Kloster Kalvarienberg

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Kalvarienberg, Ansicht von Westen (2013)
Gesamtansicht der Klosteranlage mit Gymnasium und Realschule (2020)

Das Kloster Kalvarienberg war ein von den Ursulinen geführtes Kloster in Bad Neuenahr-Ahrweiler auf dem Kalvarienberg, zu dem ein Kreuzweg mit 14 Stationen hochführt. Der 1838 gegründete Konvent wurde am 5. Juli 2017 aus Altersgründen, Nachwuchsmangel und wegen seiner schlechten wirtschaftlichen Lage geschlossen.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Norden auf das Kloster
Desisgruppe in der Apsis
Kreuzigungsgruppe in der Kirche
Bild der seeligen Blandine Merten mit Edelsteinreliquiar
Blandine Merten mit Reliquie

Nach seiner Rückkehr von einer Pilgerfahrt 1440 fiel einem Ritter eine angebliche landschaftliche Ähnlichkeit von Ahrweiler mit Jerusalem auf. In der Ahr sah der Pilger den Bach Cedron, und der südlich gelegene Hügel schien dem Kalvarienberg in der Heiligen Stadt zu ähneln. Auch Entfernungen – so der Pilger – stimmten überein. Die Wegesstrecke von der Ortsmitte von Ahrweiler zur Bergkuppe sei ebenso lang wie die Wegesstrecke vom Prätorium des Pilatus in Jerusalem zum Berg Golgota. Diese „Entdeckungen“ wurden publiziert, so dass man den Hügel von da an Kalvarienberg nannte. Rat und Volk von Ahrweiler fühlten sich bald verpflichtet, das Hochgericht von besagtem Hügel weg zu verlegen und den Hügel dem gekreuzigten Heiland und seiner Mutter zu weihen. Im gleichen Jahr wurde die erste Kapelle auf den Weg gebracht, ein kleines Fachwerk-Gotteshaus, das im Jahre 1505 geweiht wurde und in dem sich bereits eine Kreuzigungsgruppe befand, die dann später in die zweite Kapelle und schließlich in die jetzige Klosterkirche übernommen wurde.[3]

Das Kloster wurde im Jahre 1630 von den Franziskanern errichtet. Am 31. Januar 1664 wurde der Grundstein für die heute noch bestehende Kirche gelegt. Am 21. April 1671 wurde die alte Kapelle abgerissen, am 23. Mai das Kreuz auf dem Turm errichtet. Im 17./18. Jahrhundert war das Kloster Kalvarienberg Ziel zahlreicher Prozessionen. Die Anzahl der Prozessionen belief sich von 1714 bis 1718 auf 105. Auf dem Kalvarienberg wurden religiöse Schauspiele (Mysterienspiele) aufgeführt. Im gleichen Zeitraum wurden 150.000 Beichten gehört und 150.000 Mal die Kommunion gereicht.[4]

1803 mussten die Franziskaner im Zuge der Säkularisation den Kalvarienberg verlassen, der französisches Nationaleigentum wurde. Am 30. Januar 1806 erwarb Vikar Jakob Giesen von Ahrweiler den Kalvarienberg, der nach seinem Tode zuerst an seine Erben, dann an die sogenannte Berggesellschaft überging. Verschiedene Versuche, die Klosterräume für Unterrichtszwecke zu nutzen, scheiterten. Der Ursulinenkonvent in Monschau, der wegen der ungesunden Lage des Klosters einen anderen Ort der Niederlassung suchte, erfuhr von dem leerstehenden Franziskanerkloster in Ahrweiler. Nach langwierigen Verhandlungen und vielen Schwierigkeiten konnte der Konvent am 28. August 1838 unter der Leitung von Mutter Teresia Schäfer nach Ahrweiler übersiedeln. Die Ursulinen gründeten zunächst eine Elementar- und höhere Schule mit Pensionat für Mädchen. 1897 mussten die alten Gebäude einem Neubau weichen, der nach Plänen des Aachener Architekten Hermann Josef Hürth erbaut wurde. Vom Kalvarienberg aus wurden neue Filialen gegründet, u. a. 1848 Aachen, 1853 Trier, 1895 Saarbrücken, 1896 Krefeld, 1902 Koblenz. Diese Klöster blieben mit dem Mutterhaus Kalvarienberg als Kongregation verbunden.

Im September 2016 wurde bekanntgegeben, dass das Kloster aus Altersgründen, Nachwuchsmangel und wegen seiner schlechten wirtschaftlichen Lage geschlossen wird.[5] Dies wurde im Sommer 2017 vollzogen. Die große Klosterkirche wurde profaniert, jedoch blieb der Schwesternchor mit der wertvollen Kreuzigungsgruppe erhalten und ist weiter für Gottesdienste und zum Gebet zugänglich, ebenso das Reliquiar der seligen Sr. Blandine. Einige Schwestern blieben in einer kleineren Wohnung in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.[6]

Der Kalvarienberg wurde 1996 in den Atlas der europäischen Heiligen Berge (Sacri Monti), Kreuzwege und Andachtsstätten aufgenommen.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel der Klosterkirche wurde 1871 von dem Orgelbauer Stahlhut in einem neugotischen Gehäuse erbaut. Im Jahr 1991 erfolgte eine Restaurierung durch Weimbs Orgelbau. Das romantisch disponierte Instrument verfügt über 16 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[7]

I Manual C–
1. Prinzipal 8′
2. Bordon 16′
3. Viola da Gamba 8′
4. Oktave 4′
5. Quintflöte 223
6. Superoktave 2′
7. Mixtur III
8. Trompete 8′
II Manual C–
9. Lieblich Gedackt 8′
10. Flûte harmonique 8′
11. Dulcian 8′
12. Fernflöte 8′
13. Salicional 4′
Pedal C–
14. Subbaß 16′
15. Oktavbaß 8′
16. Posaune 16′

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Kalvarienberg in Ahrweiler führte das Kloster ein Gymnasium und eine Realschule für Mädchen, sowie ein Internat. Seit 1997 werden auch Jungen am Gymnasium angenommen. In den Klosterräumen befinden sich das Blandinen-Archiv und das Geistliche Zentrum Calvarienberg. Die Schulen wurden in Stiftungen überführt und werden auch nach der Schließung des Klosters 2017 weitergeführt.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Schneider: Die Geschichte der Klosterkirche Kalvarienberg. In: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler. 1979, S. 33.
  • Christian von Stramburg, Anton Joseph Weidenbach: Denkwürdiger und nützlicher rheinischer Antiquarius. Abt. 3, Band 10, Koblenz 1864, S. 14–110 Volltext
  • Hans-Georg Klein: Die Chronik des Franziskanerklosters Calvarienberg bei Ahrweiler: 1440–1747. ARE-Verlag, Bad Neuenahr-Ahrweiler 1994.
  • M. Bathilde: Die Ursulinen von Calvarienberg-Ahrweiler 1710-1930. Ein Beitrag zur Geschichte des Ursulinenordens. Paulinus, Trier 1938 (Festschrift zum 100 jährigen Jubiläum des Ursulinenklosters Calvarienberg 1838-1938)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chronicon memorabilium et notabilium conventus montis Calvairae prope Arwiler. Fratrum minorum s. Francisci Recollectorum. (Chronik des Calvarienbergs bei Ahrweiler). In: Gottfried Eckertz (Hrsg.): Fontes adhuc inediti rerum Rhenanarum. Niederrheinische Chroniken. Köln 1864 (Latein, Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 10. Dezember 2010]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kloster Kalvarienberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schließung von Kloster und Kirche auf dem Ahrweiler Calvarienberg, General-Anzeiger (Bonn), abgerufen am 15. Oktober 2015.(archivierte Version)
  2. a b Kloster Calvarienberg Ahrweiler Geschichtlicher Überblick auf ursulinenkongregation.de (abgerufen am 27. Dezember 2018).
  3. Rheinischer Antiquarius. Abt. III, 10. Bd., S. 14 ff.
  4. Bemerkungen zu der Chronik des Kalvarienbergs. In: Gottfried Eckertz (Hrsg.): Fontes adhuc inediti rerum Rhenanarum. Niederrheinische Chroniken. Köln 1864 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 10. Dezember 2010]).
  5. Schließung von Kloster und Kirche auf dem Ahrweiler Calvarienberg, General-Anzeiger (Bonn), abgerufen am 27. Dezember 2015.
  6. ursulinenkongregation.de: Brief unserer Generaloberin zur aktuellen Situation des Klosters Calvarienberg 14. September 2016.
  7. Nähere Informationen zur Orgel

Koordinaten: 50° 32′ 6,7″ N, 7° 5′ 31,6″ O