Schullandheim Wegscheide

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Wegscheide (Eingangsbereich)

Das Schullandheim Wegscheide (auch Kinderdorf Wegscheide) ist das Schullandheim der Stadt Frankfurt am Main. Es verfügt über 23 Wohneinheiten auf einer Fläche von 35 Hektar. Es gilt als das größte Schullandheim Deutschlands, das sowohl über Sonnenkollektoren, eine Kläranlage und ein eigenes Wasserwerk verfügt. Die Wegscheide liegt im Spessart, 4,5 Kilometer südöstlich von Bad Orb im hessischen Main-Kinzig-Kreis.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jaspertrondell dient auch als Klassenzimmer im Freien.

Nach dem Ersten Weltkrieg suchte August Jaspert im Auftrag der „Frankfurter Kinderhilfe“ nach einer Erholungsstätte für Kinder, die unter den Folgen des Krieges litten. Besonders geeignet erschien ihm das vom Militär verlassene Lager auf dem Wegscheideküppel bei Bad Orb. Das Lager war kurz vor Beginn des Krieges im Jahr 1914 errichtet worden und war ein Teil des Truppenübungsplatzes Villbach-Lettgenbrunn. Es bestand aus einer Reihe von Holzbaracken und drei festen Häusern, die als Pferdeställe gedient hatten. Während des Krieges waren hier Zehntausende junger Männer zu Soldaten ausgebildet worden. Dieser Ort erschien Jaspert geeignet, der Verwirklichung seiner Idee eines Kindererholungslagers zu dienen. Unterstützt wurde er von Wilhelm Polligkeit (1876–1960) und Spenden Frankfurter Bürger, unter anderem von Willemine von Weinberg, der Ehefrau Arthur von Weinbergs, nach der das von ihr gespendete Haus 1929 benannt wurde und eine Frankfurter Straße.

Seit dem 20. August 1920 haben Zehntausende Frankfurter Kinder im Rahmen einer Klassenfahrt oder einer Ferienfreizeit das Kinderdorf Wegscheide besucht. Allein bis zum Jahr 1952 waren es knapp 120.000.

Kriegsgefangenenstammlager (Stalag) IX B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedhof

Vom November 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 war die Wegscheide ein so genanntes Stammlager für Kriegsgefangene (Stalag) der deutschen Wehrmacht. Die meisten Gefangenen waren als Zwangsarbeiter bei den Bauern der Region oder in Fabrikationsstätten bis nach Frankfurt eingesetzt. Während zunächst Franzosen, Briten und Polen im Lager waren, stammten ab Mitte 1941 die meisten Lagerinsassen aus der Sowjetunion. Ihre Versorgung und Unterbringung war menschenunwürdig. Noch heute zeugt davon etwa einen Kilometer südlich der Wegscheide ein Waldfriedhof, auf dem 1430 sowjetische Kriegsgefangene in Massengräbern begraben sind.

Flüchtlingslager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1945 bis 1955 diente das Lager Wegscheide als Flüchtlingslager für Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Zeitweise lebten bis zu 3000 Menschen in den Baracken und Steinhäusern. Westlich der Wegscheide befindet sich ein Heimatvertriebenenfriedhof.

Wiedergründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren bereits 1949 erstmals wieder Frankfurter Schüler mit ihren Lehrern auf der Wegscheide zu Besuch. Während dieser Zeit waren in den Häusern am Haupteingang noch Flüchtlinge untergebracht. Für die Wiederinbetriebnahme des Schullandheims setzte sich besonders der Frankfurter Schuldezernent Heinrich Seliger ein, um den Kindern und Jugendlichen in der stark zerstörten Stadt eine Erholungsstätte in freier Natur zu schaffen. Seit 1949 besuchen jährlich 6000 bis 7000 Schüler, vor allem aus Frankfurt am Main, das Kinderdorf Wegscheide.

Seit den 1980er Jahren wurde die Wegscheide sowohl der Bestand der Gebäude als auch das Konzept modernisiert. Neben neuen Belegungshäusern ist hier der Bau einer Kläranlage und einer Holzhackschnitzel-Heizungsanlage zu nennen. Heute können Gruppen aus einem reichhaltigen Projektangebot der Umwelt- und der Erlebnispädagogik wählen. In dem abgegrenzten Gelände ohne Autoverkehr können sich die Kinder und Jugendlichen frei bewegen.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schmidt-Glücklich, Elsbeth: Wegscheidekinder. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1956.
  • Auf der Höhe da droben. Erinnerungen an die Wegscheide, zusammengestellt von Edmund Acker, Bad Orb 1983.
  • Die Wegscheide bei Bad Orb: Ein Spiegel deutscher Geschichte seit 1900, Hrsg.: Hessisches Institut für Lehrerfortbildung, Bruchköbel 1994.
  • 75 Jahre Frankfurter Schullandheim Wegscheide, Hrsg.: Stiftung Frankfurter Schullandheim Wegscheide, Frankfurt am Main 1995.
  • Informationen. Frankfurter Schullandheim Wegscheide, Jens Haag/Cornelia Heil/Detlef Lack/Monika Lack/Marc Peschke/Bernd J. Will, Frankfurt am Main (7) 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schullandheim Wegscheide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 12′ 36″ N, 9° 23′ 54″ O