Kraut (Ethnophaulismus)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Kraut ist im Englischen eine meist stereotypisierende Bezeichnung für einen Deutschen, die vor allem während des Zweiten Weltkrieges in den USA gebräuchlich war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich vom Sauerkraut abgeleitet, das als typisch deutsches Nationalgericht angesehen wird, war diese Bezeichnung während der Weltkriege unter US-amerikanischen Soldaten in Gebrauch, während in England vornehmlich andere Bezeichnungen wie Fritz (Koseform von Friedrich), Hun (engl. für Hunne) oder Jerry verwendet wurden.

Der Stereotyp des deutschen Sauerkrautessers ist jedoch weitaus älter. So beschreibt beispielsweise Jules Verne in seinem 1879 veröffentlichten Roman Die 500 Millionen der Begum einen bösen deutschen Industriellen mit einer Vorliebe für Sauerkraut. Man kann aber annehmen, dass dieses Stereotyp (zumindest für Frankreich) noch älter ist. In dem 1844 erschienenen Deutschland. Ein Wintermärchen von Heinrich Heine, wird Sauerkraut leicht spöttisch als Besonderheit der Deutschen Küche hervorgehoben.

Eine weitere Erklärung für die Assoziation von Deutschen zu Sauerkraut kommt aus dem Bereich der Seefahrt. Nachdem im 18. Jahrhundert erkannt worden war, dass bestimmte Lebensmittel Skorbut verhindern konnten (heute weiß man, dass der Vitamin-C-Gehalt dafür verantwortlich ist), wurde auf deutschen Schiffen als Proviant auch Sauerkraut gereicht, da dieses zugleich lang haltbar und sehr Vitamin-C-haltig ist. In der englischen Marine wurde der Mangelerkrankung mit Zitronensaft aus den Kolonien Einhalt geboten (daher stammt der Spitzname Limey, der manchmal für englische Marineangehörige verwendet wird).

Von der Bezeichnung abgeleitet sind Krautland, das gelegentlich als Synonym für Deutschland Verwendung fand, sowie der Ausdruck Krautrock für den deutschen Progressive Rock der späten 1960er und 1970er Jahre. Scherzhaft werden die deutschen Karl-May-Filme Krautwestern genannt. 1991 erschien der erste deutsche Hip-Hop-Sampler Krauts with Attitude, der im Titel den Begriff mit dem Namen der amerikanischen Band N.W.A (Niggaz with Attitude) kombinierte.[1]

Andere Spitznamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Spitznamen und Ethnophaulismen für Deutsche im Allgemeinen oder Teile des deutschen Volks sind:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Corinth: Krauts. Wat kost de Welt.... Erinnerungen eines deutschen Kriegsgefangenen und späteren Einwanderers in die Vereinigten Staaten (ISBN 3-935111-14-2)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kraut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietmar Elflein: Vom Neuen Deutschen Sprechgesang zum Oriental Hip Hop – einige Gedanken zur Geschichte von Hip Hop in der BRD., 1996, online unter wahreschule.de, abgerufen am 8. Mai 2012