Kernkraftwerk Mochovce

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Kernkraftwerk Mochovce
Blick auf das Kernkraftwerk
Blick auf das Kernkraftwerk
Lage
Kernkraftwerk Mochovce (Slowakei)
Kernkraftwerk Mochovce
Koordinaten 48° 15′ 50″ N, 18° 27′ 25″ OKoordinaten: 48° 15′ 50″ N, 18° 27′ 25″ O
Land: SlowakeiSlowakei Slowakei
Daten
Eigentümer: Slovenské elektrárne a.s.
Betreiber: Slovenské elektrárne a.s.
Projektbeginn: 1983
Kommerzieller Betrieb: 29. Okt. 1998

Aktive Reaktoren (Brutto):

2  (940 MW)

Reaktoren in Bau (Brutto):

2  (942 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2006: 5.847 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 41.582 GWh
Stand: 22. Juli 2007
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Mochovce (slowakisch: Atómové elektrárne Mochovce, kurz EMO) liegt nahe dem Dorf Mochovce (heute ein Gemeindeteil von Kalná nad Hronom) zwischen den Städten Nitra und Levice, in der Slowakei, etwa 120 km von Bratislava entfernt. Es verfügt über zwei aktive Reaktoren mit einer Leistung von jeweils rund 440 MW.

Über den Bau des Kraftwerks wurde von der Regierung der damaligen Tschechoslowakei 1978 entschieden, die Vorbereitungsarbeiten fingen 1981 an und der eigentliche Bau begann 1984.

Blöcke 1 und 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kühltürme des Kraftwerks

Die Blöcke 1 und 2 besitzen jeweils eine installierte Leistung von 470 MW. Die Reaktoren sowjetischer Bauart wurden mit westlichen Steuerungs- und Überwachungssystemen ausgerüstet. Es kommen Druckwasserreaktoren vom sowjetischen Typ WWER-440/213 zum Einsatz. Wie bei diesem Typ üblich, sind sie als Zwillingsanlage gebaut. Nach 1990 mussten die Arbeiten wegen finanzieller Mängel zeitweilig gestoppt werden. Ans Netz gingen die ersten beiden Blöcke 1998 und 2000.

Im Jahr 2008 wurde nach einer Aufrüstung die Genehmigung erteilt, die Blöcke 1 und 2 von Mochovce mit der Leistung von 107 %, was zirka 466,4 MW entspricht, zu betreiben, da die Abschaltung des ersten Blocks im Kernkraftwerk Bohunice-V1 im Jahre 2006 zu einem Kapazitätsverlust im slowakischen Stromnetz geführt hat.[1]

Blöcke 3 und 4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiederaufnahme des Baus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeiten an den Blöcken 3 und 4 wurden in den 1990er Jahren aus Geldmangel eingestellt. Die halbfertigen Anlagen wurden konserviert. Am 15. Juli 2007 gab die Europäische Kommission die Stellungnahme zur Vollendung der Blöcke 3 und 4 des Kernkraftwerks ab. Die Kommission bemängelte erneut das fehlende Volldruckcontainment.[2] Die Europäische Kommission gab 2008 bekannt, dass die Auslegung von Mochovce 3 und 4 gegen Flugzeugaufprall der bewährten Praxis entspricht.[3] Nach damaligen Planungen sollte die Vollendung der Blöcke 3 und 4 zirka 2,78 Milliarden Euro kosten. 2013 wurden bereits Baukosten in Höhe von 3,8 Milliarden Euro erwartet. Die Eigentümer haben am 31. Juli 2013 eine Mittelerhöhung um zunächst nur 260 Millionen Euro beschlossen.[4] Im Oktober 2016 gab Reuters die Baukosten für die beiden Reaktorblöcke mit 5,4 Mrd. Euro an.[5]

Der neue italienische Mehrheitseigentümer Enel des slowakischen Energiekonzerns SE (Slovenské Elektrárne a.s.) nahm die Bauarbeiten am 3. November 2008 an den Blöcken 3 und 4 wieder auf. Seit dem 11. Juni 2009 waren die Reaktoren 3 und 4 wieder offiziell in Bau.[6] Der Zeitplan sah vor, dass im Dezember 2012 Block 3, im ersten Halbjahr 2013 auch Block 4 ans Netz gehen sollten[7]. Anfang 2012 wurden diese Termine zunächst auf Ende 2013 bzw. Mitte 2014 verlegt[8]. Im Dezember 2012 wurde die Fertigstellung der Blöcke erneut verschoben, auf Ende 2014 (Block 3) und Mitte 2015.[9] Anfang 2013 ging ENEL davon aus, dass die beiden Blöcke nicht vor 2017 in Betrieb gehen werden.[10] Am 21. August 2013 hob das slowakische Höchstgericht die Genehmigung für den Bau des dritten und vierten Reaktors auf, da die vorgeschriebene Bürgerbeteiligung nicht erfolgt sei.[11] Noch am gleichen Tag erließ die staatliche Atomaufsichtsbehörde UJD eine Verfügung, die einen Baustopp ausschließt, da ansonsten „dem öffentlichen Interesse schwerer Schaden zugefügt würde“.[12] Gleichwohl verzögert sich die Fertigstellung weiter: im Oktober 2016 erklärte Slovenské Elektrárne, dass Block 3 im Sommer 2018 und Block 4 im Sommer 2019 fertig werden könnte; es wurde dabei jedoch um Zustimmung zur Erhöhung des Budgets von 4,6 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro gebeten. Auch wurde bekannt, dass der Mehrheitseigentümer Enel seine Beteiligung an die tschechische EPH verkauft hat.[13]

Österreichische Unterlassungsklage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Politikerin Eva Glawischnig (Grüne) widmete ihre Dissertation an der Karl-Franzens-Universität in Graz dem Problem des grenznahen Kernkraftwerks und setzte diese Kenntnisse bei einer Klage gegen das in Österreich seit seiner Errichtung umstrittene Kernkraftwerk Mochovce auf Unterlassung der Gefährdung durch radioaktive Immissionen auch gleich in die Tat um. Während das Bezirksgericht Wien-Hernals der Privatklage gegen den Kraftwerksbetreiber Slovenské Elektrárne a.s. stattgab, scheiterte ihre Klage in zweiter Instanz vor dem Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien im Juli 2005, "da Sicherheitsmängel nicht konkret nachweisbar" sind.[14]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kernkraftwerk besteht aus zwei in Betrieb befindlichen Blöcken, sowie zwei in Bau befindlichen Blöcken. Am 5. März 1993 wurde am gesamten Kernkraftwerk ein Baustopp angeordnet, der alle vier Blöcke betraf. Der Bau von Block 1 und 2 wurde am 14. Mai 1996 reaktiviert, der Bau von Block 3 und 4 am 11. Juni 2009.[6] Der 3. Block soll im zweiten Viertel 2017 fertig sein, der 4. Block soll 2018 ans Netz gehen.[15]

Reaktorblock[6] Reaktortyp Netto-
leistung[16]
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Mochovce-1 WWER-440/213 436 MW 470 MW 01.10.1983 04.07.1998 29.10.1998 (2028 geplant)Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren
Mochovce-2 WWER-440/213 436 MW 470 MW 01.10.1983 20.12.1999 11.04.2000 (2030 geplant)Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren
Mochovce-3 WWER-440/213 440 MW 471 MW 01.01.1985;
01.06.2009
[veraltet] (März 2017 geplant)[17] [veraltet] (Mai 2017 geplant)
Mochovce-4 WWER-440/213 440 MW 471 MW 01.01.1985;
01.06.2009
(April 2018 geplant) (Juni 2018 geplant)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mochovce fährt ab sofort mit 107 Prozent Leistung
  2. Kommission gibt Stellungnahme zu den Reaktorblöcken 3 und 4 des slowakischen Kern-kraftwerks Mochovce ab
  3. Kernenergie: Weltreport 2008. Deutsches Atomforum, April 2009, S. 251, abgerufen am 25. Oktober 2009 (PDF; 468 kB).
  4. SE: Budget Increase for NPP Mochovce 3&4, 1. August 2013
  5. Italy - Factors to watch on Oct. 28. In: Reuters, 28. Oktober 2016. Abgerufen am 29. Oktober 2016.
  6. a b c Power Reactor Information System der IAEA: „Slovakia (Slovak Republic): Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  7. OÖ-Nachrichten – 5. November 2008, 17:07 – Mochovce-Ausbau gestartet
  8. Dostavba Mochoviec bude rok meškať, Die Fertigstellung von Mochovce 3 und 4 verschiebt sich auf ein Jahr, Pravda, 8. März 2012
  9. AKW Mochovce 3 und 4 verzögert und teurer – Enel steigt aus französischem Atomprojekt aus. ots.at, 5.Dezember 2012, abgerufen am 6. Dezember 2012.
  10. In Europa sagen Politiker weiterhin: Atomkraft ja bitte! dpa, 11.März 2013, abgerufen am 21. August 2013.
  11. Ausbau des AKW Mochovce von Höchstgericht gestoppt im Standard vom 21. August 2013, abgerufen am 21. August 2013
  12. http://orf.at/#/stories/2195771/ Mochovce-Ausbau geht trotz Urteil weiter, ORF.at vom 22. August 2013
  13. Slovak Spectator: Mochovce will be more expensive and completed later
  14. AKW-Mochovce-Klage von Glawischnig abgewiesen (APA) 14. Juli 2005
  15. http://venergetike.sk/mochovce-vraj-maju-meskanie-zhruba-tri-mesiace/
  16. http://energia.dennikn.sk/dolezite/jadrova-energia/dohlad-nad-spustanim-blokov-v-mochovciach-vyjde-stat-na-45-miliona-eur/19986/
  17. http://energia.dennikn.sk/dolezite/jadrova-energia/dohlad-nad-spustanim-blokov-v-mochovciach-vyjde-stat-na-45-miliona-eur/19986/

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]