Kammgarnspinnerei Wernshausen

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Die Kammgarnspinnerei Wernshausen, eigentlich ein Unternehmen in Niederschmalkalden an der Zwick, war ein Unternehmen der Textilindustrie im jetzigen Schmalkaldener Ortsteil Wernshausen am Zusammenfluss von Werra und Schmalkalde im Südwesten von Thüringen.

Gründung und Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kammgarnspinnerei wurde 1834 in Niederschmalkalden gegründet. Der Eigentümer Johann Christian Weiß erweiterte damit sein zu dieser Zeit sehr erfolgreiches Geschäft mit Kammgarnen, welches er in Bad Langensalza seit 1819/20 führte.

1865 wurden erste Betriebswohnungen errichtet. Ab 1920 begann man das Betriebsgelände in der Fläche auszudehnen. Fabrikgebäude und ein Verwaltungsgebäude, von Karl Behlert entworfen, kamen hinzu und bildeten schließlich das industrielle Gesicht an der Zwick, einem Kreuzungsbereich der Bundesstraße 19 und der Landesstraße 1026 nach Schmalkalden.

Später arbeiteten hier bis zu 1000 Beschäftigte. Es erfolgte eine Umstellung auf Chemiefasern.

Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Kammgarnspinnerei 1992 infolge des stark angezogenen Marktes und des Konkurrenzdruckes zunächst geschlossen worden war, erwarb 1994 die Wagenfelder Spinnereien GmbH (Gebr. Körner) das inzwischen Hattdorfer Kammgarnspinnereien GmbH Niederschmalkalden mit Sitz in Hattorf genannte Unternehmen. Zeitgleich wurde der sogenannte Behlert-Bau, das Verwaltungsgebäude leergezogen.

Am historischen Standort waren dessen wesentliche Gebäude nach der Wende (DDR) weitgehend saniert bzw. mittels Fördermitteln weiter saniert wurden.

Spätestens ab 2003 versuchten Landrat und Bürgermeister die Schließung des Niederschmalkalder Werkes zu verhindern. Die Bemühungen scheiterten. 2004 wurde die Produktion nach Tschechien verlagert, Nachfolger fanden sich nicht.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein „Denkmal“ informiert über die Erfolgsgeschichte der Altlastensanierung
Das Ergebnis der Sanierung (2012)

Das Ensemble stellte ein einzigartiges Industriedenkmal Südthüringens dar. Sie standen seit 2002 unter Denkmalschutz. Von besonderem kulturellen Wert war das Verwaltungsgebäude mit Eingangsloggia und in weiten Teilen original erhaltener Ausstattung (Bleiglasfenster mit Motiven der Wollverarbeitung, Fresken im Foyer, Holzvertäfelung und Stuckdecken) sowie der Spinnereihochbau mit über 15000 m³ Nutzfläche auf fünf Etagen. Heute befindet sich das Gelände im Besitz der Stadt Schmalkalden (nach Eingemeindung Wernshausens zum 1. Dezember 2008).

Der Beschluss zum Abriss wurde vom ehemaligen Wernshäuser Bürgermeister Rainer Stoffel mit Unterstützung des Landrats Ralf Luther (CDU) und der Thüringer Landesregierung gefällt und wurde seit Mitte Januar 2009 umgesetzt. Gegner des Abrisses waren vor allem Jochen Halbig und der Freundeskreis Todenwarth e.V., der Schmalkaldener Museumsdirektor Kai Lehmann sowie verschiedene Intellektuelle, das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und die Fraktion der Linkspartei im Thüringer Landtag. Kritisiert wurde vor allem, dass ohne absolute Notwendigkeit und zu etwa 90 % finanziert aus Steuermitteln, ein landesweit bedeutsames Industriebaudenkmal abgerissen wird. Die Linkspartei vertrat hierbei die Ansicht, dass mit den Fördergeldern in Höhe von 3,6 Millionen Euro das Denkmal ebenso gut gesichert und dadurch hätte erhalten werden können, insbesondere weil keinerlei Nachnutzung für das Terrain zu erkennen ist, was die Notwendigkeit für den Abriss sehr in Frage stellte. Unklar ist, ob erhaltenswerte Objekte wie etwa die Bleiglasfenster des Verwaltungsgebäudes gesichert wurden.

Als letztes wesentliches Gebäude wurde der Hochbau am 1. August 2009 gesprengt.

Seit Juni 2010 steht das Gelände voll erschlossen zur Verfügung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thüringisches Staatsarchiv Meiningen (Hrsg.), Norbert Moczarski et al.: Thüringisches Staatsarchiv Meiningen. Abteilung Regionales Wirtschaftsarchiv Südthüringen in Suhl. Eine kurze Bestandsübersicht. Druckhaus Offizin, Hildburghausen 1994, S. 16–24. (Kapitel Entwicklung traditioneller Industriegebiete in Südthüringen bis 1990)
  • Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Thüringen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2003, ISBN 3-422-03095-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 43′ 6″ N, 10° 21′ 49″ O