Netflix

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Netflix, Inc.
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Rechtsform Incorporated
ISIN US64110L1061
Gründung 1997
Sitz Los Gatos, Vereinigte Staaten
Leitung Reed Hastings (Chief Executive Officer),
Ted Sarandos (Chief Content Officer)
Mitarbeiter 2.022 (Februar 2013)
Umsatz 4,37 Mrd. US$ (Februar 2013)
Branche Filmwirtschaft
Website www.netflix.com
Die Netflix-Zentrale in Los Gatos

Netflix, Inc. (von englischnet“ für ‚Internet‘ und „flicks“ als umgangssprachlicher Ausdruck für ‚Filme‘) ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das sich mit dem Verleih und der Produktion von Filmen und Serien beschäftigt. Von Reed Hastings und Marc Randolph 1997 in Los Gatos (Kalifornien) gegründet, agierte Netflix zunächst als Online-Videothek und verschickte Filme auf DVD und Blu-ray an seine Abonnenten. Im Jahr 2007 stieg Netflix ins Video-on-Demand-Geschäft ein, indem es seine Inhalte per Streaming für Abonnenten zugänglich machte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netflix wurde am 29. August 1997 von Marc Randolph und Reed Hastings als Alternative zu den bestehenden Videotheken mit 2,5 Millionen Dollar Startkapital gegründet.

Das Unternehmen begann mit 30 Mitarbeitern und einem Sortiment von 925 Filmen als Online-DVD-Verleih, bei dem keine Gebühren für die verspätete Rückgabe von DVDs anfielen. 1999 führte Netflix ein Flatrate-Preismodell ein.[1]

DVD-Versand mit Netflix

Seit dem Jahr 2000 werden dem Benutzer auf Grundlage seines Fernsehverhaltens individuell Filme empfohlen. Bei seinem Börsengang am 29. Mai 2002 konnte das Unternehmen 5,5 Millionen Aktien à 15 Dollar an Investoren verkaufen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Netflix jedes Jahr Verluste eingefahren. Im Jahr 2003 konnte es erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Gewinn erzielen. 2005 waren 35.000 verschiedene Filme bestellbar und die Marke von einer Million ausgelieferter DVDs pro Tag wurde erreicht.[2] 2007 hatte Netflix eine Milliarde DVDs verschickt.[3] In dieser Zeit veränderte man die Vertriebsstruktur. Neben dem Postversand machte man Filme auch durch Online-Streaming zugänglich.[4] Um dieses Geschäftsmodell auszubauen, erwarb Netflix im August 2010 für etwa eine Milliarde US-Dollar die Rechte am Onlinevertrieb von Filmen der Filmstudios Paramount Pictures, Lions Gate Entertainment und Metro-Goldwyn-Mayer.[5]

Im Dezember 2010 hatte Netflix einen Marktwert von etwa zehn Milliarden Dollar.[6] Für das dritte Quartal 2011 meldete das Unternehmen einen weltweiten Erlös von 822 Millionen US-Dollar.[7] 2012 gewann Netflix für seinen Streamingdienst einen Primetime Emmy Engineering Award.

Netflix gehört zu den ersten Unterstützern der FIDO-Allianz, die seit 2013 den Industriestandard Universal Second Factor (U2F) für eine allgemein anwendbare Zwei-Faktor-Authentifizierung entwickelt hat.

Im ersten Quartal 2014 meldete Netflix erstmals über eine Milliarde US-Dollar Umsatz. Mit derzeit 69 Millionen Abonnenten[7] ist Netflix der größte Video-Anbieter der Vereinigten Staaten.[8] Gemessen an den Nutzerzahlen hat Netflix in den USA bereits mehr Zuschauer als jeder einzelne herkömmliche Fernsehsender.[9]

Internationale Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Verfügbarkeit von Netflix.
  • Verfügbar
  • Nicht verfügbar

Netflix war bis September 2010 nur in den Vereinigten Staaten verfügbar und begann dann seine internationale Expansion in Kanada. Seit 2011 wird Netflix in Lateinamerika und der Karibik angeboten. Im Jahr 2012 erfolgte die Expansion nach Europa. Zunächst in Großbritannien, Irland und Skandinavien. 2013 erfolgte die Verfügbarkeit von Netflix in den Niederlanden und seit September 2014 ist Netflix in weiteren europäischen Ländern vertreten. Diese sind: Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg.[10][11]

Der Deutschland- und Österreich-Start fand zeitgleich mit einer Netflix-Veranstaltung in Berlin am 16. September 2014 statt.[12][13] Zu den Angeboten, mit denen sich Netflix von der Konkurrenz abheben möchte, gehören englischsprachige Produktionen, die auch als Originalfassung (OF) und als Originalfassung mit Untertiteln (OmU) in Englisch und Deutsch verfügbar sein sollen.[14]

Im Januar 2016 wurde Netflix in 130 weiteren Ländern freigeschaltet, womit Netflix nun in fast allen Ländern der Welt verfügbar ist, einzig in der Volksrepublik China, Nordkorea, Syrien und auf der Krim nicht.[15]

Eigenproduktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2011 kündigte Netflix an, für seine Kunden Eigenproduktionen neben den Wiederholungen anderer Fernsehserien anzubieten.[16] Als erste Eigenproduktion startete im Februar 2013 David Finchers Politdrama House of Cards mit Oscarpreisträger Kevin Spacey in der Hauptrolle. Die Serie erhielt besondere Aufmerksamkeit von der Presse und gewann 2013 drei Emmys. Eine weitere Serie mit viel medialer Aufmerksamkeit ist Orange Is the New Black, die 2013 erstmals gezeigt wurde. Sie bekam unter anderem Nominierungen und Auszeichnungen bei den Emmys, den Golden Globes und den SAG Awards.

Netflix hält zudem die Exklusivrechte an einer Reihe von Actionserien, die von Disney und Marvel Television produziert werden.[17] Darunter befinden sich Serien über Daredevil, Jessica Jones, Iron Fist, Luke Cage und die Defenders.[18]

Neben ganz neuen Sendungen übernimmt Netflix auch einige bei anderen Sendern bereits eingestellte Serien. So wurden im Mai 2013 neue Episoden der 2006 bei Fox abgesetzten Comedyserie Arrested Development veröffentlicht. Weitere so fortgesetzte Serien sind Star Wars: The Clone Wars (Staffel 6), The Killing (Staffel 4) und Longmire (Staffel 4). Ebenfalls produziert Netflix Spin-offs zu eingestellten Serien. Momentan werden die Serien Fuller House, eine Fortführung von Full House, sowie Degrassi: Next Class, angelehnt an Degrassi: The Next Generation, produziert.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streaming[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfangs setzte Netflix beim Streaming ausschließlich auf Produkte und Technologien von Microsoft, wie VC-1 als Videocodec und WMA als Audiocodec. Mittlerweile werden auch andere Codecs wie beispielsweise H.264 oder H.265 für Video und Ogg Vorbis oder AC-3 für Audio benutzt.[19] Die Vielzahl der Kombinationen bedeutet, dass ein Titel bis zu 120-mal mit verschiedenen Codecs und Einstellungen enkodiert werden muss.[20]

Die Bitrate der Videos wird beim Streaming an die Geschwindigkeit der Internetleitung des Zuschauers angepasst (Adaptive Bitrate Streaming). Für die niedrigste Qualität wird mindestens eine Geschwindigkeit von 1,5 Mbit/s empfohlen, während man für 4K-Videos 25 Mbit/s benötigt.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cloud Server[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netflix nutzt für seine IT-Infrastruktur Amazon Web Services. Masterkopien der Filme werden auf Amazon S3 gespeichert. Umgekehrt bietet beispielsweise die Streaming-Box Amazon Fire TV die Dienste von Netflix an.[21]

Content Delivery Networks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Endkunden kommen die Videos über externe Content Delivery Networks (Akamai, Limelight, Level 3). Alternativ können größere Internetdienstanbieter die Netflix Open Connect-Appliance kostenlos beantragen. Diese Appliances nutzen das FreeBSD-Betriebssystem und den nginx-Webserver.[22]

Peering Points[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit September 2014 ist Netflix am Düsseldorfer IXP ECIX angeschlossen[23]. Im Oktober 2014 folgte in Berlin der BCIX.[24] Die Übertragungsrate wurde im Januar 2016 am BCIX auf 40 Gbit/s angehoben.[25]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Test der Stiftung Warentest, der im März 2015 veröffentlicht wurde, schnitt Netflix – wie die meisten getesteten Streaming-Anbieter – nur mäßig ab. Das Angebot an Filmen und Serien konnte die Tester nicht überzeugen. Sehr positiv wurde die Bildqualität des Angebots bewertet.[26]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gordon Ecco: Netflix – Ein Streamingdienst mischt die Unterhaltungsbranche auf. In: bluemind.tv. 25. April 2014, abgerufen am 28. April 2014
  2. Movies to go. The Economist. 7. Juli 2005.
  3. The Victoria Advocate – Feb 26, 2007. p. B4.
  4. Nate Anderson: Netflix offers streaming movies to subscribers. In: Ars Technica. 16. Januar 2007, abgerufen am 24. Januar 2016 (englisch).
  5. Brian Stelter: Netflix to Pay Nearly $1 Billion to Add Films to On-Demand Service. In: The New York Times. 10. August 2010, abgerufen am 26. April 2011 (englisch).
  6. Tim Arango, David Carr: Netflix's Move Onto the Web Stirs Rivalries. In: The New York Times. 25. November 2010, abgerufen am 26. April 2011 (englisch).
  7. a b Netflix fast 50 Millionen Abonnenten und verbucht zum ersten Mal eine Milliarde US-Dollar Umsatz in einem Quartal. 22. April 2014, abgerufen am 24. April 2014.
  8. Brian Stelter: For Netflix, Higher Earnings and a Milestone. In: The New York Times. 25. April 2011, abgerufen am 26. April 2011 (englisch).
  9. Institut für Medien- und Kommunikationspolitik: Mediendatenbank: Netflix, abgerufen am 21. Mai 2014
  10. Netflix To Launch In Germany, Austria, Switzerland, France, Belgium And Luxembourg In Late 2014, Netflix, 20. Mai 2014, abgerufen am 21. Mai 2014
  11. Gordon Ecco: Netflix – Netflix startet in Deutschland bereits im September. In: bluemind.tv. 22. Juli 2014, abgerufen am 22. Juli 2014
  12. Sieben Fakten zum Deutschland-Start von Netflix, Sascha Geldermann, Augsburger Allgemeine, 1. September 2014
  13. Zehn Fragen zum Netflix-Start in Österreich, Fabian Schmid, derStandard, 29. Juni 2014
  14. Hinter den Kulissen von Netflix, Nico Jurran, c’t Magazin, 31. August 2014
  15. Netflix is now available around the world, Netflix.com, 6. Januar 2016, abgerufen am 6. Januar 2016
  16. Ben Fritz: Netflix confirms deal to offer original content. In: Los Angeles Times. 19. März 201. Abgerufen am 21. Juli 2012.
  17. Todd Spangler: Netflix Orders Four Marvel Live-Action Series. In: Variety.com. 7. November 2013. Abgerufen am 7. November 2013.
  18. David Lieberman: Disney To Provide Netflix With Four Series Based On Marvel Characters. In: Deadline.com. 7. November 2013. Abgerufen am 22. Juli 2014.
  19. Netflix: A Brief History of Netflix Streaming
  20. Janko Roettgers: To stream everywhere, Netflix encodes each movie 120 times. In: Gigaom. 18. Dezember 2012, abgerufen am 2016-16-18 (englisch).
  21. Amazon Fire TV – Verspielte Streaming-Kiste für Amazon-Kunden, test.de, 20. November 2014, abgerufen am 1. Januar 2015
  22. Netflix: Content Delivery Summit
  23. Netflix and ECIX work together to offer free peering in Frankfurt. In: european commercial internet exchange. Abgerufen am 12. Februar 2016 (de-de).
  24. Neuer BCIX Peer: Netflix | BCIX. In: BCIX. Abgerufen am 12. Februar 2016.
  25. Netflix 40G port upgrade | BCIX. In: BCIX. Abgerufen am 12. Februar 2016.
  26. Onlinevideotheken im Test: Was sie bieten – und wie sie funktionieren, test.de vom 6. März 2015, abgerufen am 16. März 2015