Kaspar Schlick

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Kaspar Schlick (Schedelsche Weltchronik, 1493)

Kaspar Schlick (* um 1396 in Eger; † 19. Juli 1449 in Wien), Graf von Passaun und Weißkirchen, war Kanzler des Heiligen Römischen Reichs; er war der erste Amtsinhaber, der Laie und bürgerlicher Herkunft war. Der Freisinger Bischof Heinrich II. Schlick war sein Bruder.

Kaspar Schlick wurde als Sohn des Kaufmanns und Ratsherrn Heinrich Schlick in Eger geboren. Er besuchte die Universität in Leipzig und trat danach in die Dienste des böhmischen Königs Sigismund. 1415 bis 1417 begleitete er den König auf seinen Reisen nach Spanien, Frankreich und England. 1416 wird er zum Schreiber ernannt, 1426 königlicher Sekretär, 1427 Protonotar, 1429 zum königlichen Vizekanzler[1] und 1433 zum Reichskanzler von Kaiser Sigismund. Schlick war Reichskanzler von 1433 bis 1437 unter Kaiser Sigismund und Kanzler unter König Albrecht II. und Friedrich III. 1435 erhielt Kaspar Schlick gemeinsam mit seinem Bruder Matthäus von Kaiser Sigismund Gut und Herrschaft Falkenau zum Geschenk.[2] Als einflussreicher Politiker des Kaisers nahm er an mehreren Feldzügen gegen das Osmanische Reich und die Hussiten teil, verhandelte im Namen des Königs in Preußen, Polen und Litauen und leitete innenpolitisch Verhandlungen mit den Hussiten. Sigismund begleitete er zum Konzil von Basel und nahm an seiner Kaiserkrönung in Rom teil. In seiner Position fungierte er als Unterhändler mit dem Papst.

Auch unter König Albrecht II., den er bei der Durchsetzung der königlichen Folge in Böhmen unterstützte, blieb Schlick, trotz innenpolitischer Opposition, in seinem Amt.

Schlick wurde 1442 in den königlichen Rat Friedrichs III. aufgenommen und 1443 wieder zum Kanzler ernannt. Sein Einfluss nahm jedoch mit der Zeit ab, da sich seine Vorstellungen nicht immer mit denen des Königs deckten. 1449 zog er sich von seinem Amt zurück, beteiligte sich dann aber an der königlichen Nachfolge des Königs Ladislaus und verhandelte in seinem Namen 1447 in Mailand.

Neben der Politik interessierte sich Schlick auch für Kunst und Wissenschaft. Er unterstützte begabte Künstler und Wissenschaftler wie Enea Silvio Piccolomini.

Schlick war seit 1444 mit Agnes, einer Tochter des Oelser Herzogs Konrad V. „Kanthner“, verheiratet. Für seine Verdienste erhielt er Ländereien im Egerland sowie im damals ungarischen Weißkirchen (Holíč, heute Slowakei). Schlick wurde 1422 zum Freiherrn von Weißkirchen, 1437 zum Reichsgrafen von Passaun (Bassano, in Norditalien) und 1438 zum Grafen von Passaun und Weißkirchen erhoben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Gradl: Zur Herkunft der Schlicke, (Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 20, 1882)
  • Max Dvořák: Die Fälschungen des Reichskanzlers Kaspar Schlick. (MIÖG 22, 1901)
  • Alfred Pennrich: Die Urkundenfälschungen des Reichskanzlers Kaspar Schlick nebst Beiträgen zu seinem Leben. 1901
  • Otto Hufnagel: Caspar Schlicks letztes Hervortreten in der Politik nebst einem kritischen Beitrag zu dem Fälschungsproblem. (Diss. Leipzig), 1910
  • Otto Hufnagel: Caspar Schlick als Kanzler Friedrichs III. (MIÖG Erg.Bd. 8, 1911)
  • Rudolf Schreiber: Die Elbogner Urbare der Grafen von Schlick. (Sudetendeutsches Historisches Archiv, 1934)
  • Artur Zechel: Studien über Kaspar Schlick Anfänge/Erstes Kanzleramt/Fälschungsfrage. Ein Beitrag zur Geschichte und Diplomatik des 15. Jahrhunderts. In: Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte 15. 1939
  • Paul-Joachim Heinig: War Kaspar Schlick ein Fälscher? In: Fälschungen im Mittelalter, Teil III: Diplomatische Fälschungen (I). 1988
  • Peter Schmid: Schlick, Kaspar. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 9, Bautz, Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1, Sp. 277–280.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Offiziell gab es keinen Vizekanzler, doch Schlick besaß entsprechende Befugnisse. Vgl.: Karl Schellhass: Das Vicekanzellariat Kaspar Schlick’s. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 3, 1890
  2. Schenkungsbrief von Kaiser Sigismund, Freitag nach Simon und Juda 1435 (Prag), Stadtarchiv Falkenau