Keratoconjunctivitis epidemica

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
B30.0+ Keratokonjunktivitis durch Adenoviren
ICD-10 online (WHO-Version 2016)
Keratoconjunctivitis epidemica

Die Keratoconjunctivitis epidemica (medizinischer Kurzjargon: Epidemica oder KCE) ist eine Viruserkrankung der Binde- und Hornhaut des Auges. Aufgrund der starken Kontagiosität (Übertragbarkeit) und der geringen Therapiemöglichkeiten wird die Erkrankung volkstümlich auch oft Augen-Grippe genannt.

Erreger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erreger sind in der Regel Adenoviren der Typen 8, 19 (nur der Subtyp 19a, 19p verursacht hämorrhagische Cystitis) und 37 aus der humanen Adenovirus-Spezies D, die sich durch besondere Widerstandsfähigkeit und langanhaltende Infektiosität außerhalb des Wirtskörpers auszeichnen.

Infektionsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eine hochinfektiöse Schmierinfektion, die über Handtücher, Türgriffe (vor allem in Schwimmbädern) usw. übertragen werden kann. Daher stehen Maßnahmen zur Prävention oder Verhinderung der Infektionsausbreitung im Vordergrund. Hygienemaßnahmen (etwa Händedesinfektion) sind wichtig. Da bis zum 14. Tag nach Krankheitsbeginn am zweiten Auge Infektiosität besteht, ist eine Isolierung Betroffener durch zusätzliche Krankschreibung für etwa 14 Tage sinnvoll.

Krankheitsverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inkubationszeit der Erkrankung beträgt acht bis neun Tage. Typisch ist ein plötzlicher einseitiger Krankheitsbeginn mit massivem Tränenlaufen, Rötung der Bindehaut, Brennen, Fremdkörpergefühl, Schwellung des Oberlides und der Nickhaut (Plica semilunaris) sowie teilweise schmerzhafter Schwellung eines Lymphknotens (Lymphadenopathie) direkt vor dem Ohr oder am Unterkiefer. In der Regel kommt es nach wenigen Tagen zu einer (milderen) Beteiligung des zweiten Auges.

Als Spätfolgen entstehen bei 25 % der Erkrankten Nummuli, charakteristische Hornhauttrübungen, die das Sehen langfristig beeinträchtigen können.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel durch den Augenarzt aufgrund des klinischen Krankheitsbildes. Der Nachweis erfolgt bei epidemischen Ausbrüchen durch Amplifikation und Sequenzierung der Proben. Es werden vor allem die Hexon- und die Fiber-Komponente sequenziert. In manchen Fällen ist es sinnvoll, das ganze Genom zu sequenzieren.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der natürliche Verlauf der Erkrankung ist selbstbegrenzend. Es gibt keine ursächliche Therapie. Antivirale Medikamente zeigen wenig Erfolg, symptomatisch können Tränenersatzmittel als Augentropfen in der Akutphase der Erkrankung sinnvoll sein.

Eine mögliche Behandlungsmethode ist die lokale Applikation von Povidon-Iod in Tropfen- oder Gelform. In einer kleinen klinischen Studie[1] zeigte sich eine geringe Reduktion der Krankheitsdauer sowie eine etwas reduzierte Nummulihäufigkeit.

Da die später auftretenden Hornhauttrübungen als Folge der Immunantwort gesehen werden, wird nach überstandener Akuterkrankung eine immunsuppressive Therapie (etwa Steroide oder Cyclosporin) diskutiert. Auch eine operative Abtragung der Trübungen durch einen Excimerlaser (phototherapeutische Keratektomie, PTK) kann helfen.

Meldepflicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Keratoconjunctivitis epidemica gehört zu den meldepflichtigen Krankheiten. Meldepflicht besteht nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes allerdings nur beim direkten Nachweis von Adenoviren im Augenabstrich oder bei gehäuftem Auftreten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Birthe Meyer-Rüsenberg et al.: Keratokonjunktivitis epidemica. Infektionslage und aktuelle Hinweise zu Prophylaxe und Therapie. In: Deutsches Ärzteblatt. 108, Nr. 27, 2011, S. 475–480. (online; PDF; 426 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. Hutter: Keratokonjunktivitis epidemica: Therapieergebnisse während einer Epidemie (pdf, 95 kB); Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde Nr. 197 (1990)
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!