Deutschlandfunk Kultur

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Deutschlandfunk Kultur
Logo von Deutschlandfunk Kultur
Allgemeine Informationen
Empfang terrestrisch (UKW, DAB+), via Satellit (DVB-S), als Internet-Livestream und in den meisten Kabelnetzen
Sendegebiet DeutschlandDeutschland Deutschland
Sendeanstalt Deutschlandradio
Intendant Willi Steul
Sendestart 1. Januar 1994
Rechtsform Öffentlich-rechtlich
Programmtyp Kultur
Homepage deutschlandfunkkultur.de
Liste der Hörfunksender
Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz in Berlin (2012)

Deutschlandfunk Kultur (DLF Kultur) ist der Name für ein kulturorientiertes Hörfunkprogramm, das neben Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Nova eines der Programme des nationalen Hörfunks, des Deutschlandradios, ist.

Von 1994 bis März 2005 trug es den Namen DeutschlandRadio Berlin (DLR Berlin) und bis April 2017 Deutschlandradio Kultur (DLR Kultur, später DKultur). Standort ist das ehemalige RIAS-Gebäude am Hans-Rosenthal-Platz in Berlin-Schöneberg. Chefredakteur ist seit 2007 Peter Lange.

Logo von Deutschlandradio Kultur bis 30. April 2017

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschlandfunk Kultur ist ein werbefreies Kulturprogramm, das vor allem für seine aufwändigen Hörspiel- und Featureproduktionen bekannt ist. Als Schwerpunkt sehen die Programmverantwortlichen „die Kulturalisierung der Politik und die Politisierung der Kultur“.[1] Das Programmschema setzt auf eine Gliederung mit täglich Literatur, zwei verschiedenen Musikschwerpunkten und einem einstündigen Interview. Kern ist das Format Studio 9, das morgens, mittags und noch einmal am Abend „diskursive Berichterstattung, Kulturkritik, Kommentare und Reportagen“[1] bringt. Nachts sendet die Tonart Musik mit täglich wechselnden Schwerpunkten. Mehrmals in der Woche gibt es ab Mitternacht auch Sendungen der Neuen Musik beziehungsweise der Klangkunst. Am Wochenende wird das Themenspektrum um Kino, Theater, Medien, Philosophie und Religion erweitert. Das Kinderprogramm läuft unter dem Namen Kakadu.

Die Programmreform vom Juni 2014 sollte dem Sender eine verlässlichere Struktur geben, damit Hörer gezielter einschalten können. Als Grund gilt, dass laut Höreranalysen der Sender bis dato keine eigentlichen Stammhörer hatte. Die rund 400.000 Hörer am Tag kamen aus der Stammhörerschaft des Schwestersenders Deutschlandfunk und schalteten zum DRadio Kultur, wenn sie zu kulturellen Themen Radio hören wollten.[2] Deshalb wurde ein Programmschema entwickelt, das die beiden Sender stärker voneinander abgrenzen soll. Damit nahm das Deutschlandradio Anforderungen vorweg, die für eine künftige Evaluation der 53 öffentlich-rechtlichen UKW-Programme plus zehn Digitalangebote erwartet wird. Ohne klareres Profil befürchtete DRadio Kultur die Einstellung.

Bei der Reform 2014 wurde das tägliche sechsstündige Programmformat Radiofeuilleton in thematische Einzelsendungen aufgespalten. Zu den bekanntesten davon zählen Im Gespräch sowie Lesart – Das Literaturmagazin. Außerdem wurde die Call-In-Sendung 2254 eingestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1994 wurden der Deutschlandfunk (Köln), der RIAS (West-Berlin) sowie Teile von Stimme der DDR und Radio DDR 2 (Ost-Berlin), die als Deutschlandsender Kultur (DS Kultur) die Wende überlebt hatten, unter dem Dach einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft, dem DeutschlandRadio zusammengeführt. Träger und gleichzeitig Mitglieder dieser Körperschaft sind ARD und ZDF auf der Basis zweier Staatsverträge zwischen dem Bund und den 16 Bundesländern Deutschlands. Während das Programm der früheren Rundfunkanstalt Deutschlandfunk später seinen Namen und seine Programmstruktur behalten durfte (anfangs wurde es noch Deutschlandradio Köln genannt), wurde in Berlin unter der Leitung der Programmdirektorin Gerda Hollunder ein völlig neues Programm auf die Beine gestellt: Deutschlandradio Berlin (DLR Berlin).

Mit dem Ausscheiden der Programmdirektorin am 30. April 2004 übernahm Günter Müchler, der Programmdirektor des Deutschlandfunks, auch die Verantwortung für DLR Berlin und begann die Arbeit an einer „evolutionären Reform“ des Berliner Programms, dessen Hörerzahl bis dahin überschaubar geblieben war. Am 7. März 2005 ging das reformierte Programm unter dem neuen Namen Deutschlandradio Kultur (ohne die eingeschlossene Majuskel im Namen) auf Sendung. Die Namensänderung soll, laut Sender, zum einen den Anspruch dokumentieren, das bundesweite Kulturradio zu sein, und zum anderen die Missverständnisse beseitigen, die mit dem alten Namen verbunden waren: DeutschlandRadio Berlin wurde zu oft als Berliner Regionalsender wahrgenommen, nicht als zweite Säule des bundesweiten, werbefreien Hörfunks.

Im Zuge einer Markenstrukturreform führte das Deutschlandradio zum 1. Mai 2017 für seine Radiosender neue Namen ein. Hierbei wurde Deutschlandradio Kultur in Deutschlandfunk Kultur umbenannt.[3][4][5][6]

Sendetechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übertragungswagen „Ü5“ des Deutschlandradios; hier vor dem Bremer Konzerthaus Die Glocke (2009)
Höhendiagramm der Sendemasten der Lang- und Mittelwellensender von Deutschlandradio Kultur

Deutschlandfunk Kultur wird über UKW und DAB ausgestrahlt. Der Kurzwellensender 6005 kHz am Standort Sendeanlage Berlin-Britz wurde im Spätsommer 2007 durch einen Brand schwer beschädigt. Noch im gleichen Monat wurde beschlossen, den Sender wegen der hohen Reparaturkosten angesichts der geringen Hörerzahlen nicht mehr in Betrieb zu nehmen. Anfang September 2013 entfiel auch die Verbreitung über die Mittelwellenfrequenz 990 kHz vom gleichen Standort. Über das Astra-Satellitensystem ist Deutschlandfunk Kultur digital über DVB-S zu empfangen. In Südtirol wird der Sender von der Rundfunk-Anstalt Südtirol im Standard DAB+ ausgestrahlt.

Das UKW-Sendernetz wird sukzessiv ausgebaut. Nur in Teilen Ostdeutschlands wird Deutschlandfunk Kultur flächendeckend über starke UKW-Frequenzen ausgestrahlt. In den alten Bundesländern waren bei Sendestart allerdings die reichweitenstarken Frequenzen schon weitgehend verteilt. Daher ist das Programm auf relativ schwache Sender mit geringer Reichweite in den Städten angewiesen und dadurch praktisch nur rund um die Städte zu empfangen. Es werden allerdings nach und nach immer weitere Frequenzen aufgeschaltet.[7][8] Zum 2. August 2010 konnte die bisher von BFBS I für die Versorgung der britischen Streitkräfte genutzte Frequenz 96,5 MHz übernommen werden, die einen Empfang des Programms in großen Teilen Nordrhein-Westfalens erlaubt.

Auf der Webseite des Deutschlandradios kann das aktuelle Programm als Livestream abgerufen werden. Zusätzlich werden seit Mai 2004 ausgewählte Beiträge online archiviert und können via Audio-on-Demand nachgehört werden. Seit Mitte 2005 besteht ein breites Angebot, das als Podcast heruntergeladen werden kann.[9] Des Weiteren gibt es den dradio-Recorder, mit dem sich die Sendungen des Deutschlandradios mitschneiden lassen.[10]

Frequenzliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige starke Frequenzen auf UKW
(Sendeleistung: mindestens 5 kW)
MHz Senderstandort Sendegebiet Leistung
100,0 Augsburg nördliches Schwaben, nördliches und westliches Oberbayern 15 kW
89,3 Großer Waldstein/Hof Oberfranken 20 kW
94,2 Sonneberg östliches Thüringen, Oberfranken 100 kW
97,2 Inselsberg Thüringen, Hessen, nördliches Bayern, südliches Niedersachsen 100 kW
97,4 Brocken im Harz Sachsen-Anhalt, südliches und östliches Niedersachsen, Nord-Thüringen, westliches Sachsen 100 kW
90,8 Cottbus Lausitz 20 kW
89,6 Berlin Berlin, Brandenburg 20 kW
97,1 Helpterberg östliches Mecklenburg-Vorpommern 30 kW
95,3 Schwerin westliches Mecklenburg 100 kW
96,5 Rundfunksender Langenberg Ruhrgebiet 35 kW
96,7 Marlow nördliches Mecklenburg-Vorpommern 30 kW
107,7 Cuxhaven Elbmündung 20 kW
106,1 Eifel-Bärbelkreuz Eifel 20 kW
106,1 Olsberg Hochsauerland 10 kW
92,7 Frankfurt/Oder-Booßen Frankfurt/Oder 5 kW
96,9 Dequede Altmark 7 kW
101,4 Sassnitz Rügen 8 kW
105,0 Neunkirchen (Saar)-Kuchenberg östliches Saarland 5 kW
106,2 Perl saarländisches Moseltal 5 kW
106,2 Bremerhaven-Schiffdorf Wesermündung 5 kW

Über den Langwellensender Zehlendorf (177 kHz) wurden täglich um 1:05, 6:40 und 11:05 Uhr Seewetterberichte gesendet (während der Sommerzeit zusätzlich um 21:05 Uhr).[11] Die Abschaltung dieser Langwellenfrequenz erfolgte Ende 2014.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tagesspiegel: Radio-Flotte auf Kurssuche, 16. Juni 2014.
  2. Süddeutsche Zeitung: Umstrittene Reform bei DRadio Kultur, 20. Juni 2014.
  3. Deutschlandradio.de: Neue Markenarchitektur ab 1. Mai 2017
  4. Deutschlandradio.de: Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova – Deutschlandradio-Programme ab 1. Mai mit neuen Namen
  5. Neue Namen für Deutschlandradio-Programme – „Wir brauchen eine klare Absendermarke“. Deutschlandfunk, 23. September 2016, abgerufen am 25. September 2016.
  6. Namensänderung – Deutschlandradio Kultur wird Deutschlandfunk Kultur. Deutschlandradio Kultur, 23. September 2016, abgerufen am 25. September 2016.
  7. Frequenzliste (nicht aktuell). Deutschlandradio, 2009, abgerufen am 22. April 2009.
  8. Frequenzkarte. Deutschlandradio, März 2011, abgerufen am 25. April 2011 (PDF).
  9. Radiohören auf dradio.de. Deutschlandradio, 2009, abgerufen am 22. April 2009 (Informationen zu den Live-Streams des Deutschlandradios).
  10. Artikel zum dradio-Recorder. In: dradio.de.
  11. Deutschlandradio: Zukunft des Seewetterberichts gesichert. 2. Juli 2013, abgerufen am 2. Oktober 2013.
  12. Pressemitteilung, Abschaltung Langwelle: Deutschlandradio setzt auf moderne Verbreitungswege. Deutschlandradio, 28. November 2014, abgerufen am 1. Januar 2015.

Koordinaten: 52° 28′ 51″ N, 13° 20′ 14″ O