Kathedrale von Verdun

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Kathedrale von Verdun

Ansicht aus dem Kreuzgang

Basisdaten
Konfession römisch-katholisch
Ort Verdun, Frankreich
Diözese Bistum Verdun
Baugeschichte
Baubeginn 990
Baubeschreibung
Baustil Romanik
Funktion und Titel

Kathedrale

Koordinaten 49° 9′ 34,7″ N, 5° 22′ 57,5″ OKoordinaten: 49° 9′ 34,7″ N, 5° 22′ 57,5″ O
Vorlage:Infobox Kirchengebäude/Wartung/Widmung oder Patrozinium fehlt

Die Kathedrale von Verdun (Basilique-Cathédrale de Notre-Dame), Bischofskirche des römisch-katholischen Bistums Verdun, steht auf einem Felsvorsprung in der lothringischen Stadt Verdun. Sie ist die älteste Kathedrale Lothringens und das größte im Kern romanische Gebäude im Osten Frankreichs. Seit 1906 ist sie als Monument historique gelistet.[1]

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romanische Krypta
Ansicht von Nordosten. Gotischer Chor und romanisches Querhaus
Mittelschiff nach Osten
Kreuzgang

Verdun ist seit dem 4. Jahrhundert Bischofssitz. Im 10. Jahrhundert brannte die damalige Domkirche ab und verlor dabei den größten Teil ihrer Bücher.[2] Diese frühe Kirche hieß schon Notre-Dame de Verdun, lateinisch Sanctae Mariae in Virduno und hatte bereits eine unterirdische Krypta mit einem Marienaltar.[2] Den Bau der heutigen Kathedrale veranlasste Bischof Haimo um 990. In einer Bauzeit von rund 150 Jahren, unterbrochen von einem Brand im Jahr 1047, entstand eine Basilika im Stil der rheinischen Romanik mit zwei Chören, zwei Querhäusern, zwei Krypten und vier Türmen. Der östliche Chor wurde im 12. Jahrhundert fertiggestellt. Er wird von zwei Portalen flankiert, dem Johannes- und dem Löwenportal, die mit ihren westlichen Gegenstücken die vier Evangelisten symbolisieren. Am 11. November 1147 wurde die Kathedrale von Papst Eugen III. geweiht.

Im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts wurde die flache Holzdecke des 94 Meter langen Langhauses durch Steingewölbe ersetzt sowie die Seitenschiffe mit einem neuen Dach versehen, die Fenster vergrößert und das Innere mit Fresken verziert. Zudem wurde das Bauwerk mit gotischen Seitenkapellen erweitert. Im 16. Jahrhundert wurde der vermutlich frühromanische alte Kreuzgang durch einen Neubau im Flamboyant-Stil ersetzt.

Am 2. April 1755 zerstörten ein Blitzeinschlag und das folgende Großfeuer die Dächer und Türme der Kathedrale. Bei der Wiederherstellung ab 1760 wurden nur zwei der vier Türme wiedererrichtet, nun im Stil des französischen klassizistischen Barock. Im gleichen Stil wurden die beträchtlichen Schäden am Langhaus behoben und die Innenausstattung erneuert. Aus dieser Zeit stammt auch das Altarziborium nach dem Vorbild des Petersdoms in Rom.

Im Ersten Weltkrieg beschädigten zahlreiche Granatentreffer die Kathedrale. Die Restaurierung dauerte von 1920 bis 1935. Dabei wurde die barocke Innenausstattung größtenteils entfernt. Die Krypta, bis dahin zugeschüttet, wurde wieder freigelegt und erhielt moderne Säulenköpfe, die u. a. Kampfszenen aus der Zeit von 1914 bis 1918 darstellen.

1947, 800 Jahre nach ihrer Weihe, verlieh Papst Pius XII. Notre-Dame de Verdun den Titel einer Basilica minor. Die Jahrtausendfeier ihrer Gründung wurde im Jahr 1990 mit großen kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen begangen.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Die große Orgel wurde 1935 von der Orgelbaufirma Jacquot erbaut und von Marcel Dupre eingeweiht. Sie hat 64 Register auf vier Manualwerken und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektro-pneumatisch.[3]

I Grand Orgue C–c4
Montre 16′
Bourdon 16′
Montre 8′
Bourdon 8′
Flûte Harmonique 8′
Prestant 4′
Fugara 4′
Quinte 223
Doublette 2′
Cornet V
Fourniture IV
Basson 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
II Positif expressif C–c4
Principal 8′
Bourdon 8′
Grosse Flûte 8′
Diapason 8′
Salicional 8′
Unda Maris 8′
Flûte 4′
Quinte 223
Flageolet 2′
Piccolo 1′
Clarinette 16′
Clarinette 8′
Cromorne 8′
Voix Humaine 8′
Trémolo
III Récit expressif C–c4
Quintaton 16′
Cor de Nuit 8′
Flûte traversière 8′
Gambe 8′
Voix Céleste 8′
Flûte 4′
Nazard bouché 223
Octavin 2′
Tierce 135
Plein-Jeu III
Bombarde 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
Basson-Hautbois 8′
Trémolo
IV Bombarde C–c4
Stentor 16′
Stentor 8′
Stentor 4′
Quinte 223
Cornet V
Plein-Jeu VI
Bombarde 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
Pédale C–g1
Acoustique 32′
Flûte 16′
Bourdon 16′
Quinte 1023
Flûte 8′
Bourdon 8′
Violon 8′
Quinte 513
Flûte 4′
Bombarde 32′
Bombarde 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
  • Koppeln: I/I (Sub- und Superoktavkoppeln), II/I, III/I (auch als Sub- und Superoktavkoppeln), III/II, III/III (Sub- und Superoktavkoppeln), IV/I, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hubert Collin: La cathédrale Notre-Dame de Verdun presented at Congrès archéologique de France, 149ème session, 1991.
  • Histoire de l'architecture français (Band 1), Editions du Patrimoine, Mengès, Paris (1995), ISBN 2-85620-367-1.
  • Hans-Günter Marschall: Die Kathedrale von Verdun. Veröffentlichungen des Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 1981.
  • Hans-Günter Marschall: La Cathédrale de Verdun. Sous le patronage de la Société Philomatique de Verdun, 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kathedrale von Verdun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag Monuments historiques
  2. a b Bertharius. Excerptum Domni Bertarii Scaerdotis in gestis pontificum S. Virudensis Ecclesiae ad domnum Dadonem Ejusdem sedis antistitem. In: Jacques-Paul Migne. Patrologiae Cursus Completus: Series Latina: Sive, Bibliotheca Universalis, Integra, Uniformis, Commoda, Oeconomica, Omnium SS. Patrum, Doctorum Scriptorumque Ecclesiasticorum Qui Ab Aevo Apostolico Ad Usuque Innocentii III Tempora Floruerunt. Band 132. Migne, 1853. S. 507ff. (online)
  3. Nähere Informationen zur Orgel