Klaus M. Leisinger

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Klaus M. Leisinger (2006)

Klaus Michael Leisinger (* 6. Februar 1947 in Lörrach[1]) ist Sozialwissenschaftler und Ökonom. Klaus M. Leisinger ist Gründer und Präsident der Stiftung Globale Werte Allianz. Er war bis 2013 der Stiftungsratspräsident der Novartis Stiftung (ehemals Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung).

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus M. Leisinger studierte Ökonomie und Sozialwissenschaften an der Universität Basel, promovierte in Entwicklungssoziologie und habilitierte in Soziologie zum Thema „Gesundheitspolitik für die am wenigsten entwickelten Länder“. Seine berufliche Laufbahn führte ihn als Geschäftsführer des pharmazeutischen Regionalbüros der damaligen CIBA für mehrere Jahre nach Ostafrika. Nach seiner Rückkehr an den Hauptsitz in der Schweiz war er für die internationalen Beziehungen des Unternehmens verantwortlich.

Seit 1996 bis 2012 war Leisinger Geschäftsführer der ehemaligen Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung und bis 2013 auch deren Präsident. Diese Stiftung wurde vom Pharmaunternehmen Novartis finanziert. Unter seiner Leitung verfolgte die Stiftung eine konsequente Strategie zur Armutsbekämpfung und unterstützte Millionen Bedürftiger in einkommensschwachen Ländern, beispielsweise durch Massnahmen zur Heilung von Lepra, Malaria und Tuberkulose sowie durch Gesundheitsausbildung, landwirtschaftliche Entwicklung und den Schutz von besonders gefährdeten Kindern.

Klaus Leisinger ist Professor für Soziologie an der Universität Basel. Er forscht und lehrt hauptsächlich über Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen bzw. ihrer leitenden Führungspersönlichkeiten. Im Vordergrund stehen menschenrechtliche Verantwortlichkeiten und solche, die aus der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung resultieren – aber auch interkulturell divergierende Auffassungen zentraler Verantwortungskonzepte. Durch Veröffentlichungen in peer-reviewed Fachzeitschriften (A-Journals) und Bücher in mehreren Sprachen trug Klaus Leisinger massgeblich zur wissenschaftlichen Diskussion in seinen Fachgebieten bei.

Klaus Leisinger lehrt als Gastprofessor an zahlreichen europäischen Universitäten sowie an der University of Notre Dame, der MIT Sloan School of Management in Cambridge und der DePaul University. Er ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Zu den Institutionen an der er Gastvorlesungen (invited lectures) hielt, gehören Universitäten in China, Singapur, Hongkong, Minneapolis und Kapstadt. Im November 2004 erhielt er für sein humanitäres Engagement und seine wissenschaftliche Arbeit im Bereich Unternehmensethik den Ehrendoktor für Theologie an der Universität Freiburg (Schweiz). Für seine “outstanding contributions” im Kampf gegen Lepra erhielt er am 4. Dezember 2012 in Seoul den „2012 Republic of Korea Hansen Grand Award“.

Klaus Leisinger arbeitete in zahlreichen Beraterfunktionen für nationale und internationale Organisationen wie den UN Global Compact, die Weltbank und das Weltwirtschaftsforum(Global Agenda Council on Human Rights).[2] Von Kofi Annan wurde er 2005 zum Sonderberater des UN-Generalsekretärs für den UN Global Compact berufen.[3] Dieses Mandat endete mit der Amtszeit von UN-Generalsekretär Kofi Annan am 31. Dezember 2006. Klaus Leisinger war auch Mitglied der Kommission der Vereinten Nationen für Informationspolitik und Rechenschaftspflicht zur Verbesserung der Gesundheit von Frauen und Kindern.[4] Er war bis 2013 auch Mitvorsitzender der Digital Health Initiative – einer Kooperation von Interessengruppen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie und verschiedenen Gesundheitssektoren zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele. Zudem war er Mitglied der Broadband Commission,[5] des Lenkungsausschusses der UN Global Compact LEAD Initiative (bis 2013) und des UN ECOSOC Development Cooperation Forum. Klaus Leisinger ist darüber hinaus Kuratoriumsvorsitzender des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik sowie Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen.

Im November 2012 wurde Klaus Leisinger vom UN Global Compact zum „Special Advisor on the Post 2015 Development and Business Ethics“ ernannt; er behielt dieses Mandat bis zum Ende der Tätigkeit von Georg Kell als Leiter des Global Compact Office. Seit 2013 dient Klaus Leisinger im Leadership Council des Sustainable Development Solutions Network (initiiert durch UN Generalsekretär Ban Ki-moon und geleitet durch Jeffrey Sachs, Columbia University New York). Von 2014 bis 2016 war Leisinger Mitglied des Boards der Consultative Group on International Agricultural Research (CGIAR). Die CGIAR ist eine strategische Partnerschaft aus 21 Entwicklungs- und 26 Industrieländern, unter den Geldgebern sind u.a. die Weltbank und die Bill & Melinda Gates Foundation.

Seit Oktober 2015 arbeitet Klaus Leisinger beim von der Europäischen Kommission (Horizon 2020) finanzierten Forschungs-Konsortium TRUST mit. Im Vordergrund seines Engagements steht die Beantwortung der Frage, wie im Kontext klinischer Versuche pharmazeutischer Unternehmen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sichergestellt werden kann, dass bei sich stellenden Dilemmata die Würde und die Rechte der Patienten den Vorzug vor kommerziellen Interessen erhalten.

Im Juni 2016 wurde Klaus Leisinger Mitglied des Kernteams der Initiative Ethics in Action der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften (Pontificia Academia Scientiarum). Die Aufgabe dieses Gremiums ist, die Art der nachhaltigen Entwicklung mit menschlichem Antlitz in der weltweiten Praxis umzusetzen, die Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato Si’ beschrieb.

Fachgebiete / Forschungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine akademische Forschung und Praxis widmet er den Themen der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen in Entwicklungsländern, Unternehmensethik, internationale Entwicklungszusammenarbeit, sowie der Versorgung armer Bevölkerungsschichten mit Arzneimitteln. Im Vordergrund seiner Arbeit der letzten Jahre standen die nachhaltige Umsetzung des UN Global Compact in der Unternehmenspraxis sowie die Spezialthematik „Human Rights and Business“.

Werke / Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitslosigkeit, Direktinvestitionen und angepasste Technologie: Zur Investitionspolitik multinationaler Unternehmen in der Dritten Welt. Haupt, Bern 1975, ISBN 3-258-02418-9 (= Dissertation, Universität Basel, 1975).
  • Entwicklungspolitik: Anspruch und Wirklichkeit. Ein Werkbuch. Basler Zeitung, Basel 1986, ISBN 3-85815-149-1.
  • Unternehmensethik. Globale Verantwortung und modernes Management. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42289-6.
  • Die sechste Milliarde. Weltbevölkerungswachstum und nachhaltige Entwicklung. Beck, München 1999, ISBN 3-406-42140-7.
  • Six Billion and Counting: Population Growth and Food Security in the 21st century. In: Johns Hopkins University Press / IFPRI, Baltimore / Washington D.C 2002; auch auf Chinesisch erschienen, 3. Auflage, Beijing, 2003 (Koautoren Karin Schmitt und Rajul Pandya-Lorch).
  • Corporate Ethics in a Time of Globalization (Koautorin und Hrsg. Karin M. Schmitt) Sarvodaya Vishca Lekha Publishers, Colombo 2003, ISBN 955-599-333-5.
  • Whistleblowing und Corporate Reputation Management, Rainer Hampp Verlag (sfwu, Schriftenreihe für Wirtschafts- und Unternehmensethik), München und Mering 2003, ISBN 3-87988-731-4.
  • Ethik im Management (Hrsg. mit Hans Ruh), Orell Füssli, Zürich 2004, ISBN 3-280-05104-5.
  • Holzwege für den aufrechten Gang. Christliche Werte als Handlungsorientierung für unternehmerische Entscheidungen. In: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie, Academic Press Fribourg, Band 52, Heft 3 (2005), S. 628-679.
  • Capitalism with a Human Face. The UN Global Compact. In: The Journal of Corporate Citizenship, 28. Auflage (2007), S. 113-132.
  • Corporate philanthropy: The “top of the pyramid”. In: Business and Society Review, Band 112, Heft 3 (2007), S. 315-342.
  • Zur Relevanz der Unternehmensethik in der Betriebswirtschaftslehre. In: Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, Sonderheft 58 / 8. Oktober 2008, S. 26-49.
  • Corporate Responsibilities for Access to Medicines. In: Journal of Business Ethics, Band 85, Heft 1 (2009), S. 3ff.
  • On Corporate Responsibility for Human Rights. In: Spitzeck H. /Pirson M. / Amann W. / Khan S. / Kimakowitz E.v. (EDS.): Humanism in Business, Cambridge University Press, Cambridge 2009, S. 175-203.
  • The Role of Corporations in Shaping Globalization with a Human Face. In: Straus J. (Ed.): The Role of Law and Ethics in the Globalized Economy, Springer, Heidelberg 2009, pp. 27-48.
  • Manifest globales Wirtschaftsethos: Konsequenzen und Herausforderungen für die Weltwirtschaft. mit Hans Küng und Josef Wieland Dtv, München 2010, ISBN 978-3-423-34628-3.
  • Poverty, Diseases, and Medicines in Low-and Middle-Income Countries: The Roles and Responsibilities of Pharmaceutical Corporations. In: Business & Professional Ethics Journal Vol.31 (2012)No.1, S. 135-185.
  • Corporate Responsibility and Corporate Philanthropy (mit Karin Schmitt), Juni 2012 UN Development Cooperation Forum[6]
  • Global Values for Global Development (September 2014) Working Paper for the Sustainable Development Solutions Network[7]
  • Corporate Sustainability, Global Values and Pluralistic Societies: What can we know? What ought we to do? What may we hope?[8] 
  • Corporate Responsibility in a World of Cultural Diversity and Pluralism of Values, Journal of International Business Ethics, Vol.8 No.2 2015, pp 9 – 36

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vademekum der Geschichtswissenschaften. F. Steiner, Stuttgart 2000, S. 459.
  2. http://www.weforum.org/content/global-agenda-council-human-rights-2012
  3. http://www.unglobalcompact.org/NewsAndEvents/news_archives/2005_10_05.html
  4. http://www.who.int/woman_child_accountability/about/coia/en/index3.html
  5. http://www.broadbandcommission.org/CommissionerListPage.aspx
  6. http://www.un.org/en/ecosoc/newfunct/pdf/leisinger-schmitt_corporate_responsibility_and_corporate_philanthropy.pdf
  7. Klaus M. Leisinger: Global Values for Global Development. Abgerufen am 9.2.2017.
  8. Klaus M. Leisinger: What is the Global Values Alliance? Abgerufen am 9.2.1017.