Kraftwerk Ouarzazate

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

f2

Kraftwerk Ouarzazate
Satellitenbild der Anlage
Satellitenbild der Anlage
Lage
Kraftwerk Ouarzazate (Marokko)
Kraftwerk Ouarzazate
Koordinaten 31° 1′ 10,1″ N, 6° 51′ 53,4″ WKoordinaten: 31° 1′ 10,1″ N, 6° 51′ 53,4″ W
Land MarokkoMarokko Marokko
Daten
Typ Sonnenwärmekraftwerk
Leistung 580 MW
Eigentümer ACWA Power Ouarzazate
Betriebsaufnahme Februar 2016

Das Kraftwerk Ouarzazate (bzw. Kraftwerk Noor) ist ein Sonnenwärmekraftwerk in Marokko, das ungefähr 10 Kilometer nordöstlich der Stadt Ouarzazate, Provinz Ouarzazate gelegen ist. Der Stausee El Mansour Eddahbi befindet sich ca. 10 Kilometer südöstlich des Kraftwerks.

Das Kraftwerk ist im Besitz von ACWA Power Ouarzazate, einem Konsortium bestehend aus ACWA Power, Masen Capital, Aries Ingeniería y Sistemas und TSK Electrónica y Electricidad.[1] Es ist das erste von 5 geplanten Solarkraftwerken in Marokko, die bis 2020 mit einer Gesamtleistung von 2.000 MW errichtet werden sollen.[2]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standort in der Nähe von Ouarzazate wurde u.a. deshalb gewählt, weil die jährliche Sonneneinstrahlung bei 2.635 kWh/m² (bzw. 2.500 kWh/m²)[3][4] liegt, einem der höchsten Werte weltweit.[2] Die Sonne scheint hier, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, 365 Tage pro Jahr.[4] Mit dem Bau der Anlage wurde am 3. Mai 2013 begonnen.[5]

Um das Kraftwerk auch zur Spitzenlastzeit betreiben zu können, die in Marokko zwischen 18:00 und 19:00 Uhr liegt, werden alle Anlagen mit thermischen Speichern ausgestattet. Die Speicher arbeiten mit einer eutektischen Salzmischung, bestehend aus 60 % Natriumnitrat und 40 % Kaliumnitrat. Der gesamte Komplex wird zwischen 84.000 und 140.000 t dieser Salzmischung benötigen.[2]

Für die gesamte Anlage werden ca. 19 t Diesel pro Tag benötigt, um erstens die Salzmischung über der Erstarrungstemperatur von 110 °C und zweitens die Temperatur des als Wärmeträger genutzten synthetischen Öls über 8 °C zu halten.[2]

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk soll im Endausbau eine installierte Leistung von 500,[2][6] 560,[3][4] 570[7] bzw. 580[8] MW haben. Es besteht gegenwärtig aus der Anlage 1, die am 4. Februar 2016 in Betrieb ging. Eröffnet wurde das Kraftwerk von Marokkos Staatsoberhaupt, König Mohammed VI.[9] Zwei weitere Anlagen sind im Bau, eine vierte ist geplant. Die Anlagen tragen den Namen Noor mit nachfolgender Nummerierung. Noor steht in der arabischen und persischen Sprache sowie Urdu für das Wort Licht. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick:

Anlage Max. Leistung (MW) Typ Betriebsbeginn
Noor 1 160 Parabolrinnenkraftwerk Februar 2016
Noor 2 200 Parabolrinnenkraftwerk in Bau
Noor 3 160 Solarturmkraftwerk in Bau
Noor 4 50 Solarpark (Photovoltaik) geplant

Anlage Noor 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlage 1 ist ein Parabolrinnenkraftwerk, das auf einer Fläche von 450 ha errichtet wurde. Die Parabolrinnen erwärmen einen zirkulierenden Wärmeträger dabei von 297 °C auf 393 °C. Die Anlage hat einen thermischen Speicher, der die volle Leistung für drei Stunden bereitstellen kann.[10]

Die Parabolrinnen, die von der deutschen Firma Flabeg geliefert wurden, haben eine Höhe von 7 m und eine Breite von 3 m. Insgesamt 537.000 Parabolspiegel sind in 400 Reihen à 300 m Länge angeordnet. Sie werden permanent dem Stand der Sonne nachgeführt.[4]

Anlage Noor 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlage 2 soll ebenfalls mit Parabolrinnen errichtet werden. Es wurde eine Fläche von 750 ha bereitgestellt. Die Leistung wird bei 200[2][11] (bzw. 150 bis 200)[6] MW liegen. Die Anlage wird mit einem thermischen Speicher von 2.800 MWh ausgestattet, der 5 (bzw. 3)[6] Stunden Betrieb bei voller Leistung ermöglichen soll.[2] Sie soll 2017 in Betrieb gehen.[11]

Anlage Noor 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlage 3 ist ein Solarturmkraftwerk mit einem 240[4] m hohen Solarturm und Heliostaten. Die erzeugte Temperatur wird bei 700 °C liegen.[4] Es wurde eine Fläche von 680 ha bereitgestellt. Die Leistung wird bei 150[2][11] (bzw. 100 bis 150)[6] MW liegen. Die Anlage wird mit einem thermischen Speicher von 2.730 MWh ausgestattet, der sieben Stunden Betrieb bei voller Leistung ermöglichen soll.[2] Die Anlage soll 2017 in Betrieb gehen.[11]

Anlage Noor 4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlage 4 soll aus Photovoltaik-Modulen bestehen. Es sollen Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 50 bis 70 MW aufgestellt werden.[12]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weltbank schätzt die Gesamtkosten auf 2,677 Mrd. USD (Stand 2015). Sie vergab einen Kredit in Höhe von 400 Mio. USD an die Moroccan Agency For Solar Energy (MASEN).[13] Die Kosten für die Anlage 1 werden mit 1 Mrd. USD[1] (bzw. 633[3] Mio. oder 1,042[14] Mrd. €) angegeben. Die Kosten für die Anlagen 2 und 3 werden auf 1,8 Mrd. € geschätzt.[3] Die FAZ spricht von Gesamtkosten in Höhe von 1,8 Mrd. €.[8] Der VDI beziffert die Investitionskosten für die Anlagen 1 bis 3 mit 2,4 Mrd. €.[4]

Laut FAZ erhalten die Betreiber pro kWh 0,12 €.[8] Andere Quellen geben 0,189 USD pro kWh für 25 Jahre an.[14] Laut VDI wird der Strompreis vom Staat subventioniert, da die Erzeugungskosten mit 0,12 € pro kWh höher sind als bei konventionellen Kraftwerken.[4]

Deutschland bringt davon etwa 38 Prozent (834 Millionen Euro) in Form zinsvergünstigter Kredite auf.[3][8] Für die Anlage 1 hatten das BMZ und das BMUB 115 Mio. € bereitgestellt. Die KfW hat im Auftrag von BMUB und BMZ für die Anlagen 2 und 3 weitere Kredite in Höhe von insgesamt 654 Mio. € gewährt.[7] Projektpartner der KfW ist dabei MASEN.[3]

Daneben beteiligen sich die Europäische Kommission, die Europäische Investitionsbank, die Französische Entwicklungsbank (Agence Française de Développement), der Clean Technology Fund, die Afrikanische Entwicklungsbank, die Moroccan Agency for Solar Energy und ein per Ausschreibung gefundener privater Investor.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kraftwerk Ouarzazate – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ACWA Power Ouarzazate. ACWA Power, abgerufen am 25. August 2015 (englisch).
  2. a b c d e f g h i P-MA-FF0-002 - Ouarzazate Solar Power Station Project II. Afrikanische Entwicklungsbank, abgerufen am 24. August 2015 (PDF 671 kB, S. 2–5, englisch).
  3. a b c d e f g Solarenergie - Marokko. KfW, abgerufen am 25. August 2015 (PDF 130 kB).
  4. a b c d e f g h Auf die Strahlkraft der Sonne gesetzt. VDI, 12. Juni 2015, abgerufen am 25. August 2015.
  5. he Launch of Construction at Noor 1 Independent Solar Power Project in the Kingdom of Morocco. acwapower.com, abgerufen am 5. Februar 2016 (englisch).
  6. a b c d Technical Advisory Services for Phase II of the Ouarzazate Solar Complex, Morocco. Lahmeyer International, abgerufen am 24. August 2015.
  7. a b Weltgrößter Solarkraftwerk-Komplex entsteht in Marokko mit Unterstützung der Bundesregierung. BMZ, 22. Dezember 2014, abgerufen am 25. August 2015.
  8. a b c d Johannes Pennekamp: Wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. Mai 2015, abgerufen am 24. August 2015.
  9. Nur 1: Marokko eröffnet erstes Kraftwerk des weltweit größten Solarkomplexes. (Memento vom 4. Februar 2016 im Internet Archive) In: Wirtschaftsblatt, 4. Februar 2016. Abgerufen am 4. Februar 2016.
  10. The Project. ouarzazatesolar1.com, abgerufen am 25. August 2015.
  11. a b c d The consortium involving SENER wins the contract for phases Noor 2 and Noor 3 of the Ouarzazate Solar Complex in Morocco. SENER, 12. Januar 2015, abgerufen am 24. August 2015 (englisch).
  12. Ouarzazate Solar Power Plant: Tender for Noor IV launched yesterday. invest.gov.ma, 20. März 2015, abgerufen am 25. August 2015.
  13. MA- Noor Ouarzazate Concentrated Solar Power Project. Weltbank, abgerufen am 25. August 2015 (englisch).
  14. a b NOOR I. nrel.gov, 25. Juni 2015, abgerufen am 25. August 2015.