Rothenbergen

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Rothenbergen
Gemeinde Gründau
Koordinaten: 50° 11′ 59″ N, 9° 6′ 41″ O
Höhe: 130 (124–150) m
Fläche: 5,59 km²[1]
Einwohner: 3973 (30. Jun. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 711 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 63584
Vorwahl: 06051
Christkönigkirche

Rothenbergen ist der größte Ortsteil der Gemeinde Gründau im hessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im Büdingen-Meerholzer Hügelland (Haupteinheit 233, früher Ronneburger Hügelland, im Nordostteil des Rhein-Main-Tieflandes, Haupteinheitengruppe 23), nach der naturräumlichen Gliederung Hessens, einer gehölz- bzw. waldreichen Kulturlandschaft. Am südlichen Ortsrand führt die Bundesautobahn 66 (A 66 von Wiesbaden über Frankfurt am Main und Hanau bis zum Dreieck Fulda mit Anschlussstelle "Gründau-Rothenbergen"); die frühere Bundesstraße 40 mit Ortsdurchfahrt ist jetzt Kreisstraße (K 903). Die Gemarkung des Ortsteils umfasst 571 ha (1949 waren davon 296 ha Ackerland).

Geologie und Naturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aus Lössauflagen und aus Letten des Rotliegenden entstandenen Böden sind die Grundlage einer ertragreichen Landwirtschaft. Nur die nördlich des Kinzigtals gelegene Hochfläche gehört zur Gemarkung, sie setzt sich aus einem Nordost-Südwest-verlaufenden Bergrücken und einem flachwelligen Gebiet nach Westen hin zusammen. Eine ökologische Sonderstellung nimmt das südlich der Hochfläche liegende Gelnhäuser Kinzigtal ein, in welchem Hochwässer häufig sind. Die Kinzig durchfließt die Gemarkung in einem weiten flachen Muldental in 130 bis 110 m ü. NN. Die Wälder der Gemarkung bestehen zum großen Teil aus Buchenwald. Die Niederungen der Kinzig werden als Grünland genutzt, der weitere Teil der Landschaft als Ackerland. Wertvolle Biotope der Landschaft sind Gehölze des Offenlandes, Streuobst und naturnahe Fließgewässer mit angrenzenden Feuchtbiotopen.

Nachbargemarkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden grenzt Rothenbergen an die Gemarkung des Gründauer Ortsteils Niedergründau, im Osten an die des Ortsteils Lieblos, im Süden an die des Stadtteils Meerholz der Stadt Gelnhausen, des Ortsteils Niedermittlau und Neuenhaßlau der Gemeinde Hasselroth und im Westen an die Gemarkung der Stadt Langenselbold.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf eine frühe Besiedlung lassen etliche Funde schließen: Unterhalb des Hühnerbergs (Steilabfall zur Kinzig hin) sind Steingeräte aus der Jungsteinzeit und Reste einer Siedlung aus der Zeit der Bandkeramik, der Rössener und der Michelsberger Kultur und der Hallstatt- und Frühlatènezeit in den Fluren Vor der Lohe, Beim Kühborn, Wellesborn, Beune, Vor dem Scheiblingsgraben und Vor dem Niederwald gefunden worden. Von oberhalb des Ortes (bereits in der heutigen Gemarkung Niedergründau gelegen) stammen die Funde eines Steinbeils und zweier Steinäxte und östlich von dem Ort (in der heutigen Gemarkung Lieblos) weitere zwei Steinbeile.[3]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 1220. Damals wurde der Ort Rodinberch genannt. Dieser Ortsname bedeutet Rodung am Berg. Mitten im Ort steht der „Schiefersteinhof“, ein altes königliches Hofgut.

Wirtschaftschronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im eher bäuerlich geprägten Dorf des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte das landwirtschaftliche Absatz- und Kreditwesen eine große Bedeutung:
7. August 1898 Gründung des Rothenberger Spar- und Darlehenskassenvereins
1. November 1949 Umbenennung des Rothenberger Spar- und Darlehenskassenvereins in Raiffeisenkasse Rothenbergen
28. Juni 1963 Zusammenschluss der Raiffeisenkasse Rothenbergen und Raiffeisenkasse Lieblos zur Raiffeisenkasse Lieblos
29. März 1972 Zusammenschluss der Raiffeisenkasse Lieblos und Meerholz zur Raiffeisenbank Mittlere Kinzig
11. Mai 1990 Umbenennung der Raiffeisenbank Mittlere Kinzig in Raiffeisenbank Gelnhausen
13. September 2001 Zusammenschluss der Raiffeisenbank Gelnhausen und der VR Bank Bad Orb-Gelnhausen unter der Firma VR Bank Bad Orb-Gelnhausen eG

Ab 1920 gab es in dem Ort elektrisches Licht; die Versorgung mit elektrischer Energie erfolgte von der Kinzigmühle in Lieblos aus (Wasserkraft).

Fliegerhorst Gelnhausen-Rothenbergen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor und während des Zweiten Weltkrieges (1936–1945) bestand am südlichen Ortsrand ein Militärflugplatz (Fliegerhorst)[4][5][6] und das schwere Funkfeuer Otto 599 kHz[7] (eine Bodenanlage zur Luftverteidigung des Deutschen Reiches)[8][9].

Vom Bahnhof Lieblos der Lahn-Kinzig-Bahn zweigte früher ein Gleis zu dem 1936 errichteten Fliegerhorst ab, das nach dem Zweiten Weltkrieg für das Industriegebiet in Rothenbergen (StEG – Staatliche Erfassungsgesellschaft, WIBAU u. A.) genutzt wurde[10]; es ist mittlerweile stillgelegt und teilweise überbaut worden.

Am 1. April 1949 nahm die WIBAU (Westdeutsche Industrie- und Straßenbaumaschinen GmbH) mit vier Mitarbeitern ihren Betrieb auf. Chef und Gründer des in den folgenden Jahren größten Industriebetriebes im Kreis Gelnhausen war Dipl.-Ing. K. H. Matthias. Das Unternehmen ist nach Eigentümerwechseln ab 1980 mit der IBH-Holding spektakulär untergegangen.[11]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kam der Ort durch Gesetz mit Wirkung vom 1. August 1972 zur Gemeinde Gründau.[12]

Einwohnerentwicklung 1600 bis 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohner 1600 1840 1914 1919 1925 1933 1939 1948 1949 1961 1970 2009
Rothenbergen[13][14] 250 609 770 776 803 801 1009 1405 1469 1685[15] 1991[15] 3826

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rothenbergen steht die katholische Christkönigkirche. Baubeginn war im Herbst 1963, die Weihe am 11. Juli 1965 (durch Bischof Adolf Bolte, Fulda); die Kirche (280 Plätze) hat die Form einer Krone und großflächig bunte Glasfenster, ein Jugendheim und die Wohnung für den Geistlichen.

Seit dem 17. Dezember 1967 hat der Ort eine eigene evangelische Kirche, ein Klinkerbau mit einem grauen Kirchturm. Er gehört aber nach wie vor zur Kirchengemeinde Auf dem Berg (Bergkirche) im Nachbarort Niedergründau.

2012 feierte die Methodistengemeinde ihr hundertjähriges Bestehen. 1970 wurde ein neues Kirchengebäude errichtet.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Gründau-Rothenbergen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rothenbergen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haushaltsplan der Gemeinde Gründau 2014. S. 4, archiviert vom Original; abgerufen im Oktober 2018.
  2. „Zahlen und Fakten“ im Internetauftritt der Gemeinde Gründau, abgerufen im Oktober 2018.
  3. Hans Kreutzer und Fritz-Rudolf Hermann und Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Abt. für Vor- und Frühgeschichte (Hrsg.) Archäologische Denkmäler in Hessen 21 - Die archäologische Erforschung einer Kleinlandschaft im mittleren Kinzigtal, 10 Jahre systematische Beobachtungen 1971–1981 Führer zu einer Ausstellung in Gelnhausen-Meerholz, Wiesbaden 1981
  4. Eckard Sauer: Absturz im Kinzigtal – Die Luftfahrt im hessischen Kinzigtal von 1895 bis 1950, 3. Aufl., Gründau 2013 S. 140 f.
  5. Werner Kalinka: Die Wache am Fliegerhorst Rothenbergen. In: Grindaha, Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V., Heft 26, Gründau 2016 ISSN 2194-8631, S. 26–28
  6. Martin Ludwig: Henri Nannens Inhaftierung in der Wache des Fliegerhorstes Rothenbergen. In: Grindaha, Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V., Heft 26, Gründau 2016 ISSN 2194-8631, S. 19–25
  7. Eckard Sauer: Absturz im Kinzigtal – Die Luftfahrt im hessischen Kinzigtal von 1895 bis 1950, 3. Aufl., Gründau 2013 S. 87–91
  8. Karte: Bodenorganisation Großraum-Nachtjagd/Luftflotte Reich 33 MB jpg
  9. Funkfeuer Otto bei www.geschichtsspuren.de
  10. Heinrich Goy: Großbaustelle Flugplatz Rothenbergen. In: Zwischen Vogelsberg und Spessart 2016, Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch, Jahreskalender für die Menschen in Stadt und Land zwischen Vogelsberg und Spessart, Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises (Hrsg.), Gelnhausen 2015 S. 123 ISBN 978-3-9808424-7-1
  11. Stephan Boernecke, Michael Grabenströer: Keiner will's gwesen sein – Wibau-Prozess: Ex-Chef versteckt sich hinter Banken, Wirtschaftsprüfern u. Aufsichtsräten. Zeitverlag Bucerius, Heft 14 (29.3.1985), Hamburg 1985, S. 22, ISSN 0044-2070
  12. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg (GVBl. II 330-19) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 230, § 16 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  13. R. Heuchert und Martin Schäfer: Zahlentafel über die Bevölkerung und die wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Heimatkreises. In: Heimatbuch des Kreises Gelnhausen, 3. Aufl., Gelnhausen 1950, S. 253
  14. Georg Rösch Übersicht über die Gemeinde-Verwaltung des Kreises Gelnhausen in: Zwischen Vogelsberg und Spessart - 1950 - Heimat-Jahrbuch des Kreises Gelnhausen - Gelnhausen 1949, S. 98.
  15. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 363.