Kretischer Staat

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Kretischer Staat
Κρητική Πολιτεία
Kritiki Politia
1898–1913
Flagge des Kretischen Staates Wappen des Kretischen Staates
Flagge Wappen
Flag of the Ottoman Empire.svg Navigation State Flag of Greece (1863-1924 and 1935-1970).svg
Verfassung keine
Amtssprache Griechisch
Hauptstadt Chania
Staatsform Republik
Regierungssystem Britisch-französisch-russisch-italienisches Protektorat
Staatsoberhaupt und Regierungschef Hochkommissar
Georg von Griechenland (1898–1906)
Alexandros Zaimis (1906–1913)
Fläche 8.336 km²
Einwohner 310.000 (1907)
Bevölkerungsdichte 3,72 EW/km²
Währung Griechische Drachme
Gründung 9. Dezember 1898
(Proklamation des Kretischen Staates)
Auflösung 1. Dezember 1913
(Vereinigung mit dem Königreich Griechenland)
Nationalhymne Kritikos Ymnos
Zeitzone UTC+2 OEZ

Kretischer Staat (griechisch Κρητική Πολιτεία Kritiki Politia, türkisch Girit Devleti) war der Name des Staates auf der Insel Kreta, der auf Druck der europäischen Großmächte Frankreichs, Russlands und Großbritanniens nach dem Friedensschluss vom 4. Dezember 1897 infolge des Aufstands der Kreter im Türkisch-Griechischen Krieg gebildet wurde und de facto seit 1898 ein vom Osmanischen Reich gelöstes britisch-französisch-russisch-italienisches Protektorat war.

Von 1897 bis 1899 verwalteten die vier Mächte die Insel. Die vier Schutzmächte bildeten ein Beratungsgremium, das seinen Sitz zunächst in Rom hatte, und dessen Zustimmung der mit der Regierung der Insel betraute (griechische) Oberkommissar (Hochkommissar) in bestimmten Fragen einholen musste. Als erster Hochkommissar erhielt Prinz Georg von Griechenland seine formelle Bestätigung vom osmanischen Sultan. Griechenland hatte sich zuvor dem Osmanischen Reich gegenüber zu großen Reparationszahlungen verpflichtet. 1907 wurde der Sitz der alliierten Beratungskörperschaft nach Athen verlegt.

Kretischer Exekutivrat um 1898

Unmittelbar nach dem jüngtürkisch-nationalistischen Umsturz im Osmanischen Reich stürzten griechische Nationalisten 1908 die bisherige kretische Regierung und eine neue kretische Regierung unter Eleftherios Venizelos erklärte unilateral eine Union mit Griechenland. Diese wurde aber erst im Oktober 1912 von Griechenland und international 1913 nach den Balkankriegen anerkannt.

Nach dem Vertrag von London musste der Sultan des Osmanischen Reiches Mehmed V. formal auf alle seine Ansprüche auf Kreta verzichten. Im Dezember 1913 wurde im Beisein des griechischen Königs Konstantin I. und des nunmehr griechischen Premierminister Venizelos im osmanischen Fort in Chania die griechische Flagge gehisst. Die muslimische Minderheit blieb zunächst auf der Insel, wurde aber später wie im Vertrag von Lausanne vereinbart in die Türkei umgesiedelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jost Dülffer: Inseln als Brennpunkte internationaler Politik. Konfliktbewältigung im Wandel des internationalen Systems 1890–1984. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1986, ISBN 3-8046-8651-6.
  • Pinar Şenişik: The transformation of Ottoman Crete. Revolts, politics and identity in the late nineteenth century. (=Library of Ottoman studies, 26) Tauris, London 2011, ISBN 978-1-8488-5541-0.
  • Wilhelm Wulsch: Der öffentliche Rechtszustand auf der Insel Kreta: Dargestellt unter Zugrundelegung der Verfassungsurkunde vom 28. 4. 1899. Borna-Leipzig 1908, S. 20–90. online