Karen Joisten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Karen Joisten (* 18. Juni 1962 in Rüsselsheim) ist eine deutsche Philosophin und seit 2018 Professorin für Philosophie an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joisten studierte Philosophie, Germanistik und Pädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Sie schloss den Magister Artium mit einer Arbeit über „Das ‚Ressentiment‘. Schelers Nietzsche-Deutung von Nietzsche aus kritisch betrachtet“ ab. Ihre Promotion zum Dr. phil. mit der Schrift „Die Überwindung der Anthropozentrizität durch Friedrich Nietzsche“ mit dem Prädikat summa cum laude wurde 1993 mit dem Preis der Johannes Gutenberg-Universität „in Anerkennung der hervorragenden wissenschaftlichen Arbeit“ ausgezeichnet.

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz war Joisten als wissenschaftliche Mitarbeiterin, wissenschaftliche Assistentin und Hochschuldozentin am Philosophischen Seminar bis 2010 tätig. 2001 habilitierte sie sich dort mit einer Arbeit über „Philosophie der Heimat – Heimat der Philosophie“ (Publikation gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft). In der Folge war Joisten Fellow am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Akademieleiterin mit den Schwerpunkten der Medizin-, Psychiatrie- und Psychotherapieethik, hatte eine Gastprofessur am Institut für Philosophie an der Universität Kassel inne und war Fellow am Max-Weber-Kolleg in Erfurt. 2016 übernahm sie die Vertretungsprofessur für Philosophie an der Technischen Universität Kaiserslautern. Im Anschluss an diese wurde Joisten 2018 zur Professorin für Philosophie an der Technischen Universität Kaiserslautern ernannt.

Joisten hatte Gastdozenturen in Bogota und Prag inne. Sie wurde als Philosophin in die wissenschaftliche Kommission „Kirche und Sport“ der katholischen Kirche Deutschland, in die Ethikkommission am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie in das Ethikkomitee des Klinikums Kassel berufen. Sie entwickelte den internationalen und offiziell akkreditierten Studiengangs „Master of Arts – Olympic Studies“, der an den Universitäten: University of Lyon, Loughborough University, German Sport University Cologne, Autonomous University Barcelona und University of Mainz durchgeführt wird. Sie ist u. a. Mitglied der Forschergruppe ECO-ETHICA unter der Leitung von Peter Kemp (Kopenhagen) und Noriko Hashimoto (Tokio).

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joistens Forschungsschwerpunkte liegen sowohl in der praktischen als auch in der theoretischen Philosophie, namentlich in den Bereichen der Ethik, der Kulturphilosophie, der Wissenschaftstheorie und der Methodenlehre sowie der Anthropologie. Die Ebenen der praktischen wie der theoretischen Philosophie verknüpfen sich in ihrem Ansatz der narrativen Philosophie. Sie ist Leiterin der Wilhelm Schapp Forschungsstelle und Herausgeberin des philosophischen Nachlasses Wilhelm Schapps. Seit Anfang 2018 baut sie an der Technischen Universität Kaiserslautern ein Ethikzentrum auf.

Narrative Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von ihrer Studie Heimat der Philosophie – Philosophie der Heimat[1] vertiefte Joisten seit 2004 ihren Ansatz der narrativen Philosophie. Auf grundlagentheoretischer Erkenntnisebene und anwendungsorientierter ethischer Perspektive steht hierbei eine strukturelle Deutung des Menschen als „Heim-Weg“ im Sinne der Fragen: „Woher komme ich – wohin gehe ich?“ im Vordergrund, die im Rückgriff auf zeitgenössische Phänomene sowie historische Positionen eine grundlagentheoretisch-anthropologische Fragestellung verfolgt. Diese Deutung ist zugleich die Grundlage für eine integrative Ethik und repräsentiert eine topische Grundlagenforschung, in der das Leben und Handeln des Menschen in unterschiedlichen theoretischen wie auch praktischen Zusammenhängen erforscht wird.[2] Hierzu gehören Fragen nach der Person, der Autonomie (und Heteronomie), dem Tod und dem Sterben, den Werten und den Tugenden, der Tragweite von Menschenbildern, dem Leib- und Körperverständnis, aber auch nach die nach der Relevanz moderner Medien und Techniken für das menschliche Handeln, das Problem der Toleranz oder das nach der Verantwortung des Menschen in der technologischen und digitalisierten Zeit.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joisten, Karen: Die Überwindung der Anthropozentrizität durch Friedrich Nietzsche. Würzburg 1994.
  • Joisten, Karen: Philosophie der Heimat – Heimat der Philosophie. Berlin 2003.
  • Joisten, Karen: Aufbruch. Ein Weg in die Philosophie. Berlin 2007.
  • Joisten, Karen: Philosophische Hermeneutik. Berlin 2009. (= Reihe Akademie Studienbücher)

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Narrative Ethik. Das Gute und das Böse erzählen. Hg. v. Karen Joisten. Berlin 2007. (= Sonderband 17 der Deutschen Zeitschrift für Philosophie)
  • Das Denken Wilhelm Schapps. Perspektiven für unsere Zeit. Freiburg 2010. (Hg. unter Mitarbeit von Nicole Thiemer.)
  • Räume des Wissens. Grundpositionen in der Geschichte der Philosophie. Bielefeld 2010. (= Beiträge zu den Historischen Kulturwissenschaften)
  • Wilhelm Schapp: Philosophie der Geschichten. Hg. zus. mit Jan Schapp. Frankfurt am Main 2015.
  • Wilhelm Schapp. Auf dem Weg einer Philosophie der Geschichten. Teilband I-III. (= Schriften aus dem Nachlass) Hg. v. Karen Joisten, Jan Schapp und Nicole Thiemer. Freiburg i. Br. 2016–18.
  • Mitherausgeberin der Reihe „Olympische Studien“ (zusammen mit Eike Emrich, Manfred Messing, Norbert Müller, Otto Schantz, Ingomar Weiler)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Karen Joisten: Selbstanzeige. Philosophie der Heimat – Heimat der Philosophie. In: Pädagogische Rundschau. 58. Jg., Heft 4/Juli-August, 2004, S. 484–488.
  2. Vgl. u. a. Karen Joisten: Narrative Ethik. Lesarten, Dimensionen und Anwendungen. In: Ulrich Volp, Friedrich W. Horn und Ruben Zimmermann (Hrsg.): Metapher - Narratio - Mimesis - Doxologie. Tübingen 2016, S. 105–121.