Kloster Bellelay

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ehemaliges Kloster von Bellelay
Flugaufnahme 1953

Das Kloster Bellelay ist eine ehemalige Prämonstratenserabtei in der Ortschaft Bellelay im Berner Jura, die heute als Psychiatrische Klinik dient. Bis 1798 bildete das Kloster eine autonome Herrschaft innerhalb des Fürstbistums Basel und stand als Schirmherrschaft unter dem Schutz der eidgenössischen Kantone Bern, Solothurn sowie der Stadt Biel.

Gründungslegende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäss einer Legende wurde das Kloster 1136 von Siginand, einem Propst der Abtei Moutier-Grandval gestiftet. Dieser folgte auf der Jagd einem Eber durch die Wälder des Juras. Als er ihn schliesslich erlegt hatte, fand er aus der damaligen Wildnis des Hochjuras nicht mehr heraus. Er soll das Gelübde gesprochen haben, ein Kloster zu stiften, wenn er heil nach Moutier zurückkäme. Nach vier Tagen hatte er dorthin zurückgefunden und darauf das Kloster gegründet, dem er den Namen Bellelay gab (belle laie heisst übersetzt schöne Sau).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Ansicht des Klosters Bellelay vom Juni 1755
Das Wappen der Abtei Bellelay zeigte den schwarzen Buchstaben B auf silbernem Grund.

Das Kloster Bellelay wurde wahrscheinlich auf Veranlassung des Bischofs Adalbero III. von Basel an der Südwestgrenze des Bistums gegründet und aus dem Grundbesitz der Abtei Moutier-Grandval herausgelöst. Das Prämonstratenserkloster wird 1142 erstmals schriftlich erwähnt. Es existieren zahlreiche Schreibweisen aus der frühen Zeit des Klosters: Balelaia, Belelagia, Belelai, Belilaia, Bellale, Bella Lagia, Bellelagia und Bellilagia. Der Name leitet sich vom vulgärlateinischen bella lagia («schöner Wald») ab.

Das Kloster hatte weit verstreuten Grundbesitz und war Mutterkloster des Priorats Grandgourt, des Klosters von Gottstatt und der Abtei Himmelspforte bei Grenzach-Wyhlen in Baden-Württemberg.

Bellelay stand unter der Oberhoheit des Fürstbistums Basel, schloss aber Burgrechtsverträge ab mit Bern und Solothurn (spätestens 1414) sowie mit Biel (1516). Die Verträge mit Solothurn wurden bis zur französischen Revolution regelmässig erneuert, weshalb das Kloster zum eidgenössischen Teil des Fürstbistums Basel gerechnet wurde.

Der Abt übte über den Ort Bellelay und das umliegende Gebiet, die sog. Courtine de Bellelay, die niedere Gerichtsbarkeit aus, und zwar in weltlichen wie in kirchlichen Belangen. Am Konzil von Konstanz erhielt der Abt 1414 das Recht, den Ring, die Mitra und das Kreuz zu tragen, Symbole kirchlicher und weltlicher Herrschaft. Während des Schwabenkrieges im Jahr 1499 wurden die Klostergebäude gebrandschatzt. Von den Auswirkungen des Dreissigjährigen Krieges blieb das Kloster wegen seines Vertrages mit Solothurn verschont. Es erlebte vor allem im 18. Jahrhundert eine Blütezeit als weitherum angesehenes Bildungszentrum für Söhne des europäischen Adels (1772 wurde ein Pensionat gegründet).

Im Jahr 1797 wurden die Gebäude von französischen Truppen besetzt und das Kloster säkularisiert. Dabei wurde das wertvolle Mobiliar verkauft, ein bedeutender Altar befindet sich beispielsweise in der Pfarrkirche Notre-Dame de l'Assomption in Saignelégier. Das Gebiet des Klosters kam zusammen mit dem Fürstbistum Basel an 1797 an Frankreich und wurde in das Département du Mont-Terrible integriert. 1801 wurden die Zwiebeltürme abgedeckt und das dadurch gewonnene Metall verkauft, die Doppeltürme zerfielen in der Folge teilweise. 1815 fiel Bellelay durch Beschluss des Wiener Kongresses an den Kanton Bern.

Im 19. Jahrhundert wurden die Klostergebäude zuerst als Uhrenfabrik, danach als Brauerei und schliesslich als Glashütte genutzt. Die Kirche diente zeitweise als Stall bzw. Scheune. Insgesamt befanden sich die Gebäude in unterschiedlichen Stadien des Zerfalls. 1891 erwarb der Kanton Bern für 150'000 Franken das Areal aus der Konkursmasse der Glashütte. Seither dienen die Gebäude einer psychiatrischen Klinik.[1] 1956 wurde die Klosterkirche für 600'000 Franken restauriert und wiederhergestellt. Die jetzt sich in der Kirche befindlichen Altäre sind zwar aus der gleichen Stilepoche wie die Originale, stellen aber Erwerbungen aus anderen Kirchen dar. 2009 wurde die durch Orgelbau Kuhn rekonstruierte Orgel des Joseph Bossard von 1721 eingeweiht. Eine Stiftung ist Veranstalterin jährlich stattfindender Ausstellungen, bei denen zeitgenössische Kunst mit der barocken Architektur in Dialog treten soll.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Bau der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt wurde 1708–1714 von Franz Beer nach dem Vorarlberger Münsterschema errichtet. Die Kirche besitzt zwei gedrungene Fronttürme, die ursprünglich mit Zwiebelhauben ausgestattet waren. Im Innern sind wertvolle Stuckarbeiten der Wessobrunner Schule (1713) zu bewundern. Die Klostergebäude im Stil des Barock entstanden ebenfalls zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Hauptorgel

In der Kirche stehen zwei Orgeln aus der Werkstatt der Firma Kuhn (Männedorf, Schweiz). Die Hauptorgel wurde 2009 in Anlehnung an den Baustil des Orgelbauers Joseph Bossard erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 26 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Hauptwerk, Positiv und Pedal haben jeweils eine kurze Oktave; die Manualwerke haben Subsemitonien (dis/es). Das Echowerk hat einen verringerten Tonumfang und ist nur mit einem Register ausgestattet. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[2]

I Positif C–c3
1. Bourdon 8′
2. Principal 4′
3. Flutte doux 4′
4. Flageolet 2′
5. Fourniture III 1′
6. Cymbale II 1′
7. Voix humaine 8′
Tremblant
II Grand Orgue C–c3
8. Principal 8′
9. Bourdon 8′
10. Viole 8′
11. Prestant 4′
12. Flutte sylvestre 4′
13. Flutte traversiere 4′
14. Viole d'Amour 4′
15. Quinte 3′
(Fortsetzung)
16. Doublette 2′
17. Fourniture IV 2′
18. Gros Cymbale III 1′
19. Cornett V (ab c1) 8′
20. Trompette 8′
21. Clairon 4′
III Echo c1–c3
22. Echokornett V 8′


Pedal C–c1
23. Soubasse 16′
24. Contra basse 16′
25. Principal 8′
26. Fagot 8′

Die Chororgel ist ein historisierender Neubau aus dem Jahr 2014. Das Instrument wurde maßgeblich anhand des Werkstattbuches der Orgelbauerfamilie Bossard konzipiert. Das Schleifladen-Instrument hat 15 Register auf einem Manualwerk (kurze tiefe Oktave) und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[3]

Manualwerk C–c3
1. Principal 8′
2. Bourdon 8′
3. Salicional 8′
4. Suavial 8′
(Fortsetzung)
5. Octave 4′
6. Flutte 4′
7. Flutte bouchée 4′
8. Quinte 3′
(Fortsetzung)
9. Superoctave 2′
10. Flageolet 2′
11. Tierce 135
12. Quinte 112
(Fortsetzung)
13. Fourniture III 2′
14. Mixturne III 113
Tremblant
Pedal C–a0
15. Soubasse 16′

Käse Tête de Moine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angeblich haben die «Mönche» (eigentlich Chorherren) aus Bellelay den Käse «Tête de Moine» (Mönchskopf) erfunden. Die Käseherstellung in der Abtei wird 1192 zum ersten Mal erwähnt. Als Zahlungsmittel der Abtei verbreitete er sich in der Region. Die heute verwendete Bezeichnung stammt jedoch erst aus dem 19. Jahrhundert.

Liste der Äbte von Bellelay[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Zeit der Gründung bis zur Aufhebung des Klosters sind die Namen von 42 Äbten überliefert.[4]

Name Amtszeit
Geroldus 1142–1180
Ludovicus 1187–1202
Adam 1195
Richardus 1202–1237
Henricus I. de Soulce 1237–1256
Jacobus I. 1256–1258
Conradus 1258–1270
unbekannt, möglicherweise verstorben 1276
Petrus I. de Varres 1289–1296
Burchardus de Boécourt 1298–1316
Lambertus 1316–1326
Petrus II. de Sancey 1326–1336
Henricus II. de Bassecourt 1337–1350
Petrus III. de Vannes 1350–1354
Name Amtszeit
Jacobus II. de Séprais 1365–1374
Johannes III. de Pontenet 1374–1398
Johannes IV. Donzelat 1398–1401
Henricus III. Nerr 1401–1418
Heinzmann (Henricus IV.) Girardin 1418–1426
Johannes V. de Chatelat 1426–1434
Petrus IV. Martini 1434–1438
Heinzmann (Henricus V.) 1438–1448
Johannes VI. Rier 1448–1456
Johannes VII. Gruel oder Grier 1456–1483
Johannes VIII. Barth 1483–1490
Johannes IX. Brullard 1490–1508
Nicolaus I. Schnell 1508–1530
Johannes X. Gogniat 1530–1553
Name Amtszeit
Servatius Fridez 1553–1561
Antonius Fottel 1561–1574
Johannes XI. Simon 1574–1579
Werner Spießbrecher (Brieselance) 1579–1612
David Juillerat 1612–1637
Johannes XII. Petrus Cuénat 1637–1666
Johannes XIII. Georgius Schwaller 1666–1691
Norbertus Périat 1691–1692
Fridericus de Staal 1692–1706
Johannes XIV. Georgius Voirol 1706–1719
Johannes XV. Sémon 1719–1743
Gregorius Joliat 1743–1771
Nicolaus II. Deluce 1771–1784
Ambrosius Monnin 1784–1807

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Catherine Schmutz Nicod: Die ehemalige Abtei Bellelay. (Schweizerische Kunstführer, Band 736, Serie 74). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2003, ISBN 3-85782-736-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Psychiatrische Dienste Biel – Seeland – Berner Jura.
  2. Informationen zur Bellelay, Hauptorgel auf der Website von Orgelbau Kuhn, abgerufen am 5. September 2015.
  3. Informationen zur Bellelay, Chororgel auf der Website von Orgelbau Kuhn, abgerufen am 5. September 2015.
  4. Liste nach L'ordre des Prémontrés – Les Abbés – L'époque glorieuse. (Memento vom 15. Februar 2008 im Internet Archive) (Archivversion)

Koordinaten: 47° 15′ 50″ N, 7° 10′ 7″ O; CH1903: 579565 / 234812