Bill & Melinda Gates Foundation

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Bill & Melinda Gates Foundation
Logo der Bill & Melinda Gates Foundation
Zweck: Globale Entwicklung, Gesundheit und Bildung
Vorsitz: Bill Gates, Melinda Gates, Warren Buffett, William H. Gates II
Geschäftsführung: Jeff Raikes
Bestehen: seit 1999
Stifter: Bill Gates, Melinda Gates
Stiftungskapital: 42,9 Mrd. USD (März 2015)[1]
Mitarbeiterzahl: 1.376 (März 2015)[1]
Sitz: Seattle
Website: www.gatesfoundation.org

Die Bill & Melinda Gates Foundation (deutsch Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung) ist an den Einlagen gemessen die mit Abstand größte Privat-Stiftung der Welt. Microsoft-Mitbegründer Bill Gates hatte im Jahr 1994 erstmals eine Stiftung mit dem Namen „William H. Gates Foundation“ ins Leben gerufen, die zunächst von seinem Vater geführt wurde. Im Jahr 1999 entstand daraus die „Bill & Melinda Gates Foundation“. Sie hat ihren Hauptsitz in Seattle mit etwa 1.376 Mitarbeitern und einem Stiftungskapital von 36,7 Mrd. US-Dollar. Seit der Gründung wurden insgesamt 36,7 Mrd. US-Dollar an Zuschüssen gezahlt, 2014 waren es 3,9 Mrd. Dollar, 2015 4,2 Mrd. Dollar. Die Zuschüsse fließen in alle 50 Bundesstaaten der USA und in mehr als 100 Länder.[2]

Ziele und Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bill & Melinda Gates
Westlicher Flügel des Hauptsitzes
Östlicher Flügel des Hauptsitzes
Fassade des Besucherzentrums
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Die Stiftung ist in drei Bereiche gegliedert: Globale Entwicklung, globale Gesundheit und das United States-Programm.

Globale Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung engagiert sich in der landwirtschaftlichen Entwicklung. Bis Juni 2011 wurden über 1,8 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Beiträge werden in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Agrarpolitik und Marktzugang geleistet. Das mit Abstand größte geförderte Projekt ist die Alliance for a Green Revolution in Africa, die im Jahr 2006 zusammen mit Geldern der Rockefeller-Stiftung ins Leben gerufen wurde. Weitere größere Beträge flossen in das Harvest Plus-Programm zur Entwicklung nährstoffangereicherter Pflanzen sowie Projekte zur Entwicklung trockentoleranter Mais- und rostresistenter Weizensorten. Hinzu kommt die Förderung von national repräsentativen Längsschnittstudien, die Unterstützung von afrikanischen Frauen in Agrarwissenschaften und Unterstützung der Reforminitiativen in mehreren afrikanischen Ländern. Weitere zweistellige Millionenbeträge sind in die Unterstützung von Kaffee- und Milchproduzenten und den Marktzugang von Kleinbauern in Afrika geflossen.[3]

Globale Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung unterstützt die Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten in der ganzen Welt. Dazu gehören Projekte zur Versorgung von AIDS-Kranken in Botswana und die Bereitstellung von Geld für Impfprogramme von Kindern in Indien und Afrika. Weiterhin engagiert sie sich in der Forschung nach Impfstoffen gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria sowie der Bereitstellung von Impfstoffen gegen Kinderlähmung,[4] Diphtherie, Keuchhusten, Masern und Gelbfieber. Die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) wird zu 75 % (1,5 Mrd. US $) von der Bill & Melinda Gates Foundation finanziert, die, im Gegensatz zu den UN-Organisationen (WHO), dort auch einen ständigen Sitz im Aufsichtsrat hat.

United States-Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten engagiert sich die Stiftung vor allem in der Bildung. Es werden Stipendien an Jugendliche aus Familien mit niedrigem Einkommen vergeben, um ihnen so den Besuch weiterführender Schulen zu ermöglichen. Auch werden Initiativen unterstützt, die die kostenlose Nutzung von Computern und des Internets in öffentlichen Büchereien zum Ziel haben.

Zustiftung von Warren Buffett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juni 2006 kündigte Warren Buffett eine Zustiftung von Berkshire Hathaway B Aktien an, die zu diesem Zeitpunkt 32,5 Milliarden Dollar wert waren. In einem Interview mit dem US-Business-Magazin Fortune hatte der damals drittreichste und zeitweise reichste Mann der Welt, Warren Buffett, angekündigt, 85 Prozent seiner Aktien an der von ihm aufgebauten Investmentfirma Berkshire Hathaway an diverse Stiftungen zu verschenken. Etwa fünf Sechstel davon sollten der Bill & Melinda Gates Foundation zugutekommen, der Anteile über mehrere Jahre überschrieben werden. Buffetts Gesamtvermögen wurde zu diesem Zeitpunkt auf rund 45 Mrd. US $ geschätzt (Forbes the World’s Richest People 2006). Die erste Zahlung im Wert von 1,6 Mrd. US $ erfolgte im Juni 2006, die zweite im Wert von 1,76 Mrd. US $ im Juli 2007, die dritte im Wert von 1,8 Mrd. US $ im Juli 2008, die vierte im Wert von 1,25 Mrd. US $ im Juli 2009 und eine weitere im Wert von 2,86 Mrd. US $ im Juli 2016.

Divestment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Energie- und Industriebereich investiert die Stiftung nach Angaben der Buchautorin Kathrin Hartmann aus dem Jahr 2015 „in Konzerne der Öl-, Kohle-, Chemie- und Bergbauindustrie, darunter befinden sich einige der schmutzigsten Konzerne der Welt“ – gemeint sind Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen. Hartmann nannte speziell die Unternehmen BP, ExxonMobil, Eni, Shell, Glencore, Rio Tinto, Dow Chemical, Coca-Cola und Monsanto. Die Stiftung selbst macht keine Angaben zu den Unternehmen, deren Aktien sie hält. Zu Beginn des Jahres waren 1,4 Mrd. US-Dollar in Unternehmen der fossilen Energieerzeugung investiert.

Im März 2015 starteten die britische Zeitung The Guardian und die Klimaschutzinitiative 350.org die Kampagne Keep it in the ground. In der zentralen Forderung der ersten Kampagnenphase wurden der Wellcome Trust und die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung aufgerufen, ihre Anteile an Unternehmen der fossilen Energieerzeugung im Sinne des Divestment abzustoßen.[5] Im Laufe des Jahres 2015 verkaufte die Stiftung ihre Anteile an ExxonMobil in Höhe von 824 Mio US-Dollar, im Herbst 2015 folgte ihr Anteil an BP in Höhe von 187 Mio. US-Dollar.[6][7][8][9] Während die Divestment-Bewegung den Verkauf der Anteile als Erfolg feierte, warnten kritische Stimmen, dass der Besitz und Kauf von Firmenanteilen erst ab einer Summe von 100 Mio. US-Dollar gemeldet werden muss. Somit ließe sich anhand des Verkauf der Anteile von BP und ExxonMobil kein Paradigmenwechsel in der Stiftung belegen.[5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2007 veröffentlichten Journalisten der Los Angeles Times einen Bericht, in dem sie der Stiftung Investitionen in Unternehmen vorwarfen, die stark umweltverschmutzend agieren oder teure AIDS-Medikamente verkaufen („blind-eye investing“).[10]

Eine andere Kritik bezieht sich auf die enge Verknüpfung der Stiftung mit dem Lebensmittel-Konzern Monsanto, der seinerseits in der Kritik steht, die angestammte Landwirtschaft in Afrika zu bedrohen und vor allem über die Patentierung von bestimmten Pflanzen-, Gemüse- und Getreidesamen in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu halten.[11]

Der Arzt David McCoy kritisierte 2014 unter anderem die Konzentration auf wenige ausgewählte Technologien und Krankheiten, das fehlende Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung und dass die Stiftung keine Ethik- und Nachhaltigkeitsstandards für ihre Geldanlagen hat.[12][13]

Es wird der Stiftung vorgeworfen, dass sie gezielt Maßnahmen von Firmen propagiere und unterstütze, deren Aktien sie hält. Beispielsweise speist sich das Budget der Weltgesundheitsorganisation zu über 11 % aus Spenden der Stiftung, so dass diese auf die Politik der WHO großen Einfluss ausübt. So empfiehlt die Bill & Melinda Gates Foundation die Vergabe von Aufträgen der WHO an Konzerne wie Merck, GlaxoSmithKline, Novartis und Pfizer, deren Aktien von der Stiftung gehalten werden. In Bezug auf die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA) wird auf eine Verbindung zu Konzernen wie Monsanto, Cargill, DuPont, Dow Chemical, BASF und Bayer hingewiesen. Zwischen dem Direktorium der Stiftung und Monsanto bestehen personelle Verbindungen.[14][15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Handelsblatt, Nr. 105 vom 5./6./7. Juni 2015, S. 24.
  2. Stand: 30. September 2012; Bill & Melinda Gates Foundation: Foundation Fact Sheet.
  3. Agricultural Development Strategy Overview. Global Development Program, Gates Foundation. August 2011.
  4. Bill Gates announces new US$255 million grant for ending polio
  5. a b James Randerson: A story of hope: the Guardian launches phase II of its climate change campaign. In: theguardian.com. 5. Oktober 2015, abgerufen am 26. Mai 2016 (englisch).
  6. Damian Carrington: Bill and Melinda Gates Foundation divests entire holding in BP. In: theguardian.com. 12. Mai 2016, abgerufen am 26. Mai 2016 (englisch).
  7. Kathrin Hartmann/Dieter Kassel: Bill Gates und sein Image: „Die Stiftung hilft mit Blutgeld“. Deutschlandradio Kultur, 28. Oktober 2015, abgerufen am 18. Mai 2016.
  8. Sandra Kirchner: Gates-Stiftung verkauft Anteile an BP. klimaretter.info, 17. Mai 2016, abgerufen am 18. Mai 2016.
  9. Christoph Sackmann: So setzt Bill Gates ein milliardenschweres Zeichen gegen Ölkonzerne. Finanzen100, 17. Mai 2016, abgerufen am 18. Mai 2016.
  10. Charles Piller, Edmund Sanders and Robyn Dixon: Dark cloud over good works of Gates Foundation. Los Angeles Times, 7. Januar 2007.
  11. John Vidal: Why is the Gates foundation investing in GM giant Monsanto?. The Guardian, 29. September 2010.
  12. Interview mit Medizinexperten McCoy: „Die Gates-Stiftung ist ein Mittel, um Macht auszuüben“. Spiegel Online/enorm, 27. Juli 2014, abgerufen am 27. Juli 2014.
  13. Sonja Zekri: Kinder verseucht, aber gegen Masern geimpft. Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.
  14. Patrick Spät: Bill Gates zwischen Schein und Sein. In: Telepolis. Heise Medien GmbH & Co. KG, 31.01.2016, abgerufen am 1. Februar 2016 (deutsch).
  15. Dr. Peter Clausing: Bill Gates in Afrika. 19.08.2013, abgerufen am 1. Februar 2016 (deutsch).