Karl Moritz Raugraf zu Pfalz

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Karl Moritz Raugraf zu Pfalz[1] (* 30. Dezember 1670 auf Schloss Friedrichsburg; † 13. Juni 1702 in Herrenhausen vor Hannover) war ein Raugraf zu Pfalz bei Rhein[2] und kurbrandenburgischer Oberstleutnant.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Grabplatte und heutiger Epitaph des „Carolus Mauritius Raugravius Palatinus Rheni“ an der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover, mit der Aufschrift „[...] cum quo extincta illustrissima eyus familia“

Karl Moritz war der Sohn des Pfalzgrafen Karl Ludwig bei Rhein und dessen morganitischer Ehefrau Marie Luise von Degenfeld, die von Karl Ludwig den Titel einer Raugräfin verliehen bekam, ebenso wie die gemeinsamen Kinder Raugrafen oder Raugräfin wurden.[2] Allerdings verzichtete die gemeinsame Mutter Marie Luise von Degenfeld im Jahr 1667 im Namen ihrer Nachkommen auf alle Erbansprüche auf die Pfalz.

Karl Moritz war zudem der Neffe der Prinzessin Sophie von der Pfalz, der späteren Kurfürstin im Kurfürstentum Hannover.[2]

Nachdem die Eltern von Karl Moritz schon früh gestorben waren – seine Mutter verlor er im Alter von 6 Jahren, seinen Vater im Alter von 9 Jahren[3] – kam der junge Raugraf an den Hof der Residenzstadt Hannover zu seiner Tante Sophie.[2]

Karl Moritz von der Pfalz studierte an der Universität Leiden und der Universität Utrecht, las viele Bücher und war ein vielseitig interessierter und geschätzter Gesprächspartner. Ähnlich wie seine vier älteren Brüder suchte auch der eher kleinwüchsige Karl Moritz Anerkennung durch Teilnahme an Kriegszügen, zunächst im Jahr 1694 im Pfälzischen Erbfolgekrieg gegen Ludwig XVI. Nachdem er im Dienste Preußens 1697 Oberstleutnant wurde, zog er lediglich 1698 in den Großen Türkenkrieg, kam dabei aber eher glimpflich um größere Schlachten herum.[3]

Am Hofe von Berlin verkehrte der geschätzte „kleine Held“ vielfach mit der Kurfürstin und späteren preußischen Königin Sophie Charlotte. Karl Moritz, der philosophieren und Verse reimen kann, spielt für sie den „kleinen Sklaven“ an ihrem Musenhof, an den die Kurfürstin des Öfteren auch Gottfried Wilhelm Leibniz lädt.[3]

Kurfürstin Sophie von Hannover klagte in ihren Briefen an ihre Nichte Liselotte von der Pfalz, die Schwägerin des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV., über den übermäßigen Alkoholkonsum ihres Neffen Karl Moritz.[2]

Grabmal und Verlöschen des Familiennamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Moritz zu Pfalz starb im Alter von nur 31 Lebensjahren in Herrenhausen. Er wurde in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in der Calenberger Neustadt bestattet. Seine Grabplatte findet sich heute als Epitaph an der zum Neustädter Markt errichteten Außenmauer der Kirche.[2]

Auf dem Epitaph findet sich der Hinweis „[...] cum quo extincta illustrissima eyus familia“, übersetzt „[...] mit dem seine so bedeutende Familie ausstarb.“ Allerdings war der Hauptzweig der kurpfälzischen Familie im Mannesstamm mit dem Kurfürsten Karl II. von der Pfalz, dem Halbbruder von Karl Moritz von der Pfalz, bereits 1685 ausgestorben.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landesbibliographie and Baden-Württemberg. Europäische Stammtafeln, Neue Folge I.1 95

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl Moritz zu Pfalz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vergleiche Degenfeld, Loysa Maria Susanna von, Raugräfin zu Pfalz in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3 (1957), S. 559–560; online in der Deutschen Biographie
  2. a b c d e f Annette v. Boetticher: Grabsteine, Epithaphe und Gedenktafeln der ev.-luth. Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover, Broschüre DIN A5 (20 Seiten, teilweise mit Abbildungen), hrsg. vom Kirchenvorstand der ev.-luth. Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis, Hannover: 2002, S. 13
  3. a b c Luigi Castagna, Eckard Lefèvre (Hrsg.), Chiara Riboldi (Mitarb.): Studien zu Petron und seiner Rezeption ( = Studi su Petronio e sulla sua fortuna) ( = Beiträge zur Altertumskunde, Bd. 241), Berlin; New York: de Gruyter, 2007, ISBN 978-3-11-019488-3 und ISBN 3-11-019488-0, passim; Vorschau über Google-Bücher
  4. Annette v. Boetticher: Grabsteine, Epithaphe und Gedenktafeln ..., S. 2