Karabiner

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Ein Karabiner ist ein kurzläufiges Gewehr. Ursprünglich war ein Karabiner ein leichtes Militärgewehr, das einen kürzeren Lauf als das Infanteriegewehr hatte und bei der Kavallerie eingesetzt wurde. Der Begriff ist im Waffenbereich nur unscharf definiert.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Karabiner stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist entlehnt aus französisch carabine „Reiterflinte“, auch „kleine Armbrust“, Ableitung von carabin „leichter Reiter“.[1]

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine genaue Definition und Zuordnung unterschiedlicher Gewehre fällt schwer und ist wegen unterschiedlicher Herstellerangaben, technischer Beschreibungen, militärischer Ausschreibungen und so weiter nicht allgemeingültig möglich.

Unter anderem definiert das deutsche Waffengesetz Karabiner als Langwaffen.

US-amerikanische Sharps 1863 Carbine
US-amerikanische M1 Carbine (1942–1960)
Mauser C96 Karabiner
US-amerikanische M4 (seit 1994)
Colt Roots Karabiner, Ring über dem Abzugbügel

Wenn ein Militärgewehr (Länge ca. 140 cm) als Infanteriegewehr bezeichnet wird, so gilt seine kurzläufige Variante (Gesamtlänge ca. 100 cm) als Karabiner. Die weiteren Entwicklungen in Richtung Mobilität und Handhabung zu Pferde führten zum Reiter- oder Kurzkarabiner, dessen Länge bei rund 90 cm lag. Weitere Verkürzungen durch klappbare, faltbare, schwenkbare oder zusammenschiebbare Hinterschäfte oder Schaftkolben sind bei modernen Varianten der Karabiner üblich. So entwickelte Waffen kommen auf eine Gesamtlänge von rund 50 Zentimeter oder etwas darüber. Die Abgrenzung von modernen Karabinern, wie z. B. dem US-amerikanischen M4-Karabiner (ca. 75–84 cm), der fälschlicherweise oft als Sturmgewehr bezeichnet wird, zu größeren Maschinenpistolen mit längeren Läufen, wie z. B. der Thompson-MP (ca. 85 cm), oder kurzen Sturmgewehren, wie z. B. dem französischen FAMAS-Sturmgewehr (ca. 76 cm), ist schwierig. Die Definitionsunschärfe wird durch die verwendete Munition nur noch größer. Karabiner verwendeten ursprünglich die Munition der Infanteriegewehre, aus denen sie entwickelt wurden, später gab es eigenständige Entwicklungen in leichteren Kalibern. Moderne Karabiner verwenden weitgehend die sogenannte Mittelpatrone oder neuere Entwicklungen kleinerer Kaliber. Sturmgewehre verwendeten ursprünglich Patronen im Kaliber von Infanteriegewehren und die Mittelpatrone, heute werden eher kleinere Gewehrkaliber bei diesen Entwicklungen verwendet. Maschinenpistolen verwendeten ursprünglich Pistolenmunition, und auch bei ihnen werden heute oft kleinere Gewehrkaliber verwendet.

In gewissen Fällen wurden auch Infanteriegewehre zu Karabinern umgebaut, indem der Lauf gekürzt und die Schäfte angepasst wurden. Ein Beispiel ist das von den Österreichern zu einem Karabiner abgeänderte Gewehr Mannlicher Modell 1895.

Als Karabiner wurden in der Vergangenheit auch Waffen, sogenannte "Pistolenkarabiner" entwickelt, die Pistolenmunition verschossen. So gab es von der Mauser C96, der Borchardt C93 und der Pistole 08 Karabinerversionen mit festem oder abnehmbaren Schaft und langem Lauf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karabiner wurden ursprünglich für die Kavallerie und bespannte Truppen, (Beispiel Feldartillerie), entwickelt, da die längeren Infanteriegewehre beim Einsatz zu Pferd zu unhandlich waren. Links, zwischen Schaft und Kolben war bei Karabinern oft ein Ring angebracht; mit diesem konnte die Waffe an den am Sattelzeug angebrachten Karabinerhaken angehängt werden.

Die grundlegende Einteilung der militärischen Gewehre in Infanteriegewehr (einschließlich der gezogenen Jägerbüchse) und Karabiner blieb bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges gültig. Neben den normalen Infanteriegewehren und Karabinern gibt es Kurzgewehre und Kurzkarabiner (zur Ausrüstung z. B. von Gebirgs- oder Fallschirmjägern).

Viele Unterhebelrepetierer verwenden Kurzwaffenpatronen. 2004 gab Carl Walther Sportwaffen eine Karabinerversion der Walther P99 heraus.

Mit der Entwicklung des Ordonnanzgewehr-Schießens durch verschiedene Sportverbände haben historische Karabiner heute große Bedeutung als Sport- und Sammlerwaffen. Vielfach wurden auch vorhandene Militärwaffen zu Jagdgewehren umgearbeitet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Dammerhuber: S.A. und S.S. Schießbuch für Gewehr 98 beziehungsweise Karabiner mit Beschreibung des Gewehres 98 und Seitengewehr. Selbstverlag, München 1933, DNB 576372951.
  • Luc Guillou: Développement et utilisation du système Mauser en Allemagne de 1871 à nos jours. In: Mauser. Fusils et carabines militaires. Band 1. Édition du Portail, La Tour-du-Pin 1997, ISBN 2-86551-032-8.
  • A. E. Hartink: Gewehre-Enzyklopädie. Büchsen aus aller Welt. Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2003, ISBN 3-89555-110-4.
  • Wolfdieter Hufnagl: US-Karabiner .30 M1. Waffe und Zuberhör. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-613-01635-4.
  • Nikolaus Krivinyi: Leichte Infanteriewaffen. Pistolen und Revolver, Maschinenpistolen, Gewehre, Karabiner und Scharfschützengewehre, automatische Gewehre und Maschinenkarabiner, Maschinengewehre, Panzerabwehrwaffen, Fliegerabwehrrohre, Munition, Nah- und Nachtkampfmittel. Ueberreuter, Wien 1974, DNB 202185249.
  • Stefan Papp, jr.: Mit Karabiner und Säbel. Das Kavalleriekorps der Potomac-Armee im US-Bürgerkrieg. Verlag für Amerikanistik, Wyk auf Föhr 1995, ISBN 3-89510-023-4 (zwei Bände).
  • Albrecht Wacker: Das System Adalbert – Der Karabiner 98 K. VS-Books, Herne 2008, ISBN 978-3-932077-21-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeine Militär-Encyclopädie, 1861, Leipzig. S. 114