Kannenorden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen von Conrad Grünenberg; li. oben unter dem Kreuz Signum des Kannenordens

Der Kannenorden (vollständig und ursprünglich spanisch: Orden de la Jarra y el Grifo; dt.: Orden der Kanne und der Greif) oder Aragonischer Kannenorden war ein Ritterorden, der 1403 von Ferdinand von Aragon während der Kämpfe mit den Mauren gestiftet wurde.

Das Signum des Ordens war eine goldene Kanne mit drei hervorbrechenden Lilien – die drei Lilien galten als das Bild der Reinheit der „Gottesmutter“ –, sowie ein unter einem Marienbild mit Mandorla hängender goldener Greif, der das Devisenband mit der spanischen Inschrift „por so amor“ (= „aus Liebe zu ihr“) in seinen Fängen hält (siehe nebenstehende Abb.). An Samstagen und Marienfesten legten die Ordensmitglieder eine weiße Schärpe mit den Ordensinsignien an (siehe dazu auch Abb. des Porträts von Oswald von Wolkenstein).

Fundstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oswald von Wolkenstein – Porträt aus der Innsbrucker Handschrift von 1432 (Liederhandschrift B)

Der Kannenorden genoss in Österreich ein hohes Ansehen. Neben Oswald von Wolkenstein waren auch die Kaiser Sigismund, Friedrich III. und Maximilian I. Träger des Ordens[1].

  • Siehe nebenstehender Abbildung oben ist bei Oswald von Wolkenstein das Kannenordensignum auf einer Schärpe unterhalb das des Drachenordens zu sehen, den er auch an seinem Hals umgehängt trägt.
  • Im Stadtmuseum Wels befindet sich die Grabplatte des Vogt zu Wels, Christoph von Hohenfeld (1431–1496). Diese Platte trägt den Brandenburgischen Schwanenorden, den aragonischen Kannenorden und den Schwertorden von Zypern.[1]
  • Das Wappen des Ritters Florian Waldauf von Waldenstein und seiner Gattin Barbara Mitterhofer aus Hall in Tirol ziert der Orden. Ein Holzschnitt von Albrecht Dürer zeigt neben dem Brandenburgischen Schwanenorden auch die Zeichen des Aragonesischen Kannenordens.[1]
  • Eine Beschreibung der Investitur findet man im Tagebuch von Dietrich von Schachten über die Pilgerfahrten des Landgrafen Wilhelm I. von Hessen. Landgraf Wilhelm I. wurde 1491 der Aragonische Kannenorden verliehen, zusammen mit seinem adligen Begleiter.
  • Die Fenster in der Stadtpfarrkirche Hall in Tirol zeigen von links nach rechts: einen Orden des Hauses Lancaster, Aragonesischer Kannenorden und Brandenburgischer Schwanenorden.[1]
  • Das Allianzwappen des Ritters Christoph Botsch und seiner Frau Barbara Fuchs ist mit mehreren Orden umgeben, darunter der Kannenorden.
  • Auf einem Epitaph in der Stadtpfarrkirche von Prunn ist der Aragonische Kannenorden neben anderen Orden dargestellt. Das Epitaph gehört Hans „des Freudigen“ von Fraunberg.
  • Im Museum von Treviso wird ein Grabstein des Giovanni Emo aus dem Jahre 1483 (aus Venedig) aufbewahrt. Hier wird der Drachenorden, der Aragonische Kannenorden und das Abzeichen der Gesellschaft von der Ginsterschote gezeigt.

Auffällig ist, dass mit dem Kannenorden der Drachenorden, der Brandenburgische Schwanenorden und das Zeichen der Dänischen Gesellschaft (zahlreiche Ritterorden werden auch Gesellschaften genannt) vom Drachen gemeinsam gezeigt werden. Auch ist diese Kombination anzutreffen: Aragonischer Kannenorden, Abzeichen der österreichischen Adlergesellschaft, Orden von der Fischschuppe (Kastilien), Livery Collar des Hauses Lancaster.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder im deutschsprachigen Raum:

  • Oswald von Wolkenstein, Ritter, Minnesänger, 1415/1432 (1376–1445)
  • Hans von Fraunberg († 1428)
  • Kaiser Sigismund, 1415 (1368–1437)
  • Heinrich Blarer, Bürger von Konstanz († 1476)
  • Heínrich Ketzel, Bürger von Nürnberg († 1438)
  • Jörg von Volkenstorf, 1448/50
  • Reinprecht IV. von Walsee († 1450)
  • Jörg Perkhaimer, Ritter († 1450)
  • Ein Herr von Fladnitz, Ritter (ca. 1459)
  • Benedikt von Freising, Ritter, 1451 († 1499)
  • Konrad oder Caspar von Scharnachtal (Mitte 15. Jh.)
  • Florian von Losenstain, Ritter († 1452)
  • Sebastian Ilsung, Bürger von Augsburg, vor 1458.
  • Johannes von Perenyi, Ungarn († 1458)
  • Kaiser Friedrich III., vor 1459 (1415–1493)
  • Hainrich Blarer, Bürger von St. Gallen, 1460.
  • Niklaus von Diesbach, Herr von Signau, 2e Hälfte des 15. Jh.
  • Ulrich Ketzel, Bürger von Nürnberg, 2e Hälfte des 15. Jh.
  • Peter Rieter, Bürger von Nürnberg, 1479.
  • Konrad von Grünenberg, 1483
  • Bernhard Gradner von Eglisau († 1489)
  • Christoph von Hohenfeld (1431–1496)
  • Gabriel Muffel, Bürger von Nürnberg († 1498)
  • Kaiser Maximilian I. (1459–1519)
  • Christoph Botsch, Ritter, Ende des 15. Jh.
  • Landgraf Wilhelm I. von Hessen, 1491 (1466–1515)
  • Dietrich von und zu Schachten, Ritter, 1391 († 1503)
  • Christian von Hanstein, Ritter, 1491, (†vor 1532)
  • Albrecht von Mugk, Ordensritter und Komtur zu Buchs, 1491.
  • Daniel Kaufmann, Bürger von St. Gallen, 1491.
  • Florian Waldauf von Waldenstein († 1510)
  • Degenhart Pfäffinger, Ritter, Herr auf Salmanskirchen und Zangberg, Erbmarschall von Niederbayern, Innerster Kämmerer und Rat in Kursachsen (1471–1519)
  • Georg von Ehingen (1428–1508), Reichsritter.
  • Hedwig von Sachsen (1445–1511), Äbtissin des Reichsstiftes von Quedlinburg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • D'Arcy Jonathan Dacre Boulton: The Knights of the Crown. The Monarchical Orders of Knighthood in Later Mediaeval Europe, 1325–1520. New York 1987, S. 330–338.
  • Anna Coreth: Der „Orden von der Stola und den Kanndeln und dem Greifen“ (Aragonesischer Kannennorden). In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs. Wien 1952, S. 34–62.
  • Franz-Heinz von Hye: Testimonios sobre órdenes de caballería españolas en Austria y estados vecinos (Bohemia, Alemania, Suiza y Hungría). In: La España Medieval. Nr. 16, Madrid 1993, S. 169–187.
  • Dietrich von Schachten: In Gottes Namen fahren wir... Die Pilgerfahrten des Landgrafen Wilhelm des Älteren von Hessen in das heilige Land. (Reihe Hessen-Nassauische Bücherei). Bernecker, Melsungen 1925, S. 74ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Klaus H. Feder: Auf den Spuren des „Brandenburgischen Schwanenordens“ in Österreich. (Vortrag, gehalten am 23. Juni 2000 anlässlich der 5. Internationalen Ordenskundlichen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Ordenskunde in Wien)
  2. Sonja Dünnebeil (Hrsg.): Die Protokollbücher des Ordens vom Goldenen Vlies. Band 1: Herzog Philipp der Gute (1430–1467). (= Instrumenta. 9). Thorbecke, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-7273-2, S. 102ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]