Kleinmarkthalle Frankfurt

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Die Kleinmarkthalle ist eine Markthalle in der Altstadt von Frankfurt am Main. An Werktagen werden von 63 Händlern in 156 Marktständen auf ungefähr 1.500 Quadratmetern Fläche[1] alle Arten von frischen Lebensmitteln, aber auch Blumen und Sämereien angeboten. Neben regionalen Spezialitäten, wie zum Beispiel die Grüne Soße, werden heute auch importierte Lebensmittel verkauft. Ebenso werden von einigen Händlern Imbiss-Stände in der Halle betrieben. Dies macht die Kleinmarkthalle zu einem Einzelhandelszentrum mit Bedeutung für die ganze Region Rhein-Main.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alte Kleinmarkthalle vor ihrer Zerstörung 1944
Eingang Westseite
Blick in die Kleinmarkthalle

Ursprünglich wurden in Frankfurt ebenso wie in anderen Städten die frischen Waren von den Bauern der Umgebung in die Stadt gebracht und auf öffentlichen Marktplätzen verkauft. Zahlreiche traditionelle Straßennamen und Plätze weisen darauf hin, zum Beispiel der Weckmarkt, der Kornmarkt, der Hühnermarkt und der Roßmarkt. In der Altstadt wohnten und arbeiteten die Handwerker nach Zünften getrennt, wo zum Beispiel die Metzger in ihren Schirnen Fleisch und Würste verkauften.

Im 19. Jahrhundert ließen die gestiegenen Ansprüche an Hygiene Forderungen nach einer Regulierung des Marktbetriebes aufkommen. 1871 beschloss der Magistrat die Errichtung einer städtischen Markthalle auf dem Gelände zwischen Fahrgasse und Hasengasse. Sie wurde 1877 bis 1879 im damals modernen Stil der Neurenaissance unter Leitung von Stadtbaurat Behnke durch die Firma J. S. Fries Sohn errichtet.

Die alte Markthalle war eine verglaste Eisenkonstruktion in Form einer dreischiffigen basilikalen Halle von 117 Metern Länge, 34 Metern Breite und 22 Metern Höhe. Lediglich die vier symmetrischen Eckrisalite waren massiv in Werkstein ausgeführt. Die Verkaufsfläche im Erdgeschoss umfasste 4.000 Quadratmeter mit 354 Verkaufsständen, 114 weitere Stände fanden auf einer 6 Meter breiten umlaufenden Galerie Platz. Die Markthalle erfreute sich bald großer Beliebtheit bei den Bürgern. Friedrich Stoltze schrieb dazu:

Gemieß, Kardoffel und was noch all, des kriecht mer hier in dere Hall. Und owwe uff der Galerie, da möpselts nach Fromaasch de Brie.

Bis zur Eröffnung der Großmarkthalle 1928 diente die Markthalle auch dem Großhandel. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde eigens eine Straßenbahnlinie zwischen dem bevorzugten bürgerlichen Wohngebiet im Westend und der Fahrgasse eingerichtet. Sie wurde im Volksmund auch als „Dienstmädchenlinie“ bezeichnet.

1929 wurde die Halle umgebaut, ihre Fassade begradigt. Im März 1944 wurde die Kleinmarkthalle bei den schweren Bombenangriffen auf Frankfurt zerstört, ihre Überreste nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen. Der Wiederaufbau erfolgte 1954 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, aber nicht am gleichen Ort, sondern etwa 200 Meter südwestlich des alten Standortes, zwischen Hasengasse und Liebfrauenberg.

Geplante Renovierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Empore
Auf der Empore

Das denkmalgeschützte Gebäude ist mittlerweile renovierungsbedürftig. Anfang 2005 schlug der Planungsdezernent vor, die Kleinmarkthalle und die umgebende Bebauung aus den 1950er-Jahren abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Das Vorhaben stieß jedoch in der Frankfurter Öffentlichkeit auf heftige Kritik und wurde daher zurückgezogen.

Im Februar 2007 stellte das Baudezernat seine Pläne für eine umfassende Sanierung der Kleinmarkthalle der Öffentlichkeit vor.[2] Über einen Zeitraum von mehreren Jahren sollen Fenster, Sanitäranlagen sowie Heizung und Belüftung vollständig erneuert werden. Insbesondere auf der Südseite der Halle, der sogenannten Metzgerschiene, sollen die Marktstände umgebaut und erweitert werden. Die Pläne wurden bislang mit Skepsis aufgenommen. Während die Händler den erheblichen Investitionsbedarf und Umsatzausfälle während der Umbauzeit scheuen, fürchten viele Kunden vor allem um die besondere Atmosphäre der Halle, deren Attraktivität gerade darauf beruhe, dass sie nicht wie ein modernes Einkaufszentrum gestaltet sei. Die Stadt sicherte zu, die Bedenken der Händler aufzugreifen und alle Umbauplanungen mit den Betroffenen abzustimmen.

Dazu schrieb die Stadt einen Architektenwettbewerb unter 50 Teilnehmern aus, von denen 32 Entwürfe einreichten. Anfang August 2008 stellte das Preisgericht die Ergebnisse vor. Sieger wurde das Dresdner Büro Code Unique Architekten. Sein Entwurf sieht vor, die Kleinmarkthalle an der Südseite um einen etwa fünf Meter hohen eingeschossigen Glastrakt zu erweitern. Der westliche und östliche Kopfbau sollen neue, verglaste Eingangsbereiche erhalten. Durch den Umbau wird die Verkaufsfläche um etwa 500 bis 600 Quadratmeter vergrößert. Anstelle der oberirdischen Parkplätze für die Händler soll eine Tiefgarage mit 31 Stellplätzen entstehen. Die Stadt kalkuliert mit einem Budget von 12,5 Millionen Euro für die Sanierung.[3] Der Umbau sollte bei laufendem Marktbetrieb stattfinden und bis 2013 abgeschlossen werden.

Seit 2007 ist eine neue städtische Managementgesellschaft für Hafen und Markt mbh (HFM) für die Halle verantwortlich. Sie hat vor, mit den 64 Händlern neue Verträge abzuschließen. Die Stadt Frankfurt überlegt, privaten Investoren eine Beteiligung an der städtischen Kleinmarkthalle zu ermöglichen. Im Juli 2009 wurde die Kleinmarkthalle aus der städtischen Marktordnung gestrichen; die Stadtverordnetenversammlung beschloss eine neue Marktsatzung.[4] Im Juli 2009 verlautbarte die Stadt Frankfurt, dass der Beginn des Umbaus aus finanziellen und planungstechnischen Gründen auf frühestens 2013 verschoben werden soll.[5] Die dringendsten Erneuerungen begannen dennoch zwischenzeitlich mit dem Umbau des Toilettenbereichs.

Am 3. November 2009 demonstrierten die Händler der Halle – organisiert in der Interessengemeinschaft Kleinmarkthalle – mit einem Demonstrationszug durch die Frankfurter Innenstadt gegen diese Privatisierungspläne. Etwa 200 Personen zogen vor den Römer und präsentierten dort eine Unterschriftensammlung gegen das Vorhaben.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Rödel: Ingenieurbaukunst in Frankfurt am Main 1806–1914, S. 273–279. Frankfurt am Main 1983. Societäts-Verlag, ISBN 3-7973-0410-2
  • Wilhelm Opatz und Deutscher Werkbund Hessen (Hrsg.): Frankfurt 1950-1959 Niggli-Verlag, 2014, ISBN 978-3-7212-0906-8
  • Eva Wolf, Die Kleinmarkthalle kocht, Frankfurt am Main 2007. Nizza-Verlag, ISBN 3-940599-00-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel über die Kleinmarkthalle auf der Website der Managementgesellschaft für Hafen und Markt (HFM)
  2. Ulrike Koball: Sanierung. Händler der Kleinmarkthalle verunsichert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Februar 2007. (Online-Artikel)
  3. Rainer Schulze: Architektur. Ein gläserner Anbau für die Kleinmarkthalle. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. August 2008. (Online-Artikel)
  4. Unruhe in der Frankfurter Kleinmarkthalle; FAZ vom 2. November 2009
  5. Frankfurter Neue Presse vom 14. Juli 2009: Kein Geld: Umbau der Kleinmarkthalle verschoben.
  6. Jäger und Kämpfer; Hubert von der Assen und die Kleinmarkthalle, Frankfurter Rundschau vom 6. November 2009

Koordinaten: 50° 6′ 46″ N, 8° 40′ 59″ O