Koordinationsstörungen

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Unter dem Begriff Koordinationsstörungen fasst man alle möglichen körperlichen Störungen zusammen, die sich auf das richtige Koordinieren von Bewegungsabläufen beziehen.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Fälschliches Lernen"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die essenziellen Koordinationsvorgänge werden in der Kindheit erlernt, z. B. wenn der Mensch gehen lernt oder lernt, wie er seine Hände einsetzen kann. Dagegen werden nichtessenzielle Koordinationsvorgänge oft durch Gewohnheit oder Training erlernt. Wenn in der Kindheit die nichtessenziellen vermehrt trainiert werden, beispielsweise durch ausgiebiges Computerspielen, und die essenziellen Bewegungsabläufe nur unzureichend oder gar nicht ausgeführt werden, kann natürlich im späteren Leben nicht auf die nun unbekannten wichtigen Bewegungen zurückgegriffen werden. Dies bedeutet, dass der Betroffene diese Bewegungsabläufe nicht ausführen kann.

Schädigungen des Nervensystems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere mögliche Ursache stellen neurologische Schäden dar. Diese betreffen das Gehirn und das Nervensystem:

  • Das Großhirn besteht aus einer linken und einer rechten Hälfte, wobei zu beachten ist, dass die linke Hirnhälfte die rechte Körperhälfte steuert und umgekehrt. Die beiden Hirnhälften kommunizieren über Querverbindungen miteinander. Schon für die einfachsten Tätigkeiten werden beide Körperhälften einzeln wie auch gleichzeitig benutzt. Bei einseitiger Bewegung hemmt nun die zuständige Hirnhälfte die andere, um Mitbewegungen zu vermeiden. Im Kindesalter bestehen aber die besagten Verknüpfungen noch nicht ausreichend und müssen noch gebildet und gefestigt werden. Geschieht dies nicht, beispielsweise durch Unterernährung, kann das Gehirn die Körperhälften nicht zuordnen.
  • Eine Schädigung des Kleinhirns, in dem alle automatisierten Bewegungen (für die kein Nachdenken mehr nötig ist) gespeichert werden, bewirkt, dass einfache Tätigkeiten wie z. B. Essen oder sogar die aufrechte Haltung nicht mehr ausführbar sind.
  • Weitere Schäden können auch im restlichen Nervensystem vorhanden sein, etwa durch einen Unfall, die dazu führen, dass bestimmte Bewegungsbefehle gewissermaßen "verloren gehen" und nicht beim ausführenden Muskel ankommen.

Toxikologische Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Unterbrechung der Nervenbahnen kann auch durch bestimmte Medikamente und Drogen bewirkt werden. Die Inhaltsstoffe blockieren hierbei insbesondere die Schaltstellen zwischen den Nerven, die sogenannten Neurotransmitter, sodass das Signal nicht bzw. nur teilweise weitergeleitet wird. Ein Beispiel ist der "Tatterich" bei Kaffeetrinkern oder Rauchern.

Vererbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manche Koordinationsstörungen können auch vererbt werden.

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den "angelernten" Koordinationsstörungen können durch die fehlende Übung ruckartige Bewegungen auftreten, auch Krämpfe und Verspannungen sind möglich.

Tremor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tremor ist eine häufige Bewegungsstörung, die sich in unwillkürlichem rhythmischen Zittern äußert. Es gibt verschiedene Formen von Tremor, die unter Zuhilfenahme folgender Kriterien klassifiziert werden:

  • Aktivierungsbedingungen (Ruhe, Aktion, Halten, Zielbewegung, ungerichtete Bewegung)
  • Frequenz (niederfrequent: 2–6 Hz; hochfrequent: > 6 Hz)
  • Dauer der Erkrankung
  • Erblichkeit

Heilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die "erlernten" Koordinationsstörungen können meist schon durch Krankengymnastik geheilt werden. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung kann sich allgemein förderlich für den Heilungsprozess auswirken. Bei Suchtmittelabhängigen sollte Enthaltsamkeit bzw. Abstinenz erfolgen, wenn ein Erfolg bei der Heilung erzielt werden will. Betroffene Menschen sollten psychisch nicht zu sehr belastet werden (insbesondere Mobbing und Ausgrenzung sollten strikt vermieden werden), da dadurch die Krankheit gefördert wird.