Faser

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Faser (Begriffsklärung) aufgeführt.

Eine Faser ist ein im Verhältnis zu seiner Länge dünnes und flexibles Gebilde, das aus einem Faserstoff besteht. Um im technischen Bereich von einer Faser zu sprechen, sollte das Verhältnis von Länge zu Durchmesser mindestens zwischen 3:1 und 10:1 liegen; für viele textile Anwendungen liegt es bei über 1000:1.[1] Fasern können in Längsrichtung keine Druck-, sondern nur Zugkräfte aufnehmen, da sie bei Druckbelastung knicken. In der Natur und in der Technik kommen Fasern meist in einem größeren Verbund vor.

Fasern unterscheiden sich von Drähten und Stäbchen insbesondere durch ihre geringere Größe und Durchmesser sowie ihre mangelnde Knicksteifigkeit.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Fasern besitzen neben dem charakteristischen Längen-Durchmesser-Verhältnis eine Anisotropie (Ungleichheit in den drei Raumdimensionen) der mechanischen Eigenschaften, d. h. eine Faser ist beispielsweise in ihrer Längsrichtung unterschiedlich dehnbar im Vergleich zur Querrichtung. Bei mehreren verdrehten Fasern zeigt sich entlang der Längsrichtung eine Synergie der mechanischen Eigenschaften, z. B. erhöht sich durch das Spinnen die Zugfestigkeit des Faserbündels über die Summe der Zugfestigkeiten der einzelnen Fasern hinaus. Durch das Längen-Durchmesser-Verhältnis sind die meisten Fasern flexibel.[2][3]

Einteilung[Bearbeiten]

Fasern werden aufgrund ihres jeweiligen Ursprungs in Naturfasern und Chemiefasern eingeteilt. Fasern sehr großer, praktisch unbegrenzter Länge heißen Filamente, dagegen werden Fasern begrenzter Länge als Spinnfasern bezeichnet. Spinnfasern teilen sich wiederum in tatsächlich verspinnbare Stapelfasern und sehr kurze Flockfasern, die Grenze liegt bei circa 15 mm.

Naturfasern[Bearbeiten]

Hauptartikel: Naturfaser

Als Naturfasern werden alle Textilfasern und Faserwerkstoffe bezeichnet, die ohne chemische Veränderung aus pflanzlichem und tierischem Material gewonnen werden. Sie sind damit abzugrenzen von Chemiefasern („Kunstfasern“), die synthetisch hergestellt werden. Regeneratfasern wie Bambusviskose oder Lyocell sind keine Naturfasern. Auch die relativ kurzen Holzfasern werden – nicht zuletzt auch wegen ihrer mengenmäßigen Bedeutung – gesondert betrachtet.

Naturfasern können organischen (pflanzlich oder tierisch) oder anorganischen Ursprungs (mineralisch) sein.

Pflanzenfasern[Bearbeiten]

Pflanzenfasern kommen bei Pflanzen als Leitbündel im Stängel oder Stamm, der Rinde (etwa als Bast) und als Samen-Fortsätze vor.

Mit der Eigenschaft fasrig – und auch holzig und krautig – werden unspezifisch die stark von Fasern durchsetzten sowie die verholzten Teile einer krautigen Pflanze bezeichnet, in Unterscheidung zum Jungtrieb und der Blattmasse, insbesondere sind dies bei Lebensmitteln die nicht zum Verzehr geeigneten Anteile. Einen Überblick zu den landwirtschaftlich angebauten Lieferanten von Pflanzenfasern gibt der Artikel Faserpflanzen.

Pflanzenfaser ist ein Sammelbegriff für Fasern pflanzlicher Herkunft, die als Material verwendet werden. Es folgt eine Liste mit der gültigen Kurzbezeichnung nach DIN 60001-1:

Daneben werden auch verschiedene Binsengräser und andere Pflanzen für Pflanzenfasern verwendet.

Bastreste von Linde und Eiche stellen die häufigsten Funde von jungsteinzeitlichen Faserresten dar. Die langen Fasern dieser Baumarten dienten als Werkstoff zur Herstellung von Körben, Matten und Schnüren. Die derzeit bekanntesten Beispiele dürften Umhang und Schuhwerk des Mannes von Hauslabjoch, vulgo „Ötzi“, sein.

Fasern tierischen Ursprungs[Bearbeiten]

Bei Tieren bilden die Haarfollikel Fasern. Ausnahmen sind Seidenfasern von der Verpackung verpuppter Seidenraupen und Muskelfasern, quasi-zelluläre kontraktile Bestandteile des Muskels. Fasern die sich textil nutzen lassen sind:

  • Wollen und feine Tierhaare
    • Wolle von Schafen (WO) (Schurwolle (WV)) wird meist durch jährliches Scheren gewonnen und auch als Schurwolle bezeichnet.
    • Alpaka (WP) , Lama (WL) , Vikunja (WG), Guanako (GU) sind die Haare von den gleichnamigen Lamaarten bzw. Schafkamelen. Die Haare sind fein, weich, glänzend und wenig gekräuselt.
    • Kamelhaar (WK) ist das Flaumhaar der Kamele, die Tiere werfen es jährlich ab. Es ist sehr fein, weich und leicht gekräuselt und beigebraun.
    • Angora (WA) (Haare vom Angorakaninchen), Kanin (WN) (gewöhnliche Kaninchenhaare) sind sehr fein, glatt und sehr leicht. Da sie Wasserdampf gut aufnehmen, sind Stoffe aus Kanin sehr warmhaltend.
    • Kaschmir (WS) gewinnt man durch Auskämmen und sortieren der Flaum- oder Grannenhaare der Kaschmirziege. Diese Haare sind so fein wie die feinste Merinowolle, und Bekleidung aus Kaschmir ist deshalb fein, weich, leicht und glänzend.
    • Mohair (WM) bezeichnet die Haare der Angora- oder Mohairziege. Sie sind lang, leicht gelockt und glänzend. Ihre Farbe ist weiß und sie filzen kaum.
  • Grobe Tierhaare
    • Ziegenhaar (HZ)
    • Rinderhaar (HR) Hier haben vor allem die Haare des Yaks eine textile Bedeutung.
    • Rosshaar (HS) ist sehr grob und wird als Polster und Füllung von Matratzen verwendet.
  • Seiden
    • Maulbeerseide (SE) (Zuchtseide) wird aus dem Kokon des Maulbeerspinners, der Seidenraupe gewonnen.
    • Tussahseide (ST) (Wildseide) wird aus dem von Bäumen und Sträuchern gesammelten Kokon des wildlebenden Tussahspinners hergestellt. Da hier der Schmetterling meist ausgeschlüpft ist, sind die Fasern kürzer und nicht abhaspelbar. Eine Zucht des Tussahspinners ist bisher nicht gelungen.
    • Muschelseide besteht aus den Byssusfäden von Muscheln, die sich damit am Meeresboden festhalten können. Die Fasern sind um ein vielfaches feiner als Seide und wegen der aufwändigen Gewinnung sehr begehrt und wertvoll.

Mineralfasern geologischen Ursprungs[Bearbeiten]

Mineralfasern (Fasern ohne organisch gebundenen Kohlenstoff) kommen natürlich praktisch nur in dieser Form vor:

  • Asbest (AS) wurde wegen der hohen Temperaturbeständigkeit im letzten Jahrhundert vor allem in der Bauindustrie eingesetzt. Sie hat keine textile Bedeutung und ihr Einsatz ist heute weitgehend verboten.
  • Erionit wird aufgrund seiner Asbest-ähnlichen Gesundheitsschädlichkeit nicht verwendet.
  • Fasergips
  • Wollastonit dient heute neben Glasfasern als Asbestersatz

Chemiefasern (früher: Kunstfasern) [Bearbeiten]

Es existiert eine sehr große Anzahl Handelsnamen und ehemaliger Handelsnamen, die durchwegs bekannter sind als ihre chemische Zusammensetzung. Die meisten Chemiefasern sind Polymere:

Fasern aus natürlichen Polymeren[Bearbeiten]

  • Zellulosische Fasern
    • Viskose (CV) wird nach dem Viscoseverfahren aus reiner Zellulose, hauptsächlich aus Buchen- und Pinienholz oder Eukalyptus gewonnen, zunehmend auch aus Bambus, hergestellt.
    • Modal (CMD) wird nach dem modifizierten Viscoseverfahren hergestellt und hat deshalb eine höhere Festigkeit als Viskose im trockenen und nassen Zustand.
    • Lyocell (CLY) wird in einem Nassspinnverfahren hergestellt. Als Lösungsmittel dient N-Methylmorpholin-N-oxid Monohydrat. Die Faser zeichnet sich durch sehr hohe Trocken- und Nassfestigkeit aus.
    • Cupro (CUP) wird nach dem Kupferoxid-Ammoniak-Verfahren hergestellt.
    • Acetat (CA) wird im Trockenspinnverfahren aus in Aceton gelöstem Zelluloseacetat ersponnen (siehe Acetat-Fasern)
    • Triacetat (CTA) wird ebenfalls aus Zelluloseacetat hergestellt, nun allerdings in Dichlormethan gelöst.
  • Gummifasern
  • Pflanzeneiweißfasern
  • Tiereiweißfasern
  • Fasern auf Basis Stärke bzw. Glukose
  • Alginatfasern (ALG)
  • Chitosanfasern

Fasern aus synthetischen Polymeren[Bearbeiten]

  • Polykondensationsfasern
    • Polyester (PES), meist Polyethylenterephthalat (PET), Handelsnamen Diolen, Trevira etc., zeigen vielseitige Eigenschaften und nehmen deshalb eine Spitzenposition unter den synthetischen Fasern ein. Die Polyesterfaser ist sehr reiß- und scheuerfest und nimmt kaum Feuchtigkeit auf.
    • Polyamid (PA), Handelsnamen Nylon, Perlon, Dederon, Grilon, ist sehr elastisch und knittert wenig. Polyamid lässt sich durch Hitze dauerhaft verformen, dies wird beim Thermofixieren ausgenutzt.
    • Polyimid (PI), Handelsname P84, Hochtemperaturkunstfaser, Einsatz in technischen Textilien, zum Beispiel Filtermedien.
    • Polyamidimid (PAI), Handelsname Kermel
    • Polyphenylensulfid (PPS), Handelsnamen Procon, Torcon, Nexylene etc., zeigt eine gute Temperatur- und hervorragende Chemikalienbeständigkeit, Einsatz in technischen Textilien, zum Beispiel Filtermedien.
    • Aramid, Handelsnamen Kevlar, Nomex, Twaron, hat eine sehr hohe Reißfestigkeit und wird für technische Textilien, zum Beispiel in schusssicheren Westen, benutzt.
  • Polymerisationsfasern
    • Polyacrylnitril (PAN), Handelsnamen Dralon, Orlon etc., weist einen wollähnlichen Griff und gute Licht- und Chemikalienbeständigkeit auf. Es ist neben Pech ein wichtiges Ausgangsmaterial zur Herstellung von Kohlenstofffasern. Polyacrylnitril wird auch zur Herstellung von Hohlfasern für die Membrantechnik verwendet.
    • Polytetrafluorethylen (PTFE), Handelsnamen Teflon, Toyoflon, Profilen, Rastex etc., ist temperaturbeständig, chemisch weitgehend inert, wasserabweisend und kaum färbbar. Der Einsatz als Faser erfolgt hauptsächlich in technischen Textilien. Es wird auch als Membran mit Mikroöffnungen – beispielsweise in Wetterschutzbekleidung, Handelsname Gore-Tex oder laminiert auf Filtermedien, Handelsnamen Tetratex, Pristyne etc. – verarbeitet.
    • Polyethylen (PE), Handelsname Dyneema, asota
    • Polypropylen (PP), Handelsnamen z. B. asota, leichteste Textilfaser überhaupt, mit guter Scheuerfestigkeit und praktisch keiner Wasseraufnahme, durch Kochfestigkeit gute Pflegeeigenschaften, elastisch, im Sportfunktions- und Unterwäschebereich, Geotextil, Teppich, Automobiltextilien häufig eingesetzt.
    • Polyvinylchlorid (Bei Fasern CLF sonst PVC) ist gut warmhaltend und wird für Rheumawäsche eingesetzt.
  • Polyadditionsfasern
    • Polyurethan (EL) als Elastomer (Elasthan bzw. Spandex), Handelsnamen Lycra und Dorlastan. Elasthan besteht aus mindestens 85 % Polyurethan und hat eine sehr hohe elastische Dehnung. Da es in Vergleich zu Gummi gut anfärbbar ist, wird es meist in Verbindung mit anderen Fasern für dehnbare Gewebe, Badebekleidung und Strümpfe, eingesetzt. Elastodien hat für den textilen Einsatz praktisch keine Bedeutung.

Industriell erzeugte anorganische Fasern[Bearbeiten]

  • Glasfasern (GF) sind im Vergleich zu Polymerfasern weniger dehnbar und spröde. Sie werden u. a. in Dekostoffen und für die Inneneinrichtung benutzt. In großem Maße werden sie zur Verstärkung von Kunststoffen und in technischen Textilien eingesetzt. Außerdem werden Lichtwellenleiter zur optischen Datenübertragung in Telefon- und EDV-Netzen verwendet.
  • Basaltfasern besitzen ähnliche Eigenschaften wie Glasfasern. Eingesetzt werden sie in Faser-Kunststoff-Verbunden oder als Hitzeschutzmaterial sowie in technischen Textilien.
  • Kohlenstofffasern (CF) sind sehr leicht und haben eine hohe Festigkeit. Sie werden ebenfalls zur Verstärkung von Kunststoffen, in Verbundkeramik und in technischen Textilien eingesetzt. Als Faserfilz finden sie Verwendung zur Wärmeisolation von Hochtemperatur-Schutzgas- oder Vakuumöfen.
  • Metallfaser (MTF), sehr dünner Draht
  • Keramikfasern bilden eine spezielle Klasse von anorganischen Fasern. Sie bestehen aus einer faserförmigen Keramikstruktur. Sie kommen als oxidische (Aluminiumoxide, Mullite, Yttriumoxide) und nichtoxidische (SiC, SiCN, SiBCN) Fasertypen vor. Ihr Haupteinsatzgebiet liegt bei Hochtemperaturanwendungen für Dämmstoffe (bei Kurzfasern) und als Verstärkungsfasern in hochbelasteten Verbundwerkstoffen wie zum Beispiel in faserverstärkter Keramik. Die als „Keramikfaser“ bekannte Aluminiumsilikatwolle wird als Hochtemperaturwolle zur Wärmedämmung bei Temperaturen über 700 °C eingesetzt.
  • Nanotubefasern bestehen nahezu vollständig aus Kohlenstoffnanoröhren (engl. carbon nanotubes). Sie besitzen sehr hohe Festigkeiten und sind noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die NASA untersucht derartige Fasersysteme zum Bau von Weltraumliften.

Faseranalyse[Bearbeiten]

Die unterschiedlichen Eigenschaften von Fasern können durch verschiedene qualitative und quantitative Methoden bestimmt werden.[2][3][5][6] Die Zusammensetzung kann durch eine Brennprobe, eine Elementaranalyse oder eine Neutronenaktivierungsanalyse bestimmt werden. Bei der Brennprobe wird die Flamme (Rußentwicklung), der Geruch, der pH-Wert des Rauchs und die Konsistenz des Rückstands beobachtet, die für das jeweilige Ausgangsmaterial charakteristisch sind. Die Feinheit wird durch Messung der Länge und des Gewichts bestimmt oder mit einem Vibroskop. Lichtmikroskope, Transmissionselektronenmikroskope und Interferometer können zur Bestimmung der Faserdurchmesser und teilweise auch zur Bestimmung deren Ursprungs verwendet werden.[7] Durch Infrarot-Spektroskopie, Raman-Spektroskopie und Röntgenspektroskopie können Fasern über die jeweiligen materialabhängigen Spektren ihrem Ursprung zugeordnet werden.

Je nach Zusammensetzung und Aufbau der Fasern besitzen sie unterschiedliche Werkstoffeigenschaften. Die charakteristischen mechanischen Eigenschaften von Fasern wie die Elastizität, die Zug-, Druck-, Biege-, Knick- und Scherfestigkeit werden mit quantitativen Messungen in entsprechenden Spannvorrichtungen bestimmt. Auch die Anisotropie der Eigenschaften von Fasern und die Synergie mehrerer verdrehter Fasern kann so ermittelt werden.

Internationale Kurzzeichen für Textilfasern[Bearbeiten]

Auszug aus der Liste der Abkürzungen für die Bezeichnung von natürlichen und Chemiefasern herausgegeben vom internationalen Standardisierungsbüro in Brüssel (BISFA) in Anlehnung an DIN 7728:

Benennung Zeichen Benennung Zeichen
Baumwolle CO Elastodien EL
Flachs, Leinen LI Glas GF
Hanf HF Jute JU
Kamelhaar WK Kokos CC
Lama WL Modal CMD
Mohair WM Polyakryl PAN
Polyamid PA Polyester PES
Polyethylen PE Polypropylen PP
Ramie RA Schafwolle WV
Seide (Maulbeerseide) SE Sisal SI
Viskose CV Ziegenhaar HZ

Die internationale Norm für die Kurzzeichen von Chemiefasern ist die DIN EN ISO 1043-1. Bei Naturfasern werden die Kurzzeichen für Deutschland in der DIN 60001-1 festgelegt.

Textile Eignung[Bearbeiten]

Nach dem Textilkennzeichnungsgesetz ist Textilfaser ein “Erzeugnis, das durch seine Flexibilität, seine Feinheit und durch seine große Länge im Verhältnis zum Durchmesser gekennzeichnet ist“.

Die Bedingungen für jede Art Herstellung und Anwendung werden durch Mindestanforderungen an einzelne Eigenschaften (Länge, Feinheit, Elastizität, Feuchtigkeitstransport, Isolierwirkung usw.) näher spezifiziert.

Zum Beispiel: Baumwolle für ein bestimmtes Garn muss mindestens 12 mm Länge und 10 cN/tex Festigkeit haben, für Nassvliesstoffe genügen 4 mm und für Beflockung 2 mm Länge.

Chemiefasern aus Polymeren eignen sich sehr gut für Textilien, für Kleidung wie für technische Anwendungen. Da die Fasern eigens hergestellt werden, kann ihre Form, Dicke und Länge fast frei gewählt werden. Dies erklärt u. a. den Erfolg der synthetischen Fasern gegenüber den traditionell genutzten Naturfasern seit Beginn der 1960er Jahre. Naturfasern können sich insbesondere dort behaupten, wo sie Vorteile gegenüber den Chemiefasern aufweisen können. Neben dem textilen Bereich werden sie auch zunehmend in technischen Textilien eingesetzt.

Naturfasern, Glasfasern und Kohlenstofffasern werden zu Geweben oder zu Vliesstoffen verarbeitet; meist, um sie später zu nichttextilen Faserverbundwerkstoffen weiterzuverarbeiten, selten, um sie direkt in dieser Form einzusetzen. Beispielsweise werden Glasfasergewebe als temperaturbeständige Isolierung für Kabel eingesetzt.

Dünne Metalldrähte spielen eine erhebliche Rolle bei der Herstellung von Kabeln, wo sie meist geflochten werden.

Sollen Fasern textil verwendet werden, müssen sie gesponnen werden. Ausnahme: Vliesstoffe, Filze und Filamente.

Fasermischungen[Bearbeiten]

Es ist heute üblich, für textile Anwendungen Fasern zu mischen. Ziel ist immer, ein Garn mit veränderten Eigenschaften zu bekommen. Hier wird einerseits versucht, bessere Gebrauchseigenschaften, bessere bekleidungsphysiologische oder bessere Pflegeeigenschaften zu erhalten. Auf der anderen Seite versucht man eine Veränderung des Aussehens oder eine Erhöhung der Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Von der Verarbeitung her sind Gemische manchmal schwieriger zu handhaben als pure Fasern. Teilweise lassen sich jedoch gerade Fasergemische besser verarbeiten.

  • eine Fasermischung (Melange) als mehrfarbiger Farbeffekt in einem Garn
  • Vigogne ist eine Mischung aus Baumwolle und Viskose
  • Vigoureux ist eine teilweise streifenförmig walzenbedruckte Fasermischung zur Erzielung hochwertiger, ruhiger Melange-Farbeffekte

Erzeugung und Verbrauch[Bearbeiten]

Die größten Chemiefaserproduzenten[Bearbeiten]

Das bedeutendste Herstellerland von Chemiefasern ist mit großem Abstand China, gefolgt von Taiwan und den USA. In Europa sind Deutschland und Italien die wichtigsten Produzenten.

Die wichtigsten Produzenten für Chemiefasern
Die größten Chemiefaserproduzenten weltweit (2001)[8]
Rang Land Produktion
(in Tsd. t)
Rang Land Produktion
(in Tsd. t)
1 China 7905 8 Thailand 838
2 Taiwan 3105 9 Deutschland 800
3 USA 2744 10 Türkei 672
4 Südkorea 2381 11 Mexiko 555
5 Indien 1681 12 Italien 550
6 Japan 1347 13 Russische Föd. 423
7 Indonesien 1289 14 Brasilien 318

Bei obigen Zahlen ist zu beachten, dass insbesondere die Produktion in China seit 2001 deutlich angestiegen ist. Im Jahre 2006 betrug die dortige Produktion knapp über 19 Millionen Tonnen [9][10].

Insbesondere PET-Fasern werden in großem Maßstab aus recyceltem Kunststoff gewonnen. So wurden etwa 40 % aller im Jahre 2009 in Europa gesammelten PET-Flaschen zu Textilfasern verarbeitet.[11]

Die größten Naturfaserproduzenten[Bearbeiten]

Naturfasern werden in fast allen Ländern der Welt angebaut und verarbeitet – jährlich insgesamt fast 30 Millionen Tonnen. Baumwolle ist dabei mit 20 Mio. t die weitaus dominierende Naturfaser, gefolgt von Wolle und Jute mit rund 2–3 Mio. t. Trotz der weiten Verbreitung sind mit Südasien, Ostasien und China, Mittel- und Osteuropa, Ostafrika und Brasilien Schwerpunkte in der Naturfaserproduktion erkennbar.[12]

Textilfaserverbrauch[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 wurden insgesamt ca. 76 Millionen Tonnen Textilfasern produziert (11 Kg / Weltbewohner). Davon:

Anteile am Textilfaserverbrauch 2009
Rang Gruppe Höchste Anteile  %
1 Baumwolle China, USA, Indien 033[13]
2 Filamente PES, PA, PP 033[13]
3 Chemische Stapelfasern PES, PAN, CV 024[13]
4 Sonst. pflanzl. Fasern JU, LI, CC, SI 07[14]
5 Tierische Fasern WO, WL, WK, WM 02[13]

Die Statistik beinhaltet keine Glasfasern, von den 1,7 Millionen Tonnen allein für Verbundstoffe gebraucht wurden.[15]


Literatur[Bearbeiten]

  • Fabia Denninger, Elke Giese, Herbert Ostertag, Alfons Hofer (bis 7. Auflage): Textil- und Modelexikon. 2 Bände: Band 1 A - K und Band 2 L - Z. 8., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-87150-848-6 .
  • Alfons Hofer: Stoffe 1. Textilrohstoffe, Garne, Effekte. 7. völlig überarbeitete Auflage, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-87150-366-5, S. 228-251.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Faser – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Anton Schenek, Andrea Lindner (Hrsg.): LEXIKON Garne und Zwirne: Eigenschaften und Herstellung textiler Fäden. EDITION TEXTIL melliand. 1. Auflage. Deutscher Fachverlag GmbH, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3871508101, S. 149, DNB 97723262X (572 Seiten, Taschenbuch).
  2. a b A. R. Bunsell, P. Schwartz: Handbook of Tensile Properties of Textile and Technical Fibres (Woodhead Publishing in Textiles), Woodhead 2008, ISBN 978-1439801451.
  3. a b A. R. Horrocks, S. C. Anand: Handbook of Technical Textiles., CRC 2000, ISBN 978-0849310478.
  4. Hans Beyer; Lehrbuch der Organischen Chemie; Leipzig 1968; S.343
  5. American Association of Textile Chemists and Colorists: AATCC Technical Manual (2005), Band 80, Library of Congress Catalog Number 54-34349.
  6. W. E. Morton, J. W. S. Hearle: Physical Properties of textile fibers. 4. Auflage, Woodhead, Cambridge 2008, S. 33–57, S. 134–137. ISBN 978-1-84569-220-9.
  7. Lisa Yount: Forensic science: from fibers to fingerprints – Milestones in discovery and invention. Chelsea House 2007. ISBN 0-8160-5751-6.
  8. Handelsblatt Die Welt in Zahlen (2005)
  9. Man-Made Fiber Yearbook 2007, IBP International Business Press Publishers GmbH, ISSN 1434-3584
  10. H.-J. Koslowski: Chemiefaser-Lexikon. 12. Auflage, Deutscher Fachverlag GmbH, Frankfurt/M. 2008.
  11. KRONES magazin, 03/2012, S. 16
  12. Carus et al.: Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser- Werkstoffen (Deutschland und EU) (PDF; 3,9 MB).
  13. a b c d The Fiber Year 2011 auf Oerlikontextile.com
  14. Statistik auf Faostat.Fao.org
  15. A Century of Progress auf Books.Google.de