Kraftfahrzeugdiebstahl

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Schlosskernzieher – zum illegalen öffnen von Autotüren

Kraftfahrzeugdiebstahl ist ein Diebstahl, bei dem ein Kraftfahrzeug durch Wegnahme gestohlen wird.

Besondere Begehungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wird vor dem Diebstahl in eine Wohnung oder Haus oder in ein Geschäft eingebrochen um den Kfz-Schlüssel zu entwenden und so das Fahrzeug wegfahren zu können, spricht man von Home- bzw. Showroomjacking.

Motive für den Kfz-Diebstahl[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkauf des Fahrzeugs als Gebraucht- oder Neuwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meist werden die Fahrzeuge nach dem Diebstahl ins Ausland verbracht und dort an Hehler oder an gutgläubige Kunden verkauft. Hier handelt es sich meist um neue Modellreihen. Oft werden die Fahrzeuge vor dem Verkauft umfrisiert, dabei erhalten Sie zum Teil die Identität eines in einem anderen Land zugelassenen Kfz oder die eines verunfallten Fahrzeugs.

Verwerten der Teile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Diebstahl werden die Fahrzeuge zerlegt, die Teile gehen in den Ersatzteilmarkt. Der Vertrieb erfolgt dabei auch über Onlineauktionshäuser wie Allegro[2].

Verwendung als Tatmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Diebstahl des Fahrzeugs erfolgt nur, um dieses vorübergehend für eine Straftat zu nutzen. Dies geschieht häufiger bei Einbrüchen bei denen das Kfz nur entwendet wird um das Diebesgut abtransportieren zu können. Ein Phänomen ist hier ebenfalls der Diebstahl, um ein Fahrzeug zur Verfügung zu haben, bei dem kein Rückschluss auf den Besitzer möglich ist, beispielsweise das Fluchtauto bei einem Bankraub. Dies kommt auch bei sogenannten Blitzeinbrüchen in Betracht, bei denen der Pkw oder Lkw teilweise benutzt wird um in ein Schaufenster zu fahren oder sonst die Sicherung der Waren zu zerstören oder zu entfernen.

Betrug der Versicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zerstörung des Fahrzeugs um an die Diebstahlversicherung zu kommen. Dazu werden auch immer wieder Kraftfahrzeuge in Gewässern versenkt, in Brand gesetzt oder in eine Schrottpresse gegeben.

Gebrauchsdiebstahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrzeuge wurden in der Vergangenheit häufig entwendet um von A nach B zu kommen. Nach dem Gebrauch wurden diese dann einfach stehen gelassen. Nach Einführung der Wegfahrsperre ging diese Erscheinungsform des Diebstahls immer mehr zurück und spielt heute keine Rolle mehr.

Strafrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschen Strafrecht ist der Kraftfahrzeugdiebstahl kein eigener Tatbestand einer Straftat, sondern fällt allgemein unter den Diebstahl gemäß §§ 242 ff. StGB.

Abgrenzung zu anderen Delikten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kennzeichnend für einen Diebstahl ist die Wegnahme, d. h. der Bruch fremden Gewahrsams. Dies geschieht entweder durch mechanische (z. B. Lenkradsperre) oder elektronische (z. B. Wegfahrsperre) Überwindung der Sicherungseinrichtungen eines Kraftfahrzeugs durch den Täter.

Abgrenzungsfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Carjacking liegt demgegenüber eine Räuberische Erpressung oder ein Raub vor, da die Weggabe des Kraftfahrzeuges durch Gewalt oder Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben erzwungen, oder die Wegnahme mit Gewalt durchgeführt wird.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland werden die Kraftfahrzeugdiebstähle gesondert in der polizeilichen Kriminalstatistik ausgewiesen, als auch häufig in der Presse[3], von Automobilclubs[4] oder von Versicherern[5] thematisiert.

Im Jahr 2014 wurden insgesamt 30.458 kaskoversicherte Kraftfahrzeuge gestohlen, davon 17.895 Autos. Im Vergleich zu 2013 bedeutet das einen Rückgang der Diebstähle von 2,3 Prozent.[6] Die Automarken mit den höchsten Diebstahlraten sind 2014 Land Rover, Audi und BMW gewesen. Im Vergleich zu 2013 hat sich das Bild bei den gestohlenen Automarken nicht verändert.

Im Vergleich der Bundesländer registrierten die Kfz-Versicherer deutlich rückläufige Diebstahlszahlen in Mecklenburg-Vorpommern (-34,7 %), Brandenburg (-23,1 %) und Bayern (-14,3 %). Mehr Pkw gestohlen wurden hingegen im Saarland (+16,7 %) und in Hessen (+6,8 %).[7]

Die mit weitem Abstand höchste Diebstahlrate ergab sich wie im vergangenen Jahr für Berlin. Im Laufe des Jahres 2014 wurden allein hier mehr als 3.100 Pkw gestohlen, was einer Diebstahlrate von 3,5 pro 1.000 kaskoversicherten Pkw entspricht. Über die geringste Diebstahlrate (0,1 pro 1.000 kaskoversicherter Pkw) konnten sich Autofahrer in Bayern freuen, wo 2014 nur rund 800 Autos geklaut wurden. Im Bundesdurchschnitt lag die Diebstahlrate bei 0,5.[8]

Die 10 meistentwendeten Fahrzeugtypen im Jahr 2014[9][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marke Typ Diebstahlsrate je 1.000 kaskoversicherter Fahrzeuge
  • Range Rover 3.0 TD (LG)
  • X6 Xdrive 40D
  • Lexus RX350
  • Land Cruiser 3.0D
  • S5 4.2 FSI
  • X5/X6 3.0 SD (X70)
  • RS5 4,2
  • S4 Avant 3.0
  • T4 Caravelle 2,5 TDI
  • 535D
  • 57,4
  • 27,0
  • 17,2
  • 13,9
  • 11,3
  • 11,3
  • 10,0
  • 9,6
  • 9,1
  • 8,9

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Internationale Kfz-Verschiebung Punkt 2
  2. [2] Märkische Onlinezeitung - Beweise auf dem Silbertablett
  3. Autobesitzer muss Kfz-Diebstahl mitunter beweisen, Focus vom 26. Januar 2010.
  4. Satellitenortung gegen den Autodiebstahl, ADAC.
  5. Überblick des GDV: Autodiebstahl 2014.
  6. Autodiebstahl-Statistik der Versicherer.
  7. GDV: Autodiebstahl 2014 nach Bundesländern. Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  8. GDV: Diebstahlstatistik 2014 - Autoklau im 30-Minuten-Takt. Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  9. GDV: Autodiebstahl 2014 – Alle Zahlen auf einen Blick. Abgerufen am 15. Oktober 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • [3] Videos – Überwindung der elektronischen Wegfahrsperre in englischer Sprache
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