Kesselwagenexplosion in der BASF

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Zeitgenössisches Foto: Suchtrupps nach der Kesselwagenexplosion

Die Kesselwagenexplosion in der BASF war ein Explosionsunglück, das sich am 28. Juli 1948 in Ludwigshafen am Rhein (Rheinland-Pfalz) auf dem Gelände des Chemiewerks BASF ereignete. Das Werk stand zu dieser Zeit unter Zwangsverwaltung der französischen Besatzungsmacht.[1]

Bei der Katastrophe starben 207 Menschen, es gab 3818 Verletzte, 3122 Gebäude wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der Sachschaden belief sich allein in der BASF auf 80 Millionen DM,[2] was inflationsbereinigt in heutiger Währung 244 Millionen Euro entspricht.[3] Da die Militärregierung der französischen Besatzungszone die Firmenversicherungen außer Kraft gesetzt hatte, forderte die BASF noch 1958 in einem Verwaltungsgerichtsprozess von der Bundesrepublik Deutschland einen Schadensersatz von 24 Millionen DM (heute 56 Millionen Euro).[1]

Nach der Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes von 1921 mit 561 Toten ist die Kesselwagenexplosion von 1948 die größte Chemiekatastrophe, die Ludwigshafen und die BASF jemals betroffen hat.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 15:43 Uhr explodierte auf dem Werksgelände ein Kesselwagen, der mit etwa 30 t Dimethylether befüllt war.[2] Der Wagen war am frühen Morgen um 5:45 Uhr[2] abgestellt worden und tagsüber der Sommerhitze ausgesetzt gewesen.

Zunächst trat an der Schadstelle eine geringe Menge Gas aus. Dies verursachte eine erste, kleinere Explosion, die den Kesselwagen beschädigte und zum Kippen brachte. Der Wagen entleerte sich daraufhin vollständig, was mit einer großen Explosion verbunden war. Deren Druckwelle führte auf dem Werksgelände zur Freisetzung weiterer Chemikalien unterschiedlicher Art, wobei sich Giftgaswolken bildeten.[2]

Explosionsfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als 200 Menschen kamen – die meisten unmittelbar durch die zweite, große Explosion – zu Tode. Viele der fast 4000 Verletzten erlitten schwere Schädigungen durch nach dem Ereignis freigesetzte giftige Gase, etliche der Betroffenen erblindeten. Die erheblichen Gebäudeschäden konzentrierten sich auf das BASF-Werksgelände und dessen Umgebung in der Nordhälfte von Ludwigshafen. Allerdings kam es selbst jenseits des Rheins, in Mannheim, zu Schäden an 2450 Häusern,[2] die indessen nicht die Ausmaße der Zerstörungen in der direkten Umgebung des Explosionsortes erreichten.

Rettungsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sondermarke: St. Martin
(Michel-Nummer 30)
Sondermarke: St. Christophorus
(Michel-Nummer 31)

Mit den Rettungsarbeiten waren etwa 1000 Feuerwehrleute aus der Gegend und zusätzlich französische und amerikanische Besatzungssoldaten befasst. Die Helfer suchten mehrere Tage lang nach Überlebenden; denn zahlreiche Opfer waren unter Stahlträgern eingeklemmt oder unter Trümmern verschüttet.[2]

Ursachenforschung und Hilfe für die Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lufttemperatur im Schatten betrug am Unglückstag 33 °C. Der Kesselwagen mit seiner Gasfüllung war zudem über Stunden der prallen Sonne ausgesetzt. Der Untersuchungsbericht kam später zu dem Ergebnis, die Kapazität des Wagens sei hinsichtlich der Volumenreserve bei Ausdehnung des Gases infolge von Erwärmung falsch berechnet worden. Außerdem wurde eine Schwachstelle an einer Schweißnaht vermutet, die wegen des temperaturbedingten Druckanstiegs nachgegeben habe.

Um die Opfer finanziell unterstützen zu können, wurden am 18. Oktober 1948 zwei Briefmarken in Rheinland-Pfalz mit Zuschlag und dem Aufdruck Hilfswerk Ludwigshafen herausgegeben; die Auflage betrug jeweils eine Million Exemplare.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Besatzungs-Schäden: Im Gesetz nicht vorgesehen. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1958 (online).
  • Lisa Sanner: „Als wäre das Ende der Welt da“. Die Explosionskatastrophen in der BASF 1921 und 1948 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ludwigshafen am Rhein. Nr. 42). Ludwigshafen am Rhein 2015, ISBN 978-3-924667-47-4 (Dissertation München, LMU, unter dem Titel: Die Oppauer Explosion [21. September 1921] und die Ludwigshafener Kesselwagenexplosion [28. Juli 1948] in der BASF – eine Vergleichsstudie industrieller Katastrophen in Nachkriegszeiten).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Besatzungs-Schäden: Im Gesetz nicht vorgesehen. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1958 (online).
  2. a b c d e f dpa: Vor 60 Jahren: Explosionsunglück erschüttert BASF. Archiviert vom Original am 30. Juli 2010, abgerufen am 22. August 2010.
  3. Diese Zahl wurde automatisch ermittelt, ist auf volle Millionen Euro gerundet und bezieht sich auf den vergangenen Januar.

Koordinaten: 49° 29′ 42″ N, 8° 26′ 11″ O