Karl Krause (Unternehmer)

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Karl Krause

Karl Krause (* 29. November 1823 in Liemehna bei Eilenburg; † 3. März 1902 in Leipzig; vollständiger Name: Johann Gottfried Karl Krause) war ein Leipziger Unternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Krause war das elfte Kind des Landwirts Johann Gottfried Krause und seiner Frau Johanna Regina, geborene Heyer. Da sein Vater starb, als Karl erst acht Jahre alt war, hatte er eine sehr entbehrungsreiche Kindheit. 1838 ging er nach Leipzig und arbeitete als Laufbursche für das Café français des Konditors Wilhelm Felsche. Da er hier kein Weiterkommen sah, absolvierte er 1842 bis 1846 eine Schlosserlehre, nach deren Abschluss er auf Wanderschaft in den südwestdeutschen Raum und die Schweiz ging. 1848 wieder in Leipzig, arbeitete er bis 1855 als Geselle in mehreren Leipziger Maschinenfabriken. Nebenbei bildete er sich autodidaktisch fort.

Die Maschinenfabrik Karl Krause um 1900

Mit wenig angespartem Kapital und der Hilfe des Konditors Felsche eröffnete er 1855 in der Leipziger Erdmannstraße eine Reparaturwerkstatt für Maschinen des grafischen Gewerbes. Schon bald begann er, selbst solche Maschinen zu bauen. Seine Spezialität waren neben anderen Anlagen der grafischen Industrie vor allem Papierschneidemaschinen. Eine erste Vergrößerung seiner Fabrik erfolgte mit dem Umzug in die Inselstraße. 1857 errichtete er eine eigene Eisengießerei, und 1859 begann der Export seiner Erzeugnisse.

1873/1874 ließ er auf einem großen, von ihm 1870 erworbenen Gelände in dem östlich von Leipzig gelegenen Crottendorf eine neue Fabrik erbauen, die in der durch die Vereinigung mit Anger 1883 entstandenen Gemeinde Anger-Crottendorf bald der größte Arbeitgeber war und nach ihrer Eingemeindung 1889 ebenso für den neuen Leipziger Stadtteil. 1896 hatte die Fabrik 600 Beschäftigte. Sie wurde zu einem führenden Unternehmen der Branche.

Karl Krause war verheiratet mit Emilie, geborene Polter (1835–1911). Die gemeinsame Tochter Anna heiratete Heinrich Biagosch (1855–1924). Die Familie Biagosch wohnte zusammen mit der Witwe Karl Krauses in einer 1906 auf dem Fabrikgelände errichteten Villa.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1893 wurde Karl Krause der Ehrentitel Kommerzienrat verliehen.[1]
  • Die nördlich am Betriebsgelände in Leipzig-Anger-Crottendorf verlaufende Straße trug von 1905 bis 1963 seinen Namen (jetzt Theodor-Neubauer-Straße).

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reliefplatten der ehemaligen Grabstätte Karl Krauses auf dem Neuen Johannisfriedhof Leipzig, jetzt restauriert auf dem Alten Johannisfriedhof

Bereits 1893 war Heinrich Biagosch, der Ehemann von Karl Krauses Tochter, in die Firma eingetreten und leitete sie nach dem Tod des Schwiegervaters allein. Später übernahmen dessen Söhne die Firma. Diese vergrößerte sich weiter und hatte 1913 bereits 1500 Mitarbeiter.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Werk Bombenschäden. Ab 1945 wurden zahlreiche Maschinen demontiert und im Rahmen der Reparationsleistungen in die Sowjetunion gebracht. 1948 wurde der Betrieb enteignet und war ab 1960 ein Teil des VEB Buchbindereimaschinenwerke Leipzig. Die ehemalige Fabrik Karl Krause überlebte bis 1994. Die leeren Fabrikanlagen wurden abgebrochen und das Gelände eingeebnet.

Die Familie Biagosch ging nach der Enteignung nach Bielefeld und gründete dort 1949 die Krause-Biagosch GmbH, die mit Besitzerwechsel seit 1975 zur Horstmann-Gruppe gehört. Krause-Biagosch ist bis heute ein führendes Unternehmen der graphischen Industrie.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A–Z. PROLEIPZIG, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 318.