Kloster Frauenchiemsee

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Blick auf das Kloster Frauenchiemsee
Karolingische Torhalle des Klosters
Glockenturm
Innenraum der Klosterkirche
Kloster Frauenkirchen nach einem Kupferstich von Michael Wening von (1721)

Das Kloster Frauenchiemsee (auch Frauenwörth genannt) ist ein Kloster der Benediktinerinnen auf der Insel Frauenchiemsee in Bayern in der Diözese München und Freising.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kloster wurde 782 durch Herzog Tassilo III. von Bayern gegründet. 788 wurde es karolingisches Reichskloster. König Ludwig der Deutsche, der seit 826 auch Bayern regierte, setzte um 857 seine Tochter Irmengard als Äbtissin ein. Das Kloster erlebte nach den Zerstörungen der Ungarneinfälle im 9. und 10. Jahrhundert (bis 955) eine Blütezeit. Der Neubau der Klostergebäude erfolgte zwischen 1728 und 1732.

Das Kloster wurde im Zuge der Säkularisation offiziell von 1803 bis 1835 aufgehoben, jedoch unter Fortbestand des alten Konvents. Da sich für die Klostergebäude kein Käufer fand, durften die Nonnen bleiben. 1836 wurde das Kloster durch König Ludwig I. von Bayern wiedererrichtet mit der Auflage, dass die Benediktinerinnen Schulen eröffneten. Seit 1837 widmeten sie sich der Mädchenerziehung unter anderem im Irmengard-Gymnasium mit Internat (bis 1982) und (ab 1983) in der Irmengard-Berufsfachschule (vormals Vorseminar für soziale Frauenberufe), die sie bis 1995 betrieben.

Liste der Vorsteherinnen[Bearbeiten]

Äbtissinnen:

  • 1. Irmgard, Tochter König Ludwigs des Deutschen, † 16. Juli 866
  • 2. Herburgis, ebenfalls aus karolingischem Geschlecht, † 931
  • 3. Leonora von Habsburg, † 962
  • 4. Diemundis von Limburg, † um 980
  • 5. Hedwig von der Leiter zu Perm, † um 1000
  • 6. Hinzula von der Albn, † um 1021
  • 7. Regina von der Leiter, † um 1034
  • 8. Hemma von Erlach, † um 1055
  • 9. Gerburga, Schwester Kaiser Heinrich II., † um 1070
  • 10. Mathildis von Sayn, † um 1141
  • 11. Walburga von Trautmannsdorf, † um 1170
  • 12. Anna von Liebnach, † um 1174
  • 13. Margaretha von Pernekh
  • 14. Agnes I. von Frauenburg, † um 1230
  • 15. Adelheid von Harßkirchen
  • 16. Petrissa von der Albn, † um 1242
  • 17. Agnes II., † um 1246
  • 18. Beatrix, † um 1246
  • 19. Sophia I., † um 1253
  • 20. Hadewich II., † um 1263
  • 21. Elisabeth von Töring
  • 22. Magdalena von Thor
  • 23. Euphemia von Truchlaching
  • 24. Herburgis, † 1307
  • 25. Katharina von Sunnenberg, † 1320
  • 26. Kunigunde von Schonstätt, † 3. November 1339
  • 27. Offemia von Zeisering, † 15. Februar 1356
  • 28. Sophia II. von Truchlaching, † 24. Januar 1386
  • 29. Elisabeth (Elsbeth) die Thorerin, † 19. Juni 1399
  • 30. Katharina Hamperstorferin, † 6. Januar 1418
  • 31. Elsbeth von Kallensperg, † 31. Januar 1426
  • 32. Dorothea von Laiming, † 29. September 1449
  • 33. Barbara von Aichberg, † 6. Juli 1467
  • 34. Magdalena Auer zu Winkel, † 7. Oktober 1494
  • 35. Ursula Pfäffinger, † 28. Oktober 1528
  • 36. Margaretha von Bodmann, † 26. März 1555
  • 37. Anna von Closen, † 5. September 1565

Administratorinnen:

  • Benigna Preiß (1565–1569)
  • Margareta Leitgeb, Äbtissin von Niederschönfeld (1569–1575)
  • 38. Marina Plinthamer, resigniert 1582
  • 39. Sabina Preyndorfer, † 22. Januar 1609
  • 40. Maria Magdalena Haidenbucher, † 29. August 1650
  • 41. Anna Maria Widmann, † 27. Mai 1660
  • 42. Scholastika von Perfall, † 8. Oktober 1682
  • 43. Maria Euphrosina Ettenauer, † 30. September 1686
  • 44. Maria Abundantia Theresia von Griming, † 2. Januar 1702
  • 45. Irmengard II. von Scharfstedt, † 5. Juni 1733
  • 46. Irmengard III. von Thann, † 21. April 1735
  • 47. Luitgard I. von Giensheim, † 4. April 1763
  • 48. Ida von Offenheim, † 10. September 1799
  • 49. Plazida Gartner, † 11. August 1801

Priorinnen: (Von 1801 bis zur Klosteraufhebung 1803 Priorat. Von der Wiederaufrichtung 1837-1901 ebenfalls Priorat)

  • 1. Benedikta Aschauer (1841–1865)
  • 2. Scholastika Oppacher (1865–1884)
  • 3. Josepha Sedlmayer (1884–1889)
  • 4. Lioba von Hörmann (1889–1899)
  • 5. Cäcilia Trischberger (1899–1901), wurde am 7. Juli 1901 zur Äbtissin geweiht
  • 51. Cäcilia Trischberger, † 17. August 1913
  • 52. Plazida von Eischendorff, † 7. August 1921
  • 53. Benedicta M. Fensel, † 2. August 1948
  • 54. M. Sephania Wolf, gewählt 5. August 1948, resigniert 29. Dezember 1979
  • 55. Domitilla Veith, gewählt 5. Januar 1980, 2003–2006, † 21. Januar 2014[1]
    • Vakanz: Priorin Benedikta Frick leitete den Konvent als Administratorin
  • 56. Äbtissin Johanna Mayer, seit 2006

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das heutige Kirchengebäude, das auch „Inseldom“ genannt wird, ist romanischen Ursprungs (11. Jahrhundert) und steht auf karolingischen Fundamenten. Die Gewölbe der Kirche stammen aus gotischer, die Altarausstattung aus barocker Zeit. Das Netzrippengewölbe des Innenraums wurde 1468 bis 1476 eingezogen. 1688 bis 1702 wurde die Kirche mit heute noch erhaltenen Altarretabeln ausgestattet. 1954 entdeckte man romanische Fresken an den Sanktuariumshochwänden. Der nordwestlich vor der Kirche frei stehende Glockenturm, ein Wahrzeichen des Chiemgaus, stammt im Ursprung wohl aus dem 12. Jahrhundert.

Die erhalten gebliebene karolingische Vorhalle war möglicherweise schon Bestandteil der alten Klosteranlage unter Irmingard. Im Chorraum der Torhalle wurden 1928 romanische Wandmalereien gefunden, die schon im 13. Jahrhundert übermalt worden sind. Fünf teilweise erhaltene Darstellungen von Erzengeln wurden freigelegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sigmund Benker, Peter von Bomhard: Klosterkirche Frauenchiemsee. (Kleine Kunstführer 1176). 9. Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4898-0.
  • Walter Brugger, Manfred Weitlauf (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782–2003. Geschichte, Kunst, Wirtschaft und Kultur einer altbayerischen Benediktinerinnenabtei. Weißenhorn 2003.
  • Hanna Fahle OSB: Die Benediktinerinnenabtei Frauenwörth im Chiemsee – Ursprung und Wandel. In: Alt und Jung Metten. Jg. 72, Heft 1, 2005/2006, S. 26–48.
  • Ludwig Holzfurtner: Die Äbtissinnen des Klosters Frauenchiemsee von der Gründung bis zum Jahre 1529. In: Walter Brugger (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782–2003. Konrad, Weißenhorn 2003, ISBN 3-87437-460-2, S. 687–690.
  • Karin Nußbaum: Die Äbtissinnen und Klostervorsteherinnen von Frauenchiemsee in der Neuzeit. In: Walter Brugger (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782–2003. Konrad, Weißenhorn 2003, ISBN 3-87437-460-2, S. 691–699.
  • Hanna Fahle OSB: Geschichte der Abtei Frauenwörth ab 782. Fink, Lindenberg 2009, ISBN 978-3-89870-517-2.
  • Ludwig Holzfurtner: Die Äbtissinnen des Klosters Frauenchiemsee von der Gründung bis zum Jahre 1529. In: Kloster Frauenchiemsee 782–2003 und Geschichte der Abtei Frauenwörth 789–1982.
  • Karin Nußbaum: Die Äbtissinnen und Klostervorsteherinnen von Frauenchiemsee in der Neuzeit. In: Kloster Frauenchiemsee 782–2003 und Geschichte der Abtei Frauenwörth 789–1982.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Frauenchiemsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Altäbtissin Domitilla Veith gestorben“, Orden-online.de, 25. Januar 2014

47.87166666666712.425Koordinaten: 47° 52′ 18″ N, 12° 25′ 30″ O