Allianzwappen

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Ein Allianzwappen ist die Darstellung zweier Wappen, deren Träger (Personen, Länder, Fürsten- oder Bistümer) durch eine Allianz verbunden sind. Bekannt sind diese seit dem Ende des 13. Jahrhunderts.

Es gibt zwei Formen, die Allianz in einem gespaltenen Schild, oder als zwei nebeneinandergestellte Schilde unter einem Oberwappen. Der ranghöhere Schild (des männlichen Ehepartners, des Hauses, oder des Bistums) befindet sich heraldisch rechts, und stellt das Oberwappen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigung von zwei Wappen geschah zuerst, schon ab der Kreuzzugszeit, dadurch, dass man jedes Wappen halbierte und die Wappenhälften im neuen Schild zusammenfügte („Spaltung“ des Schildes). Diese Vereinigung ist eine monogrammatische Vereinigung (zusammengeschobenes Wappen). Es treten im Normalfall die beiden Wappen in verschmälerter Form in die beiden Felder ein, es entstanden aber auch viele halbierte Figuren, z. B. halber Löwe, halber Adler. Am Spalt befindliche halbe Wappentiere, insbesondere der Adler, lassen auf eine Wappenvereinigung schließen.

Eine andere Form des Allianzwappens ist die, bei dem das ranghöhere Wappen als Herzschild in die Mitte des anderen Wappens gelegt wird. Die Allianzwappen in Spanien wurden so kombiniert, dass der Mannesschild mittig angeordnet wurde und herum der Frauenschild in einem Bord in einfacher Form angepasst wurde.

Die spätere Form ist die, in der die zwei Schilde der Allianz nebeneinander gestellt werden. Die heraldisch korrektere Darstellung ist die, in der beide Oberwappen (Helm, Krone und ähnliches) dargestellt sind, es kommt aber auch häufig vor, dass das ranghöhere Wappen die gemeinsame Helmzier stellt. Die Doppelschilde sind leicht zueinander geneigt und behalten, als Großes Wappen ausgeführt, an ihren Flanken die ursprünglichen Schildhalter.

Wappen Österreich-Ungarn 1916 (Klein).png
Wappen Österreich-Ungarn 1916 – ein Staatsgebilde aus zahlreichen Allianzen entstanden:

Allianzwappen von Herr und Territorium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Allianzwappen Baden und Sachsen-Lauenburg in Ettlingen
Das Allianzwappen Wambolt von Umstadt / von Kesselstatt am Wambolter Hof in Bensheim

Die eine Variante ist das Allianzwappen im ursprünglichen Sinne, bei dem das Wappen des Herrscherhauses vor das Wappen des Territoriums, in dem es regiert, tritt. Diese Form tritt auch in geistlichen Wappen auf. Hier wird die Verbindung eines Würdenträgers mit dessen geistlichen Territorium veranschaulicht.

Allianzwappen der Personalunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Spätmittelalters, spätestens bis in den Absolutismus des Barock, haben sich die Herrscherhäuser Europas konsolidiert, und das Territorium tritt in den Hintergrund. Ab dieser Zeit ist das Allianzwappen Zeichen von in Personalunion verbundenen Ländern.

Heiratswappen (Ehewappen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig finden sich Allianzwappen bei Eheschließungen von Adligen. In diesem Falle spricht man auch von Heiratswappen beziehungsweise Ehewappen.

Die beiden Wappen werden unter der Rangkrone des Mannes vereinigt. Bei Fürsten oder Prinzen wird alles vor einem Wappenmantel gestellt. Die Wahlsprüche oder Devisen werden von der männlichen Linie übernommen. Schildhalter stehen neben ihrem Schild: rechts der Halter des Mannes und links der von der Frau. Aus Courtoisie (diese Regeln wurden in Frankreich entwickelt) wird des Mannes Wappen gespiegelt (gekontert), also der Dame zugewandt. Die Wappentiere werden so gestellt, das diese sich ansehen und nicht Rücken an Rücken sind.

Beispiel für die spanische Sitte[1]: Im königlichen portugiesischen Wappen war das alte portugiesische Wappen in der Mitte und der rote Bord mit Burgen stammt aus der Ehe Ferdinands I. (1367–1383) mit der portugiesischen Adligen Leonore Teles de Menezes. Diese hatte die kastilischen Burgen aus dem Wappen des Vaters.

Bei zwei Ehen ergeben sich Allianzwappen aus drei Schilden, bei denen die erste Frau heraldisch rechts (vorne) steht, der Mann meist zu ihr gewendet.

Im Allgemeinen ist das Ehewappen nur für die beiden Ehegatten gültig, die Kinder führen ihres Vaters Wappen. War die Frau aber erbberechtigt oder brachte sie eigenes Gut als Aussteuer in die Ehe ein, erhielt sich in vielen Fällen die zusammengeschobene Form als Familienwappen weiter. Viele vermehrte Wappen gehen auf Ehewappen zurück.

Witwenwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Witwenallianz wird der einzige Schild besonders geteilt. Es ist gespalten oder geviert üblich. Bei gespalten vorn der Mannesschild und hinten der der Frau. Die Vierung ordnet Feld 1 und 4 dem Mann und 2 und 3 der Frau zu. In England war diese Wappenallianz mehr in Anwendung als im übrigen Europa.

Städtewappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essen Brandenburg an der Havel
Die Stadtwappen von Essen und Brandenburg an der Havel

Äußerst selten ist ein Stadtwappen ein Allianzwappen, so z. B. beim Wappen der Stadt Essen oder dem Wappen der Stadt Brandenburg an der Havel.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute werden Allianzwappen auch für Städtepartnerschaften genutzt.[2]

Allianzwappen als Motiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bartholomäus Aichs musikalisch-dramatischem Festspiel Armamentarium comicum amris et honori zur Hochzeit des Grafen Maximilian Willibald von Waldburg-Wolfegg mit Clara Isabella Prinzessin von Aarschot und Arenberg am 6. Dezember 1648 in Lindau werden die heraldischen Figuren der beiden Wappen der Brautleute allegorisch dargestellt und in einem Allianzwappen zusammengeführt. Die Verbindung der heraldischen Figuren der zwei Wappen (wie der Sonne oder dem Löwen) dient als Symbol der dynastischen Verbindung der beiden Häuser und wird so zum Mittelpunkt einer originellen ästhetischen Inszenierung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Allianzwappen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Milan Buben: Heraldik. Albatros, Prag 1987
  2. P.W. Hartmann: Eintrag: Allianzwappen, Ehewappen, Heiratswappen. In: BayArs Das grosse Kunstlexikon. Abgerufen am 19. Juni 2008.