Karl-Jaspers-Klinik Wehnen

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Karl-Jaspers-Klinik
Trägerschaft Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH
Ort Bad-Zwischenahn-Wehnen
Geschäftsführer Michael Poerschke
Betten 591
Mitarbeiter ca. 1.000
Gründung 1858
Website www.karl-jaspers-klinik.de/
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Karl-Jaspers-Klinik, Einfahrt

Die Karl-Jaspers-Klinik (vormals Niedersächsisches Landeskrankenhaus Wehnen) ist ein Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Bad Zwischenahner Ortsteil Wehnen. Träger der Klinik ist der Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karl-Jaspers-Klinik wurde am 15. März 1858 unter der Bezeichnung „Irrenheilanstalt zu Wehnen“ eröffnet, zunächst ausgelegt für 80 Patienten.[1] Erster Direktor war Franz Ludwig Anton Kelp.[2] Im Jahre 1903 erfolgte die Namensänderung in „Heil- und Pflegeanstalt Wehnen“.

Bis zur Jahrhundertwende war die Patientenzahl auf 225, bis 1911 auf 310 angestiegen, so dass zusätzliche Krankenstationen und Wirtschaftsgebäude benötigt wurden, die in den Folgejahren im Pavillonstil errichtet wurden.[3]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden auch in Wehnen Patienten im Rahmen der NS-Krankenmorde durch systematisches Aushungern und medizinische Vernachlässigung[4] getötet. Zu diesem Zweck wurden auch Patienten aus anderen Kliniken in der Wesermarsch in das Haus verlegt.[5] Vorreiter dieses Denkens in der Klinik war der Arzt Kurt Mönch.[6]

Nach Untersuchungen des Historikers Ingo Harms kamen mindestens 1500 Patienten um.[7][8][9] Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden später rasch eingestellt.

Der Film Ich werde nicht schweigen von Esther Gronenborn aus dem Jahre 2017 nimmt die Thematik auf.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974 übernahm der Bezirksverband Oldenburg vom Landessozialhilfeverband die Trägerschaft für die Klinik, 1975 das Land Niedersachsen.[7]

Seit 2004 erinnert eine Ausstellung in der Alten Pathologie, die sich auf dem Klinikgelände befindet, an die Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus.

Das Krankenhaus in Trägerschaft des Landes Niedersachsen wechselte am 1. Juli 2007 den Träger, Träger wurde der Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH. Im Rahmen des Trägerwechsels am 1. August 2007 wurde das Haus nach dem Oldenburger Philosophen und Psychiater Karl Jaspers benannt.

Karl-Jaspers-Klinik
Karl-Jaspers-Klinik
Karl-Jaspers-Klinik

Einrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klinik verfügt über ca. 1.000 Beschäftigte, 591 Betten im vollstationären und 84 Plätze im teilstationären Bereich (Stand 2020).[10] Die Klinik hat den Sicherstellungsauftrag für die stationäre psychiatrische Versorgung der Landkreise Ammerland, Vechta, Oldenburg, Cloppenburg, Wittmund und Wesermarsch, sowie der Städte Delmenhorst und Oldenburg.

Neben zwei allgemeinpsychiatrischen Funktionsbereichen umfasst das Behandlungsangebot die Bereiche Psychosomatik, Gerontopsychiatrie, Psychotherapie und Sucht, sowie forensische Psychiatrie (Jugendforensik). Dazu kommen eine Tagesklinik und Ambulanz auf dem Krankenhausgelände, sowie Tageskliniken in den Städten Cloppenburg, Delmenhorst, Bad Zwischenahn, Westerstede und Brake (Unterweser).

Mit der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie gehört die Karl-Jaspers-Klinik zum medizinischen Campus der Universität Oldenburg und ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Oldenburg. Seit der Gründung der European Medical School 2012 besteht eine Kooperation mit der KJK.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L. Kelp: Die Großherzoglich Oldenburgische Irrenheilanstalt zu Wehnen in ihrer ganzen Einrichtung dargestellt: Nebst einem Anhang und einem Plane. Verlag G. Stalling, Oldenburg 1861. [1]
  • Paul Kollmann: Die geisteskranke Bevölkerung im Grossherzogthum Oldenburg: nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 1. December 1880, sowie in Vergleichung mit denen früherer Aufnahmen. Mittheilung des Grossherzoglichen Oldenburgischen statistischen Bureaus. Berlin 1883. [2]
  • M. Roth: Aufsätze zur Geschichte der Medizin im Herzogtum Oldenburg. Littmann, Oldenburg 1921, VIII [3]
  • Christel Maeder: Gründungsgeschichte des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Wehnen bei Oldenburg. Rösemeier, Bad Zwischenahn-Ofen 1991. [4]
  • Hedwig Thelen: Die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen. In: Henning Steinführer u. a. (Hrsg.): Geschichte und Erinnerung in Niedersachsen und Bremen. 75 Erinnerungsorte. Wallstein Verlag, Göttingen 2021 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen; 314), ISBN 978-3-8353-3872-2, S. 395–400.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte der Karl-Jaspers-Klinik. Von der Gründung bis zur Jahrhundertwende: 1858-1900. Abgerufen am 8. Juli 2019.
  2. Kelp, Franz Ludwig Anton. In: Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Hrsg. im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. Isensee, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5, S. 366–367 (online).
  3. Von der Jahrhundertwende bis in die Weimarer Republik: 1900–1933. Abgerufen am 8. Juli 2019.
  4. Alfred Fleßner und Ingo Harms: Die oldenburgische NS-„Euthanasie“ und ihre Opfer. (PDF; 2,7 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 7. April 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.presse.uni-oldenburg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. https://www.weser-kurier.de/region/die-norddeutsche_artikel,-Die-meisten-Aerzte-wussten-was-sie-taten-_arid,1277658.html
  6. Gedenkstätte Wehnen | Gedenkkreis Wehnen e.V. | Gedenkstätte Wehnen. Abgerufen am 28. Februar 2020 (deutsch).
  7. a b http://www.ndr.de/kultur/geschichte/Heil-und-Pflegeanstalt-Wehnen,wehnen124.html
  8. Ingo Harms: Das Schicksal der ausländischen Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen während des Nationalsozialismus. (PDF; 168 kB)
  9. Ingo Harms: „Wat mööt wi hier smachten …“ – Hungertod und „Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen im „Dritten Reich“. Druck- und Verlagscooperative, 1997, ISBN 3-925713-25-5.
  10. Daten und Fakten. Karl-jaspers-klinik.de; abgerufen am 31. August 2020.

Koordinaten: 53° 10′ 12″ N, 8° 8′ 14,3″ O