Kloster Engelberg

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Benediktinerabtei Engelberg
Kloster Engelberg
Kloster Engelberg

Ort
Staat Schweiz
Kanton Obwalden
Kirchenprovinz Exemtion
Kirchenregion Bistum Chur
Gemeinschaft
Gründung 1120
Abt Abt Christian Meyer OSB
Emeritierter Abt P. Berchtold Müller OSB
Mönche 21 (Stand: Dezember 2017)
Priester 13
Brüder 8
Kirche und Liturgie
Klosterkirche Kirche Unserer Lieben Frau von Engelberg
Patrozinium Maria Himmelfahrt (15. August)
Patrone Hl. Nikolaus, Hl. Leonhard, Hl. Theodor, Hl. Eugen
Ritus Römischer Ritus
-
Website www.kloster-engelberg.ch
Im Hof des Klosters Engelberg
Das Wappen des 59. Abtes der Benediktinerabtei Engelberg, Abt Christian Meyer OSB
Klosterkirche, Innenansicht
Klosterkirche, Altarraum
Hauptorgel in der Klosterkirche, grösste Orgel der Schweiz

Das Kloster Engelberg ist eine Benediktinerabtei in Engelberg im Kanton Obwalden in der Schweiz. Das Kloster wurde 1120 von Konrad von Sellenbüren gegründet und mit Mönchen aus dem Kloster Muri besiedelt. Die Gebäude entstanden nach dem verheerenden Klosterbrand von 1729 und gehören zu den grössten Barockanlagen der Zentralschweiz. In der Klosterkirche befindet sich die grösste Orgel der Schweiz.

In seinen insgesamt elf Betrieben, zu welchen auch seit 2017 ein Weinberg am Bielersee und die Stiftsschule Engelberg gehören, beschäftigt das Kloster Engelberg um 100 weltliche Angestellte und ist nach den Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis zweitgrösster Arbeitgeber in Engelberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das mittelalterliche Kloster wurde mehrfach von Bränden zerstört. Ausserdem suchten die Pest und politische Streitigkeiten im Hoch- und Spätmittelalter mehrfach das Engelbergertal heim.

Neben dem Männerkonvent entstand ein Frauenkonvent. Die geschichtlichen Quellen können jedoch nicht wiedergeben, ob die beiden Gemeinschaften gemeinsam oder nacheinander gegründet worden sind. Das sogenannte Doppelkloster existierte bis ins Jahr 1615. Am 18. Februar 1615 wurde der Frauenkonvent nach Sarnen umgesiedelt, wo das Benediktinerinnen-Kloster St. Andreas bis zum heutigen Tag besteht.

1690 entstand das Herrenhaus Grafenort im unteren Engelberger Tal als Erholungshaus für Abt und Mönche.[1] Es wird heute vom Kloster auch für Tagungen und Seminare genutzt. Das Kloster in seiner heutigen Form wurde 1730 bis 1745 erbaut.

Nach dem Einmarsch der Franzosen und der Errichtung der Helvetischen Republik wurde der Abt 1798 gezwungen, auf die Besitzrechte über das Tal zu verzichten. Das ehemalige Herrschaftsgebiet des Klosters schloss sich 1803 zunächst dem Kanton Nidwalden, dann 1815 dem Kanton Obwalden an.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte dann der Tourismus ein; im 20. Jahrhundert wurde dieser zum bestimmenden Wirtschaftsfaktor. Mit dieser Öffnung nach aussen wurde auch der soziale Einfluss des Klosters zurückgedrängt. 2017 zählte der Konvent 21 Mitglieder.

Betriebe des Klosters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt elf Klosterbetriebe und ihre vornehmlich weltlichen Angestellten arbeiten nicht nur für das Kloster. Neben der Administration gehören die Klosterschreinerei, eine Gärtnerei, das eigenes Wasserkraftwerk Tagenstal sowie die in Pacht betriebene Schaukäserei dazu. Seit 2005 werden die Klostergeschäfte von einem weltlichen Angestellten als Geschäftsführer der Verwaltung geleitet. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit den 15 landwirtschaftlichen Pachtbetrieben sowie die Immobilienbetreuung des Klosters. Die Aufgabe des Geschäftsführers führte zuvor der Grosskellner aus.

Bildungseinrichtungen des Klosters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regierungszeit von Abt Frowin entstand im 12. Jahrhundert eine Schreibschule und eine Bibliothek. Seit 1851 besteht die als eigenständiger Betrieb zum Kloster gehörende Stiftsschule Engelberg, welche seit 2009 erstmals von einem weltlichen Rektor geführt wird. Dieser leitet sowohl die Stiftsschule sowie das Internat im Auftrag des Abts. Die Stiftsschule Engelberg bietet eine zweisprachige Maturität nach IB-Standard.

Orgel des Klosters Engelberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel des Klosters Engelberg gilt als die grösste Orgel der Schweiz.

Verbundene Klöster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benediktinerinnenkloster St. Andreas: Ehemaliger Frauenkonvent des Klosters Engelberg (bis 1615). Der Abt von Engelberg ist zuständiger Ordinarius
  • Abtei Conception (Missouri): Tochtergründung 1873
  • Mount Angel Abbey (Oregon): Tochtergründung des 19. Jh.
  • Kloster Melchtal: Der Abt von Engelberg ist zuständiger Ordinarius
  • Kloster Maria-Rickenbach: Der Abt von Engelberg ist zuständiger Ordinarius
  • Kloster Marienburg, Wikon: Der Abt von Engelberg ist zuständiger Ordinarius
  • Prieuré de Mont Fébé, Yaoundé, Kamerun: Abhängiges Priorat. Der Abt von Engelberg ist zugleich Abt vom Mont Fébé

Äbte des Klosters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Mönche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Br. Konrad von Sellenbüren († 1126), Gründer und später Mönch des Klosters Engelberg
  • Abt Adelhelm († 1131), Heiliger und 1. Abt des Klosters
  • Abt Frowin († 1178), Heiliger und 2. Abt des Klosters
  • Mönch Richene († 12. Jh.), Künstler im Skriptorium unter Abt Frowin
  • Abt Berchtold I. († 1197), Heiliger und 3. Abt des Klosters
  • Abt Heinrich I. († 1223), 4. Abt des Klosters und Stifter des Heiligen Kreuzes von Engelberg
  • Abt Barnabas Bürki († 1546), 28. Abt des Klosters und Präsident der Badener Disputation
  • P. Wolfgang Iten (1712–1769), Komponist[2]
  • Abt Emanuel Crivelli († 1749), 46. Abt des Klosters und Erbauer der barocken Klosteranlage
  • P. Frowin Conrad (1833–1923), 1. Abt des Tochterklosters Conception (Missouri)
  • Br. Franz Xaver Ruckstuhl (1911–1979), Künstler
  • P. Karl Stadler (1921–2012), Künstler
  • P. Basil Studer (1925–2008), Theologe
  • P. Eugen Bollin (* 1939), Künstler
  • P. Roman Hofer (1942–2011), Kirchenmusiker und Komponist

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gallus Heer: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg. 1120–1970. Verlag Benediktinerkloster Engelberg, Engelberg 1975.
  • Helene Büchler-Mattmann, Gallus Heer: Kloster Engelberg. In: Helvetia Sacra, Abteilung III, Band 1, Bern 1986.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Engelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniel Schneller, Eduard Müller, Rolf De Kegel: Das Herrenhaus Grafenort. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 601). Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1996, ISBN 978-3-85782-601-6.
  2. Joseph Willimann: Iten, Wolfgang. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Koordinaten: 46° 49′ 14″ N, 8° 24′ 35″ O; CH1903: 674103 / 185947