Kapelle der Versöhnung

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Dieser Artikel behandelt das Kirchengebäude Kapelle der Versöhnung, für die gleichnamige Musikgruppe, siehe Kapelle der Versöhnung (Band).
Kapelle der Versöhnung

Die Kapelle der Versöhnung ist eine Kirche in der Bernauer Straße im Berliner Bezirk Mitte, die 2000 auf dem Fundament der Versöhnungskirche in Lehmbauweise gebaut wurde. Sie ist Teil der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick aus der Kapelle
Gottesdienst anlässlich des 52. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer 2013
Altarretabel im Inneren

Durch den Bau der Berliner Mauer wurde auch die Versöhnungsgemeinde geteilt. Ab 1961 war die 1894 gebaute Versöhnungskirche für die im Westteil der Stadt gelegene Gemeinde nicht mehr zugänglich, weil sie auf dem „Todesstreifen“ zwischen innerer und äußerer Mauer stand. 1985 wurde sie dann schließlich von der DDR gesprengt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erhielt die Gemeinde 1995 das Grundstück mit der Auflage einer sakralen Nutzung zurück.

Die Architekten Peter Sassenroth und Rudolf Reitermann entwarfen ab Juni 1996 im Auftrag der Evangelischen Versöhnungsgemeinde einen ungewöhnlichen Kirchenbau. Auf den Fundamenten des Chorraums wurde ab Juni 1999 ein ovaler Kirchenraum von Lehmbaukünstler Martin Rauch in Stampflehmbauweise errichtet, der von außen mit Holzstäben aus Douglasien ummantelt ist. Es ist seit mehr als 100 Jahren der erste öffentlich gebaute Lehmbau in Deutschland. So weit wie möglich wurden Materialien der Versöhnungskirche in dem Bau verarbeitet. Die Wandstärke beträgt bis zu 60 Zentimeter bei einer Höhe von sieben Metern und einer Länge von 43 Metern. Insgesamt wurden 390 Tonnen Stampflehm verarbeitet. Das Retabel wurde in den schlichten Innenraum integriert, und Teile des Bauschutts wurden zermahlen als Zusatz in die Lehmmasse gegeben. Die Orgel stammt von der Firma Walker aus dem Jahr 1965 und verfügt über zwei Manuale und ein Pedal. Die geretteten Glocken sind in einem Glockengerüst außerhalb der Kapelle aufgehängt. Sie stammen vom Bochumer Glockengussverein und wurden im Jahr 1984 hergestellt. Die größte von ihnen wiegt 1300 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 150 Zentimetern. Es folgen zwei kleinere Exemplare mit 850 bzw. 500 Kilogramm und 130 bzw. 110 Zentimetern Durchmesser. Ein Wandelgang mit Sitzgelegenheiten verbindet den Kircheninnenraum mit seiner Umgebung. Der Grundriss der Versöhnungskirche ist um die Kapelle markiert und dient als Kirchplatz. Die Baukosten beliefen sich auf 971.454 Euro.[1]

Am 9. November 2000 wurde die Kapelle der Versöhnung eingeweiht. Sie ist Teil der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße. Im Gemeindehaus, das 1965 als Ersatz für die unzugängliche Kirche gebaut wurde, ist das dazugehörige Dokumentationszentrum untergebracht.

Andachten für die Toten an der Berliner Mauer[Bearbeiten]

Seit dem 13. August 2005 findet in der Kapelle der Versöhnung täglich von Dienstag bis Freitag um 12 Uhr mittags eine 15-minütige Andacht statt, in der die Biografie eines an der Berliner Mauer Gestorbenen verlesen wird. Die Biographien sind das Ergebnis eines Kooperationsprojekts des Vereins Berliner Mauer und des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam, in dem Historiker die Biografien von Maueropfern recherchieren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Versöhnungskirche/Versöhnungskapelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Informationsschrift: Kapelle der Versöhnung, Berlin-Mitte / Bernauer Straße, ohne Datumsangabe, Auslage in der Kirche im Juni 2015.

52.53583333333313.391944444444Koordinaten: 52° 32′ 9″ N, 13° 23′ 31″ O