Knüpfel



Der Knüpfel (auch Klipfel, Klüpfel[1], Klöpfel[2] oder Schlägel) ist ein hammerähnliches Werkzeug aus Holz für Holz- und Steinbildhauer, Steinmetzen oder Natursteinmechaniker, Tischler, Zimmerer, Küfer und andere holzbearbeitende Berufe sowie Hufbeschlagschmiede.
Funktionsweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Knüpfel unterscheiden sich von Hämmern im engeren Sinne darin, dass der gesamte Umfang des runden Kopfs als Schlagfläche genutzt werden kann. Der Knüpfel braucht darum beim Schlag nicht ausgerichtet werden. Die Schlagfläche der meisten Knüpfel ist nicht zylindrisch, sondern leicht kegelig. Da der Knüpfel beim Schlagen um Hand-, Ellenbogen- und Schultergelenk rotiert, trifft die Schlagfläche somit relativ plan auf den Meisselkopf.
Der Knüpfel ähnelt dem Klopfholz und hat das gleiche Einsatzgebiet. Im Unterschied zum Knüpfel hat das Klopfholz keinen runden, sondern einen quaderförmigen Kopf. Ebenso wie beim Knüpfel ist die Schlagfläche (Bahn) nicht parallel zum Stiel angeordnet, sondern ungefähr in einer Achse mit Handgelenk oder Ellenbogen.
Materialien und Abmessungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der klassische Knüpfel hat einen gedrechselten Holzkörper aus Weißbuche, im Durchmesser 10–24 cm groß. Der Kopf kann aus anderen Holzarten, wie Bubinga oder Lorbeerholz gefertigt werden, sowie auch aus Metallen wie Messing, Bronze und Eisen oder schlagfestem Kunststoff (Hartgummi, häufig Polyurethan).
Knüpfel aus Metall werden auch als Portugiesen bezeichnet. In seltenen Fällen wurden Kopf und Griff mit Leder umkleidet.[3]
Der Stiel ist kurz, da die Hand ihn in der Regel unmittelbar am Schlagkopf umgreift. Der Stieldurchmesser liegt oft bei rund 3 cm. Zum ergonomischen Angreifen sollte der Stiel mittig gebaucht sein und sich am freien Ende aufweiten. Ein langlebiger Stiel wird typisch aus dem Holz von Eiche, Esche oder Akazie gefertigt.
Um das Aufreissen des Holzkopfes zu vermeiden, sollte er vor längerer Feuchteeinwirkung geschützt werden. Oft ist der Kopf aus mehreren Lagen verleimt. Ein ungleichmäßig abgenutzter Holzkopf kann abgedreht werden. Knüpfel mit kleinem Kopf werden auch als Gesimsknüpfel[4] für feinere Arbeiten verwendet.
Typische Varianten des klassischen Knüpfels:
- Ø 115 mm 0,95 kg = Holzknüpfel Ø 120 mm
- Ø 115 mm 1,05 kg = Holzknüpfel Ø 130 mm
- Ø 130 mm 1,20 kg = Holzknüpfel Ø 140 mm
- Ø 130 mm 1,35 kg = Holzknüpfel Ø 150 mm
- Ø 130 mm 1,50 kg = Holzknüpfel Ø 160 mm
- Ø 140 mm 1,50 kg = Holzknüpfel Ø 160 mm
- Ø 140 mm 1,70 kg = Holzknüpfel Ø 170 mm
- Ø 140 mm 1,90 kg = Holzknüpfel Ø 180 mm
Knüpfel-Typen der einzelnen Berufe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Man unterscheidet zylindrische, kegelförmige und glockenförmige Kopfformen, wobei die gebräuchlichste Form die eines abgerundeten Kegels ist.
- Der Knüpfel wird von Steinmetzen und Steinbildhauern an Stelle des Handfäustels zum Antreiben der Meißel mit Knüpfelkopf in der Bearbeitung von Weichgestein eingesetzt.[5] Das hölzerne Werkzeug verhindert, dass die Steinoberfläche geprellt wird. Bei diesem Einsatz des Knüpfels werden die Werksteine oder Skulpturen aus Naturstein geformt oder der Knüpfel wird zur Oberflächengestaltung des Weichgesteins (wie beim Scharrieren) verwendet. Es gibt den Knüpfelkopf für die Steinbearbeitung auch aus Kunststoff. Kunststoffknüpfel haben sich durch den geringeren Verschleiß bewährt. Dabei werden teils Farbcodierungen zur Kennzeichnung der Härte verwendet – etwa blau für einen weicheren Hieb, wobei die Farbgebung herstellerabhängig variiert und kein einheitlicher Standard existiert; je nach Anbieter finden auch graue, schwarze oder rotbraune Einsätze für härtere Schläge Verwendung. Des Weiteren werden metallene Knüpfel von südländischen Steinmetzen (Frankreich, Portugal) eingesetzt und finden mittlerweile auch in Deutschland Verwendung. Knüpfel werden beim Antreiben des Steinwerkzeugs ständig von Hieb zu Hieb in der Hand gedreht. Damit wird eine einseitige Belastung des Handgelenks und einseitige Abnutzung des Knüpfelholzes vermieden.

- Knüpfel werden von Tischlern anstelle des Klopfholzes verwendet. Beim Treiben von Stemmeisen (Beiteln), Holzbildhauer setzen Knüpfel als „begleitendes Werkzeug“ beim Formen von Skulpturen ein, indem sie die Schnitzeisen (Beiteln) damit treiben. Zimmerer verwenden hierzu größere Zimmermannsknüpfel. Die runde Form schützt hier beim Abrutschen vor Verletzungen der Hand.
- Hufschmiede verwenden den Knüpfel zusammen mit der Nietklinge zum Öffnen der Nagelniete bei einem Hufbeschlag. Die runde Form schützt das empfindliche hornbildende Saumband und die oberhalb des Hufes liegenden Knochen vor Verletzungen, wenn der Schlag wegen unvorhersehbarer Bewegung des Pferdes die Nietklinge verfehlt.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ ›klüpfel‹ in: Deutsches Wörterbuch (¹DWB). Abgerufen am 1. Juni 2026.
- ↑ Klöpfel. In: dwds.de. 7. April 2026, abgerufen am 1. Juni 2026.
- ↑ Gerrit Arndt: Ein besonderer Knüpfel - Fundstücke des Steinmetzhandwerks (pdf-Datei), 21. Mai 2026. In: natursteinonline.de
- ↑ Gesimsknüpfel Uni-Münster, Seite 43, abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ Irene Berti, Wilfried E. Keil, Peter A. Miglus: Meißeln. In: Materiale Textkulturen. Konzepte – Materialien – Praktiken. De Gruyter, Berlin/Boston 2015, ISBN 978-3-11-037129-1, S. 503 ff., doi:10.1515/9783110371291.503.