Keltischer Kalender

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Keltischer Kalender ist einerseits ein Begriff für das Kalendersystem antiker keltischer Kulturen, andererseits für die mittelalterlichen und neuzeitlichen Kalender der inselkeltischen Völker. Zwischen beiden bestehen nur wenige Gemeinsamkeiten, beispielsweise die Namen gallisch samoni- und irisch Samhain oder Samuin, die auf einen altkeltischen Festkreis hinzuweisen scheinen.[1] Weiter gehende Kontinuitäten von antiken zu mittelalterlichen keltischen Kalendern sind umstritten. Neuzeitliche keltische Kalender sind esoterischem und neopaganem (neuheidnischem) Gedankengut zuzuschreiben.

Antiker keltischer Kalender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das festlandkeltische Kalendersystem ist vor allem durch den archäologischen Fund des gallo-römischen Kalenders von Coligny überliefert. Es handelt sich dabei um einen lunisolaren Kalender, der sich sowohl nach der Sonne als auch nach dem Mond richtete. Er hat 12 Monate, die durch einen jeweils nach zweieinhalb Jahren – also 30 Monaten – eingeschobenen Schaltmonat an das Sonnenjahr angeglichen werden müssen.[2][3]

Inselkeltischer Kalender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Kalendersysteme der inselkeltischen Völker, deren Kultur lediglich durch Sagen und Mythen aus dem Mittelalter überliefert ist, wird meist der irische Kalender als Beispiel herangezogen. Dieser ist geprägt durch vier große, durch bestimmte Landarbeiten entstandene, Feste:

  • Samhain (1. November, Beginn des Winters)
  • Imbolg (1. Februar, das erste Milchgeben der Schafe im Frühjahr)
  • Beltane (1. Mai, Beginn des Sommers)
  • Lughnasadh (1. August, Beginn des Herbstes)

Da der Kalender auf den bäuerlichen Jahresablauf für Irland abgestimmt ist, sind für Wales und Schottland auf Grund der anderen klimatischen Verhältnisse keine deutlichen Übereinstimmungen feststellbar.[4]

Neuzeitliche Esoterik und Neopaganismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls als keltische Kalender werden manchmal bestimmte Horoskopkalender verstanden, die in jüngster Zeit nach keltischen Motiven geschaffen wurden. So wurden in der Esoterik des 20. Jahrhunderts, zuerst durch Robert von Ranke-Graves 1946 in dem Buch The white goddess (deutsch 1948 Die weiße Göttin), den Monaten Baumnamen zugewiesen, die zum Teil sehr spekulativ dem Ogam-Alphabet entnommen waren. Den Bäumen wies Graves bestimmte Eigenschaften zu, die Bedeutung für in diesem Monat Geborene haben sollten. Später wurden den Monaten auch noch Steine zugeordnet.[5]

Nr. Name Bedeutung Beginn Baum Stein Ogham-Zeichen
1 Beth Anfang 24. Dezember Birke Bergkristall Ogham letter beith.svg
2 Luis Belebung 21. Januar Eberesche Turmalin Ogham letter luis.svg
3 Nion Kraft des Meeres 18. Februar Traueresche Aquamarin Ogham letter nion.svg
4 Fearn Feuer 18. März Erle Granat Ogham letter fearn.svg
5 Saille Verzauberung 15. April Weide Mondstein Ogham letter sail.svg
6 Uath Reinigung 18. Mai Hagedorn Lapislazuli Ogham letter uath.svg
7 Duir Standhaftigkeit 10. Juni Steineiche Diamant Ogham letter dair.svg
8 Tinne Blut 8. Juli Stechpalme Rubin Ogham letter tinne.svg
9 Coll Weisheit 5. August Haselnuss Topas Ogham letter coll.svg
10 Muin Beseelung 2. September Weinstock Amethyst Ogham letter muin.svg
11 Gord Wiederauferstehung 30. September Eibe Opal Ogham letter gort.svg
12 Pethboc (Ngetal) Königtum 28. Oktober Schlehdorn Saphir
13 Ruis Das Unvermeidliche 25. November Holunder Olivin Ogham letter ruis.svg
14 Unbehauener Stein Der Tag zwischen den Jahren 23. Dezember

Auf dieser Grundlage wurde 1971 im Auftrag der französischen Frauenzeitschrift „Marie Claire“ durch die Journalistin Paula Delsol das sogenannte keltische Baumhoroskop erfunden, das in der Folge im deutschsprachigen Raum weite Verbreitung gefunden hat.

Alle diese Kalender und Horoskope, wie der keltische Jahreskreis, das Baumhoroskop und der hier zitierte Baumkalender haben jedoch nichts mit mittelalterlichen oder gar frühgeschichtlichen keltischen Kalendern zu tun.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 794.
  2. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 786.
  3. Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur. S. 81 f.
  4. Bernhard Maier: Die Religion der Kelten. Götter, Mythen, Weltbild. S. 62.
  5. Robert Graves: Die weisse Göttin: Sprache des Mythos. 7. Ausgabe, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 2002, ISBN 9783499554162.
  6. Helmut Birkhan: Beobachtungen zum mystischen Keltenbild besonders in Österreich. Referat bei der Kelten-Tagung in Hallein 2010, S. 7 f.