Kanake (Schimpfwort)

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Kanake oder Kanaker, oft auch Kanacke, ist ein Schimpfwort für Menschen mit vermeintlich südländischem Aussehen.

Wortherkunft

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Kannakermann war im späten 19. Jahrhundert unter deutschen Seeleuten eine verbreitete Bezeichnung für Kameraden aus Polynesien oder Ozeanien. Da diese im Ruf standen, besonders fähige und treue Kameraden zu sein, wurde dieser Begriff sowohl für diese Gruppe meist im positiven Sinne und oft auch als „Ehrentitel“ für besonders gute Kameraden europäischer Herkunft gebraucht.

Entlehnt ist das Wort vom hawaiischen kanaka für ‚Mensch‘, der Bezeichnung der polynesischen Ureinwohner von Hawaii für die Kanaken Neukaledoniens.

Kanake als Schimpfwort

Kanake ist in neuerer Zeit in Deutschland eine Bezeichnung für Einwanderer mit südländischem Aussehen. Zu Zeiten der Anwerbung von Gastarbeitern in den 1960er bis 1970er Jahren oft gegen Italiener, Spanier und Griechen verwendet, zielt der Ausdruck heute meist auf Menschen arabischer, türkischer, persischer, kurdischer sowie süd- und südosteuropäischer Abstammung. Das Wort ist kein Ethnophaulismus (herabsetzende Volksbezeichnung im engeren Sinne), da es unspezifisch auf beliebige Ethnien angewandt wird. Dennoch fallen in den sich im Laufe der Jahrzehnte leicht wandelnden Bedeutungshintergrund nur bestimmte Einwanderergruppen. Weiße Arbeitsmigranten aus westlichen Ländern, aber auch aus slawischen Ländern wie Russland oder Polen sowie "typisch asiatisch" aussehende Menschen aus China, Vietnam oder Thailand werden kaum als Kanaken bezeichnet. Auch gegen Schwarze wird der Ausdruck nicht verwendet, da gegen sie andere Schimpfworte (z.B. Neger/Nigger) dominieren bzw. länger etabliert sind.

Kanake als Selbstbezeichnung

Der Begriff wird in Deutschland seit den 1990er Jahren zunehmend auch als bewusste Selbstbezeichnung von meist jugendlichen Migranten verwendet.[1] Hierdurch wird das Schimpfwort umgewertet, in dem es durch „Aneignung“ seinen herabwürdigenden Charakter verliert und zum Ausdruck einer eigenen, positiv verstandenen Identität werden soll. Als Fremdbezeichnung wird die Benennung als Kanake immer noch als eindeutig beleidigend verstanden.[2]

Auch Deutsche ohne Migrationshintergrund bezeichnen sich selbst manchmal in ähnlicher Motivation als Kanacken. Beispielsweise bezeichnen sich Fußballfans von Schalke 04 und anderen Ruhrgebietsvereinen gerne als "Ruhrpottkanacken", um damit ihre besondere Verbundenheit zu ihrer Heimat im Ruhrgebiet auszudrücken, aber auch weil sie von anderen Fans mit diesem Ausdruck beschimpft werden. Deutsche Rapper ohne Migrationshintergrund benutzen den Ausdruck für sich selbst, beispielsweise um auszudrücken, dass auch sie sozial benachteiligt sind. Zudem existiert eine Punkband mit dem Namen die Ruhrpottkanaken

Kanak Sprak

Hauptartikel: Kanak Sprak

Abgeleitet von dem Wort Kanake ist die Bezeichnung Kanak-Sprak oder auch Kanakisch, auch „Türkendeutsch“ oder „Kiezdeutsch“, für einen deutschen Soziolekt gängig, der vor allem in Ballungszentren von den heranwachsenden Nachfolgegenerationen meist türkischer Arbeitsmigranten herausgebildet wurde und sich durch eigene Sprachstrukturen und -stile auszeichnet.

Während der Begriff Kanak Sprak ursprünglich 1995 von Feridun Zaimoğlu mit dem Buch Kanak Sprak – 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft im Problembewusstsein der Diskriminierung und der Integrationsprobleme geschaffen wurde, ist der Soziolekt durch die Comedians Kaya Yanar (Was guckst du?!) und Erkan und Stefan (Bullyparade, headnut.tv, Kinofilme) karikiert worden, um das Jahr 2000 durchaus in Mode gekommen, und wird etwa im deutschen Rap – im Sinne eines ethnic pride (ethnischer Stolz) – verwendet.[3]

Siehe auch

Literatur

  • Michael Freidank: Kanakisch-Deutsch: dem krassesten Sprakbuch übernhaupt. Frankfurt am Main 2001

Einzelnachweise

  1. Sprachvariationen in deutschen Ghettos, von Donja Amirpur, 2007
  2. http://noam.uni-muenster.de/sasi/Tanja_Buecker_SASI.pdf
  3. Die Welt vom 5. April 2006: Kanak Sprak

Weblinks