Klaus von See

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Klaus von See (* 10. August 1927 in Altendorf, Niedersachsen; † 30. August 2013 in Frankfurt am Main) war ein deutscher skandinavistischer und germanistischer Mediävist, Philologe, Historiker und Rechtshistoriker. Er war Professor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus von See studierte Geschichte, Germanistik und Skandinavistik an der Universität Hamburg und promovierte 1953 bei dem Historiker Hermann Aubin. Nach einem anschließenden Jurastudium rückte seit 1957 mit dem Antritt einer Assistentenstelle am Hamburger „Germanistischen Seminar“ sein Interesse für die germanische und speziell skandinavische Philologie in den Vordergrund.

1962 wurde von See mit der von dem Kieler Altnordisten Hans Kuhn betreuten rechtshistorisch-philologischen Arbeit Altnordische Rechtswörter. Philologische Studien zur Rechtsauffassung und Rechtsgesinnung der Germanen habilitiert. Unmittelbar danach wurde er auf eine Professur für Germanische Philologie an der Universität in Frankfurt am Main berufen, die er bis zu seiner Emeritierung 1995 innehatte.

Rufe an die Universitäten Saarbrücken 1963, Köln 1965, Kiel 1968, Bonn 1976 lehnte er ab und blieb in Frankfurt. Der durch die Bleibeverhandlungen kontinuierlich geförderte Ausbau der Nordischen Abteilung des „Deutschen Seminars“ ermöglichte 1976 die Gründung eines eigenständigen „Instituts für Skandinavistik“, dessen erster Direktor von See wurde.

Als Gesamtherausgeber des 25 Bände umfassenden Werks Neues Handbuch der Literaturwissenschaft gliederte er das Werk nicht – wie das alte von Oskar Walzel herausgegebene Handbuch – nach Nationalliteraturen, sondern nach Epochen, legte es also von vornherein komparatistisch an. Seit 1993 leitete von See das von ihm initiierte und konzipierte DFG-Langzeitprojekt „Edda-Kommentar“ (Kommentar zu den Liedern der Edda), aus dem bisher sieben Bände hervorgegangen sind.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus von See war Ritter des Dannebrogordens, Honorary Life Member der Viking Society for Northern Research in London und Träger des Ritterkreuzes des Isländischen Falkenordens.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Autor
  • Altnordische Rechtswörter. Philologische Studien zur Rechtsauffassung und Rechtsgesinnung der Germanen (Hermaea/N.F.; Bd. 16). Niemeyer, Tübingen 1962 (Habilitationsschrift).
  • Germanische Verskunst (Sammlung Metzler). Metzler, Stuttgart 1967.
  • Deutsche Germanen-Ideologie. Vom Humanismus bis zur Gegenwart. Athenäum-Verlag, Frankfurt/M. 1970.
  • Germanische Heldensage. Stoffe, Probleme, Methoden; eine Einführung. 2. Auflage. VG Athenaion, Wiesbaden 1981, ISBN 3-7997-7032-1 (EA Wiesbaden 1971).
  • Barbar, Germane, Arier. Die Suche nach der Identität der Deutschen. Winter, Heidelberg 1994, ISBN 3-8253-0210-5.
  • Kommentar zu den Liedern der Edda. Winter, Heidelberg 1997–2012 (7 Bde, zusammen mit Beatrice La Farge, Katja Schulz u. a.).
  • Europa und der Norden im Mittelalter. Winter, Heidelberg 1999, ISBN 3-8253-0935-5.
  • Die Göttinger Sieben. Kritik einer Legende (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte/3; Bd. 155). 3. Auflage. Winter, Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-1058-2 (EA Heidelberg 1997).
  • Freiheit und Gemeinschaft. Völkisch-nationales Denken in Deutschland zwischen Französischer Revolution und Erstem Weltkrieg. Winter, Heidelberg 2001, ISBN 3-8253-1217-8.
  • Königtum und Staat im skandinavischen Mittelalter. Winter, Heidelberg 2002, ISBN 3-8253-1378-6 (zugl. Dissertation, Universität Hamburg).
  • Texte und Thesen. Streitfragen der deutschen uns skandivavischen Geschichte. Winter, Heidelberg 2003, ISBN 3-8253-1433-2 (mit einem Vorwort von Julia Zernack).
  • Ideologie und Philologie. Aufsätze zur Kultur- und Wissenschaftsgeschichte (Frankfurter Beiträge zur Germanistik; Bd. 44). Winter, Heidelberg 2006, ISBN 3-8253-5221-8.
als Herausgeber
als Übersetzer
  • Das Jütsche Recht. Valdemar II. König von Dänemark („Den jyske lov“). Böhlau, Weimar 1960 (aus dem Altdänischen übersetzt).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Wolfgang Weber (Hrsg.): Idee, Gestalt, Geschichte. Studien zur europäischen Kulturtradition. Festschrift Klaus von See. University Press, Odense 1988, ISBN 87-7492-697-7 (mit einem Vorwort Zu Werk und Wissenschaft des Germanisten Klaus von See und einer Bibliographie Klaus von Sees bis 1988 S. 713–719).
  • Bibliographie Klaus von Sees von 1989 bis 2002. In: Texte und Thesen. Streitfragen der deutschen und skandinavischen Geschichte. Winter, Heidelberg 2003, ISBN 3-8253-1433-2, S. 305–309.
  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2009. 22. Ausgabe. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23629-7.
  • Notker Hammerstein: Die Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main, Bd. 2: Nachkriegszeit und Bundesrepublik 1945–1972. Wallstein-Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-0550-2, S. 567–570.
  • Julia Zernack: Klaus von See 1927–2013. In: European Journal of Scandinavian Studies 44, 1 (2014), S. 1–3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]