Kanadische Unterhauswahlen 1984

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Unterhauswahlen 1984
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60
50
40
30
20
10
0
50,03
28,02
18,81
3,13
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1980
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-14
-16
-18
+17,58
-16,32
-0,96
-0,29
Sonst.
30
40
211
1
30 40 211 
Von 282 Sitzen entfallen auf:
  • NDP: 30
  • Lib: 40
  • PC: 211
  • Sonst.: 1

Die 33. kanadischen Unterhauswahlen (engl. 33rd Canadian General Election, frz. 33e élection fédérale canadienne) fanden am 4. September 1984 statt. Gewählt wurden 282 Abgeordnete des kanadischen Unterhauses (engl. House of Commons, frz. Chambre des Communes). Die von Brian Mulroney angeführte Progressiv-konservative Partei konnte mehr als die Hälfte aller Stimmen auf sich vereinen und gewann die Wahlen mit der größten absoluten Mehrheit der Sitze, die eine Partei in Kanada jemals erreichte. Die Liberale Partei von Premierminister John Turner hingegen erlitt die bis dahin schwerste Niederlage einer Regierungspartei.

Die Wahl[Bearbeiten]

Seit 1963 war Kanada fast ununterbrochen von den Liberalen regiert worden. Pierre Trudeau – Premierminister von 1968 bis 1979 sowie seit 1980 – war im Juni 1984 zurückgetreten, als Meinungsumfragen zeigten, dass die Liberalen mit ihm an der Spitze fast sicher die Wahlen verlieren würden. Auf ihn folgte der ehemalige Justizminister John Turner, der nach neun Jahren Unterbrechung wieder in die Politik einstieg. Entgegen der bisher üblichen Praxis verzichtete Turner darauf, einen unerfahrenen Abgeordneten aus einem „sicheren Wahlkreis“ zum Rücktritt zu bewegen und den frei werdenden Sitz in einer Nachwahl zu übernehmen. Nur zehn Tage nach Amtsantritt rief er Neuwahlen aus.

Die Wahlkampagne der Liberalen war schlecht organisiert und nicht in der Lage, die durch Aufdeckung von Klientelismus und Korruption verursachte massive Unbeliebtheit auszugleichen. Als eine seiner letzten Amtshandlungen hatte Pierre Trudeau über 200 gut bezahlte Posten (Senatoren, Richter, Verwaltungsräte von Staatsunternehmen) mit loyalen Parteimitgliedern besetzt. Diese Ernennungen lösten im gesamten politischen Spektrum Empörung aus. Turner hätte ohne weiteres diese Ernennungen rückgängig machen können, nahm jedoch selbst 70 weitere Ernennungen vor. Brian Mulroney, der Vorsitzende der oppositionellen Progressiv-konservativen Partei, konfrontierte Turner bei den Fernsehdebatten mit dieser Tatsache und brachte ihn dadurch in starke Bedrängnis.

Turners Unfähigkeit, die aufgestaute Wut der Wähler gegen Trudeau zu überwinden, sowie seine eigenen Fehler resultierten in einem Debakel für die Liberalen. Sie verloren über ein Drittel ihrer bisherigen Wähler und mussten im Vergleich zu 1980 den Verlust von 107 Sitzen hinnehmen. Besonders dramatisch war das Ergebnis in der bisherigen Hochburg Québec, wo sie von 74 auf nur noch 14 Sitze zurückfielen. Turner schaffte zwar den Einzug ins Parlament, doch elf Minister wurden abgewählt.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern sprach Mulroney nicht nur die Sozialkonservativen in Westkanada und den Wirtschaftsflügel in den atlantischen Provinzen an. Es gelang ihm auch, die nationalistischen Wähler in Québec auf seine Seite zu ziehen, indem er umfassende Verfassungsreformen versprach, welche die besondere Situation der frankophonen Kanadier besser berücksichtigen würden. Die Progressiv-Konservativen erzielten in allen Provinzen und Territorien das beste Ergebnis; sie konnten mehr als die Hälfte aller Wähler auf sich vereinen und gewannen die Wahlen mit der größten absoluten Mehrheit der Sitze in der Geschichte Kanadas.

Die Wahlbeteiligung betrug 75,3 %.

Ergebnisse[Bearbeiten]

Gesamtergebnis[Bearbeiten]

Übersicht der Provinzen und Territorien
Partei Vorsitzender Kandi-
daten
Sitze
1979
bei Auf-
lösung
Sitze
1984
+/− Stimmen Wähler-
anteil
+/−
  Progressiv-konservative Partei Brian Mulroney 282 103 100 211 + 108 6.278.818 50,03 % + 17,58 %
  Liberale Partei John Turner 282 147 135 040 − 107 3.516.486 28,02 % − 16,32 %
  Neue Demokratische Partei Ed Broadbent 282 032 031 030 002 2.539.915 18,81 % − 0,96 %
  Nicht parteigebunden [1] 020 001 + 001 39.298 0,31 % + 0,28 %
  Parti Rhinocéros Cornelius I. 088 99.178 0,79 % − 0,22 %
  Parti nationaliste du Québec [2] 074 85.865 0,68 % + 0,55 %
  Confederation of Regions Elmer Knutson 055 65.655 0,52 % + 0,52 %
  Grüne Partei Trevor Hancock 060 26.921 0,21 % + 0,21 %
  Libertarian Party Victor Levis 072 23.514 0,19 % + 0,06 %
  Unabhängige 065 001 22.067 0,18 % + 0,05 %
  Social Credit Party Ken Sweigard 051 16.659 0,13 % − 1,57 %
  Kommunistische Partei William Kashtan 051 7.479 0,06 % + 0,01 %
  Commonwealth Party Gilles Gervais 066 7.007 0,06 % + 0,06 %
  vakant 015 7.007 0,06 % + 0,06 %
Total 1.449 282 282 282 12.548.862 100,0 %

Ergebnis nach Provinzen und Territorien[Bearbeiten]

Partei BC AB SK MB ON QC NB NS PE NL NW YK Total
Progressiv-konservative Partei Sitze 19 21 9 9 67 58 9 9 3 4 2 1 211
Anteil 46,6 % 68.8 % 41,7 % 43,2 % 47,6 % 50,2 % 53,6 % 50,7 % 52,0 % 57,6 % 41,3 % 56,8 % 50,0 %
Liberale Partei Sitze 1 1 14 17 1 2 1 3 40
Anteil 16,4 % 12,7 % 18,2 % 21,8 % 29,8 % 35,4 % 31,9 % 33,6 % 41,0 % 36,4 % 26,9 % 21,7 % 28,0 %
Neue Demokratische Partei Sitze 8 5 4 13 30
Anteil 35,1 % 14,1 % 38,4 % 27,2 % 20,8 % 8,8 % 14,1 % 15,2 % 6,5 % 5,8 % 28,2 % 16,1 % 18,8 %
Nicht parteigebunden Sitze 1 1
Anteil <0,1 % 0,2 % 0,8 % <0,1 % 0,4 % 0,3 %
Parti Rhinocéros Anteil 0,4 % 0,4 % 0,2 % 0,2 % 0,1 % 2,4 % 0,3 % 1,1 % 0,8 %
Parti nationaliste du Québec Anteil 2,5 % 0,7 %
Confederation of Regions Anteil 0,2 % 2,2 % 1,3 % 6,7 % 0,5 %
Grüne Partei Anteil 0,6 % 0,3 % 0,1 % 0,3 % 0,1 % 0,1 % 0,2 %
Libertarian Party Anteil 0,3 % 0,1 % 0,4 % 0,3 % 0,1 % 0,1 % 0,1 % 4,4 % 0,2 %
Unabhängige Anteil 0,1 % 0,5 % 0,1 % 0,4 % 0,1 % 0,1 % 0,3 % 0,1 % 0,1 % 0,1 % 3,5 % 0,2 %
Social Credit Party Anteil 0,2 % 0,6 % 0,1 % 0,2 % 0,1 % 0,1 %
Kommunistische Partei Anteil 0,1 % 0,1 % 0,1 % 0,1 % 0,1 % 0,1 %
Commonwealth Party Anteil 0,2 % <0,1 %
Sitze total 28 21 14 14 95 75 10 11 4 7 2 1 282

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Tony Roman wurde im Wahlkreis York North als „Koalitionskandidat“ gewählt. Er schlug dabei den progressiv-konservativen Amtsinhaber John Gamble, dessen rechtsextreme Ansichten viele seiner ehemaligen Wähler abgeschreckt hatten.
  2. Ergebnisse im Vergleich mit der Union populaire bei den Wahlen 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]