht von dort plant, radikalisieren sich andere Mädchen an einer Schule in Schweden. Eine Polizistin versucht währenddessen Anschlagspläne des IS in Schweden zu ermitteln. Die erste Staffel der Serie hat 8 Folgen, jeweils 46 Minuten lang.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie hat zwei Schauplätze: Raqqa und Schweden. In Raqqa lebt die junge Pervin, die den ebenfalls aus Schweden stammenden IS-Kämpfer Husam geheiratet hat, mit dem sie eine kleine Tochter bekommen hat. Sie hält sich fast ausschließlich im Haus auf, während ihr Mann an Kampfeinsätzen teilnimmt, die ihn wegen ihrer Grausamkeit schwer traumatisieren. Er beginnt seine Frau aus Eifersucht zu schlagen und wird durch seine psychischen Probleme zu einer unberechenbaren Gefahr für seine Frau. Pervin bekommt von einer Freundin ein Handy zugesteckt und nimmt heimlich Kontakt zu ihrer ehemaligen Lehrerin auf, die sie um Hilfe bittet. Die Lehrerin stellt einen Kontakt zur Polizistin Fatima her, die im Islamisten-Milieu ermittelt. Sie schlägt Pervin einen Deal vor: Wenn es ihr gelingt, per Telefon Informationen zu einem geplanten islamistischen Terroranschlag in Schweden zu liefern, bietet sie Pervin ihre Hilfe bei einer Ausreise aus Syrien an. Im zweiten Handlungsstrang wird dargestellt, wie drei in Schweden lebende Mädchen durch den muslimischen Schulassistenten Ibbe radikalisiert werden. Er nähert sich den zum Teil durch ihr Elternhaus vernachlässigten Mädchen Sulle, Lisha und Kareema geschickt und einfühlsam an, indem er ihnen ein besseres Leben mit der „richtigen Religion“ verspricht. Am Ende der Serie sind die Mädchen bereit, nach Syrien auszureisen um dort „Kämpfer“ zu heiraten und für die Religion zu leben. Ein Mädchen erklärt sich sogar zu einem Selbstmordanschlag bereit. Die erste Staffel von Kalifat endet mit einem offenen Ende (Cliffhanger).

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Röther schrieb in einem Radiobeitrag für Deutschlandfunk Kultur: „Die Handlung von „Kalifat“ ist fiktiv, aber sie verdichtet vieles, was die Wissenschaft inzwischen über den Islamischen Staat und seine Methoden weiß. Die Serie arbeitet auch das Grauen auf. Und sie ist außerdem spannend, packend und tragisch. Ihre Stärke liegt aber vor allem darin, dass sie ein brisantes Thema einem breiten Publikum zugänglich macht, und das außergewöhnlich differenziert.“ Der Islamwissenschaftler Hazim Fouad urteilte: „Ich fand, dass die Frauennetzwerke ganz gut dargestellt waren.Vor allem auch, wie Mädchen oder junge Frauen manipuliert und hinters Licht geführt wurden. Und dann die Kontrastierung dessen, was ihnen versprochen wurde mit der Realität vor Ort: dass es eben alles andere als ein Paradies ist.“[1]

Im Standard schrieb Muzayen Al-Youssef: „Die sensible und differenzierte Auseinandersetzung mit den Beweggründen der IS-Frauen ist die große Stärke von Kalifat. Manko ist die Darstellung mancher der männlichen Kämpfer, deren Motivation kaum thematisiert wird. Kalifat erforscht vor allem die Hintergründe jener Frauen, die ein freies Leben in Europa kennen – und dennoch ein System begrüßen, das diese Errungenschaften ausradiert und durch ein archaisches Frauenbild ersetzt.“[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Netflix-Serie „Kalifat“ - Der Islamische Staat spricht auch Schwedisch. In: Deutschlandfunk Kultur. 26. April 2020, abgerufen am 19. November 2020 (deutsch).
  2. Schwedische Serie "Kalifat" auf Netflix: Wenn Frauen zum IS wollen. In: Der Standard. 15. Juni 2020, abgerufen am 19. November 2020.