Kettenverschleißmessung

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Eine Kettenverschleißmessung dient zur Bestimmung des Verschleißgrades einer Fahrradkette in Form einer Längung. Ein rechtzeitig erkannter Verschleißgrad kann für einen Kettentausch genutzt werden, um so die mit der Kette in Kontakt kommenden Zahnkränze oder Kettenblätter zu schonen.

Eine stark gelängte Kette „gräbt“ sich in die Zahnkränze und in die Kettenblätter ein, wodurch diese erheblich schneller als bei einer neuen Kette verschleißen. Eine gelängte Kette läuft nicht mehr sauber und kann bei starker Last sogar durchrutschen. Um das zu verhindern, kann die Kette durch eine neue ersetzt werden. Alternativ ist es möglich, die Kette so lange wie möglich zu fahren und dann Kettenblätter und Zahnkränze zusammen mit der Kette zu wechseln. Es ist umstritten, welche Vorgehensweise langfristig kostengünstiger ist.

Der Kettenverschleiß kann mit einer Kettenlehre oder mit einem Messschieber festgestellt werden.

Für Ketten im Industriebereich existieren Überwachungssysteme, die im laufenden Betrieb Auskunft über die Kettenlängung geben.

Überprüfung mit einer Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kettenlehre sinkt an einer neuen Kette nur wenig ein
Eine verschlissene Kette hat sich so weit gelängt, dass die Kettenlehre ganz einsinken kann

Eine Kettenlehre wird auf die montierte und mittels Kraft auf einem Pedal gespannte Kette aufgelegt. Ist diese verschlissen, taucht die Lehre mehr oder weniger stark in die Kette ein. Diese Kontrolle ist sehr schnell und ersetzt das sehr subjektiv beeinflusste Abziehen der Kette vom größten Kettenblatt, was bis zur Einführung dieser Art von Werkzeug die gängige Methode war. Solche Lehren sind für alle gängigen Schaltungsketten geeignet, auch für die 9- und 10-fachen Kränze.

Dabei ist zu beachten dass es zwei unterschiedliche Arten von Kettenlehren gibt: solche, die die Rollen beim Einstecken in entgegengesetzte Richtungen verschieben (wie die abgebildete) und solche, die die Rollen in die gleiche Richtung verschieben. Erstere Variante ist nur verlässlich, wenn die Rollen aus extra gehärtetem Material bestehen und somit kaum verschleißen, denn ihr Verschleiß geht bei dieser Lehre doppelt in die Messung ein. Dadurch wird für die meisten Ketten viel zu früh angezeigt, dass die Verschleißgrenze erreicht sei. Die genaueren Ergebnisse liefern Lehren nach dem zweitgenannten Prinzip, da der Verschleiß der Rollen (der keinen Einfluss auf die Kettenlängung hat und somit irrelevant ist) das Ergebnis nicht verfälscht.

Da Stahlzahnkränze abriebfester als solche aus Aluminium sind, ist bei ersteren ein etwas höherer Verschleiß der Kette akzeptabel, bevor sie den Zahnkranz angreift. Viele Kettenlehren haben daher zwei Seiten; eine für Aluminium (Verschleißmaß 0,075 mm pro Gelenk) und eine für Stahl (Verschleißmaß 0,1 mm pro Gelenk).

Messung mit einem Messschieber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messung mit einem Messschieber

Ein handelsüblicher Messschieber wird zunächst auf die Länge von ca. 118 mm eingestellt und wie im Bild zwischen zehn Kettenglieder an einer beliebigen Stelle der Kette eingeführt. Nun wird der Messschieber weiter geöffnet, bis er an den Röllchen der Kettenglieder anliegt. Die nun gemessene Länge beträgt bei einer neuen Kette 119,5 mm. Ab 120,25 mm bei Aluminiumzahnkränze/-kettenblättern bzw. 120,5 mm bei Stahlzahnkränze/-kettenblättern ist die Kette soweit gelängt, dass sie gewechselt werden sollte.

Messung mit einem Messschieber – Variante Außenmessung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Messschieber wird die Länge von zehn Kettengliedern (fünf innen, fünf außen) anhand der Position der Nieten gemessen. Dabei ist jeweils von der gleichen Stelle der Niete auszugehen, also z. B. jeweils links oder die Mitte.

Hierbei bedeuten die Messwerte:

  • 127 mm: gut,
  • 128 mm: wechseln,
  • 129 mm: die Zähne der Kettenblätter und Zahnkränze verschleißen bereits und
  • 130 mm: es ist von verschlissenen Zähnen auszugehen.

Diese Variante wird gelegentlich empfohlen, da die Innenabstandsmessung oder die Lehre je nach Bauart der Kette zu früh einen Verschleiß anzeigen können.

Kontinuierliche Verschleißmessung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für industrielle Maschinen und Anlagen wird vom deutschen Kettenhersteller Iwis seit Anfang 2016 ein Verschleißmessungssystem namens CCM (chain condition monitoring) angeboten.[1] Das Gerät misst über Sensoren kontinuierlich die Verschleißlängung von Ketten während des Einsatzes. Es hilft so dem Instandhaltungspersonal bei der rechtzeitigen Erkennung, wann eine Kette aufgrund der Verschleißlängung nachgespannt oder ausgetauscht werden muss. Die Überwachung erfolgt im laufenden Betrieb; die betreffende Maschine muss nicht dafür gestoppt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rob van der Plas: Die Fahrradwerkstatt – Reparatur und Wartung Schritt für Schritt. 1. Auflage, BVA Bielefelder Verlaganstalt, Bielefeld, 1995, ISBN 3-87073-147-8.
  • Michael Gressmann, Franz Beck, Rüdiger Bellersheim: Fachkunde Fahrradtechnik. 1. Auflage, Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2006, ISBN 978-3-8085-2291-2.
  • Richard Hallet: Fahrrad-Wartung-Pflege-Reparatur. 1. Auflage, BVA Bielefelder Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld, 2003, ISBN 3-87073-308-x.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kettenlängungsüberwachungssystem CCM Website iwis Antriebssysteme