Kriegstreiberei

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Als Kriegstreiberei bezeichnet man solche Handlungen, die bewusst darauf ausgerichtet sind, einen Krieg herbeizuführen.[1][2] In der Politik wird der Begriff oft benutzt, um die eigene defensive Haltung zu betonen.[3][4][5][6] Kriegstreiber[7] sind demzufolge Personen, die der Kriegstreiberei bezichtigt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweislich taucht der Begriff „Kriegstreiberei“ seit Anfang des 20. Jahrhunderts auf.[8][9] Im Laufe der Geschichte wurde im Zuge von Konflikten oft der Vorwurf der „Kriegstreiberei“ erhoben. Einige historische Beispiele dafür sind:

  • Die Presse kann Konflikte verschärfen und zur Kriegsauslösung beitragen.[10][11] Sie geriet zum Beispiel kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs in die Kritik, sie habe den Krieg durch die Art ihrer Berichterstattung als einzig vernünftigen Ausweg aus der damaligen Krise dargestellt. Ende des 20. Jahrhunderts wurde verstärkt untersucht, auf welche Weise die Presse sich der Kriegstreiberei im Vorfeld des Ersten Weltkrieges schuldig gemacht hat.[1]
  • Der Thyssen-Konzern wurde Anfang der 70er Jahre der Kriegstreiberei von der Deutschen Kommunistischen Partei bezichtigt.[12]
  • Die Rolle von Religionen und Glaubensgemeinschaften wird kritisch im Zusammenhang mit „Kriegstreiberei“ untersucht.[13]
  • Ein Autor der Zeitschrift Nation sah die Proklamation des „Kriegs für den Frieden“ der NATO in Jugoslawien als Kriegstreiberei.[14]
  • Saddam Hussein wird als Kriegstreiber bezeichnet, nachdem er die Macht im Irak erhalten hat.[15]
  • Die UNESCO bezeichnet zum Beispiel nationalistische Medienberichte im Vorfeld des Bosnienkriegs als Kriegstreiberei. Heutzutage spricht die UNESCO Empfehlungen aus, um Kriegstreiberei durch Medienberichte zu verhindern.[16]

Aktuelle Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Children of Abraham

Auch heutzutage wird immer wieder der Vorwurf der „Kriegstreiberei“ erhoben. Einige aktuelle Beispiele, die in der Presse kursieren sind:

  • Ein linker Politiker hält Bemühungen in Deutschland, junge Menschen für die Bundeswehr zu gewinnen, für Kriegstreiberei.[17]
  • Tausende Deutsche demonstrierten gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und warfen den Teilnehmern der Münchner Sicherheitskonferenz Kriegstreiberei vor.[18]
  • IRA-Mitglieder werden als Kriegstreiber bezeichnet.[19]
  • Hamas-Mitglieder werden als Kriegstreiber bezeichnet.[20]
  • Die Politik der USA, die zum Irakkrieg führte, wird als Kriegstreiberei bezeichnet. Die Medien (TV) waren darin verwickelt, da sie die Verteidigung der US-Pläne übertrugen.[21]
  • Die kanadische Regierung investierte heimlich Rentengelder in Firmen, die illegale Waffen herstellen. Es wurde auch in Firmen investiert, die mit dem Wiederaufbau des Irak sehr viel Geld verdienten. Der Autor des Artikels bezeichnet dieses Handeln als Kriegstreiberei.[22]
  • Talkshows in Pakistan behandeln Szenarien im Falle eines Angriffs der USA, ein Nachrichtenkanal spielte sogar eine Kriegshymne. Die New York Times bezeichnet diesen Medienrummel als Kriegstreiberei.[23]
  • Die Krise in der Ukraine 2014 wird maßgeblich durch Vorwürfe der interessegeleiteten Kriegstreiberei gegen Russland, die EU oder die USA geprägt.
  • Eine afghanische Politikerin sieht in US-Präsident Obama einen Kriegstreiber, der die militärische Politik der USA genauso fortsetzt wie Präsident Bush, weil seine Sponsoren das wollen.[24]
  • Die USA haben belastendes Material gegen den Iran vorgelegt, der ein Attentat auf den saudischen Botschafter in Washington geplant haben soll, was der iranische Botschafter bei der UN bestritt und den USA Kriegstreiberei vorwarf.[25]
  • Waffenproduktion und Kriegstreiberei sind eng miteinander verknüpft.[26]

Fehlende Kriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es keine offizielle Definition für den Begriff gibt, weder von der UN[27], noch in der Politikwissenschaft[28][29][30][31][32][33], sind Vorwürfe der „Kriegstreiberei“ einerseits schnell gesagt, andererseits schwer zu bewerten. Auch rechtlich ist der Begriff nicht definiert.[34] Selbst in allgemeinen Nachschlagewerken, aktuellen wie historischen, wird man nicht fündig.[35][36]

Andere Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in anderen europäischen Sprachen existiert ein Wort für „Kriegstreiberei“ und „Kriegstreiber“.[37] Im Englischen wird der Begriff „Kriegstreiber“ als eine Person definiert, die Krieg herbeiführt.[38] Der Begriff ist also auf keinen Fall eine rein deutsche Erscheinung. Eine Definition des Begriffs „Kriegstreiber“, die angelehnt ist an „Des Teufels Wörterbuch“ von Ambrose Bierce von 1911, lautet in etwa aus dem Englischen übersetzt: Eine Person, die den Feinden ihres Landes Übles will.[39]

Poesie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Wettbewerb der UN namens „Gedichte für den Frieden“, schrieb eine der Teilnehmerinnen ein paar Zeilen über Kriegstreiber:

If I killed the warmongers who sounded the drums for the dance of death who drank victory's intoxication from innocent skulls […] I would only foment a greater war

In: Song from the battlefield, 2011[40]

Übersetzt:

Wenn ich die Kriegstreiber töten würde, die die Trommeln für den Todestanz geschlagen haben, die den Siegesrausch von unschuldigen Schädeln getrunken haben, […] würde ich nur einen größeren Krieg verursachen

In: Song from the battlefield, 2011[40]

Die Autorin des Gedichts, Nana Asaase, kritisiert in wenigen Zeilen Kriegstreiber als Personen, die Tod herbeiführen und den Sieg auf Kosten von Unschuldigen genießen. Gleichzeitig nimmt sie Abstand davon, Kriegstreibern mit Gewalt zu begegnen, um sich nicht selbst der Kriegstreiberei schuldig zu machen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bernhard Rosenberger: Zeitungen als Kriegstreiber? : Die Rolle der Presse im Vorfeld des Ersten Weltkrieges. Medien in Geschichte und Gegenwart, Bd. 11, Böhlau Verlag, Köln (u.a.) 1998, ISBN 3-412-10897-9.
  2. Waite, Maurice (Hrsg.): Oxford Dictionary and Thesaurus. 2. Aufl., Oxford University Press, Oxford (u.a.) 2007, ISBN 978-0-19-923088-4, S. 1168.
  3. Focus.de: Nordkorea unterstellt Südkorea Kriegstreiberei, 5. Dezember 2010, Abruf am 16. Dezember 2011.
  4. M. Hasan: Obama is a warmonger, no different from Bush. In: New Statesman, Bd. 139, 2010, ISSN 1758-924X, S. 28–29.
  5. Hamburger Abendblatt: Zweifel an der Spur nach Teheran, Ressort: Politik, 14. Oktober 2011, Nr. 240, S. 4.
  6. Pollitt: Weapons of Mass Delusion?. In: Nation, Bd. 276, Nr. 19, 2003, ISSN 0027-8378, S. 9.
  7. http://www.duden.de/rechtschreibung/Kriegstreiber abgerufen 27. Juni 2016
  8. Georg Ad. Wenzel: Kriegstreiberei - oder Segnungen des Friedens? : Eine wichtige Lebensfrage f. alle Völker : Ein treugemeintes Wort im offenen Brief an d. Herrn Reg. Präsid. d. Vereinigten Staaten von Amerika Herrn Hardinge, Washington, Suhl 1921.
  9. Archivportal Europa: Homepage. Abruf am 18. Dezember 2011.
  10. Cees J. Hamelink: Media between warmongers and peacemakers. In: Media, War & Conflict, Bd. 1, 2008, ISSN 1750-6360, S. 77–83.
  11. Morrie Ryskind: Am I a warmonger?. In: Human Events, Bd. 24, Nr. 13, 1964, ISSN 0018-7194, S. 6.
  12. Deutsche Kommunistische Partei (Bezirk Ruhr-Westfalen): Der Thyssen-Konzern : Analyse e. Stahlgiganten; gewidmet d. unzähligen u. namenlosen Opfern d. kapitalist. Ausbeutung u. Kriegstreiberei, Essen 1971.
  13. Andreas Hasenclever: Kriegstreiber und Friedensengel - die Rolle von Religionen und Glaubensgemeinschaften in bewaffneten Konflikten. In: Friedensgutachten 2003, Lit Verlag, Münster 2003, ISBN 3-8258-6760-9, S. 71–79.
  14. A. Cockburn: Beat the Devil. In: Nation, Bd. 258, Nr. 20, 1994, ISSN 0027-8378, S. 692-693.
  15. Nirumand Bahman: Der Kriegstreiber von Bagdad : Saddam Husseins zielstrebiger Weg zur Macht - eine Biographie der Gewalt. In: Nirumand Bahman (Hrsg.): Sturm im Golf, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 1990, Rororo aktuell 12926, ISBN 3-499-12926-4, S. 17–26.
  16. UN: Strengthening the fight against racism: UNESCO’S achievements since the 2001 world conference against racism, racial discrimination, xenophobia and related intolerance. Durban Review Conference Geneva, 20-24 April 2009, URL http://www.un.org/durbanreview2009/pdf/Contribution_by_UNESCO_Advance_unedited_version.pdf, Abruf am 18. Dezember 2011, S. 44–46.
  17. Rhein-Zeitung: Es darf kein Werben fürs Sterben mehr geben. Lokalteil, Mittelrhein-Verlag, Koblenz 15. November 2011, S. 16.
  18. Süddeutsche.de: Tausende demonstrieren gegen „Kriegstreiberei“, 5. Februar 2011, Abruf am 16. Dezember 2011.
  19. The Economist: Warmongers, stand easy. Bd. 372, Nr. 8389, 2004, ISSN 1476-8860, S. 48.
  20. A. Knudsen: Crescent and Sword: The Hamas enigma. In: Third World Quaterly, Bd. 26, Nr. 8, 2005, ISSN 1360-2241, S. 1373–1388.
  21. A. McCarthy: The Limits of the Cold War Analogy. In: Cinema Journal, Bd. 43, Nr. 4, 2004, ISSN 1527-2087, S. 121–125.
  22. R. Sanders: Canada and the big business of war. In: Canadian Dimension, Bd. 38, Nr. 3, 2004, S. 20–47.
  23. New York Times: Ismail Khan contributed reporting from Peshawar P. : In Pakistani Media, the U.S. Is a Target for Acrimony. 28. September 2010, S. 10.
  24. M. Hasan: Obama is a warmonger, no different from Bush. In: New Statesman, Bd. 139, 2010, ISSN 1758-924X, S. 28–29.
  25. "Hamburger Abendblatt 2011"
  26. Peace Pledge Union: Welcome to Warmongering Wales-Penyberth to Parc Aberporth, Lewis Valentine Annual Memorial Lecture Juli 2010, Welsh, URL http://www.ppu.org.uk/peacematters/peacematters/2010/2010b3.html, Abruf am 18. Dezember 2011.
  27. Un.org: Homepage, Abruf am 18. Dezember 2011.
  28. Bundeszentrale für politische Bildung: Lexika. URL http://www.bpb.de/wissen/H75VXG.html, Abruf am 18. Dezember 2011.
  29. Javier Perez de Cuellar (Hrsg.), Young Seek Choue: World Encyclopedia of Peace : Volume III, 2. Aufl., Oceana, New York 1999, ISBN 0-379-21401-6.
  30. Lester Kurtz (Hrsg.): Encyclopedia of violence, peace & conflict : Volume II : G-Po, 2. Aufl., Elsevier, Amsterdam u.a. 2008, ISBN 978-0-12-369503-1.
  31. Der Brockhaus: Politik : Ideen, Systeme und Prozesse. Brockhaus, Mannheim 2008, ISBN 978-3-7653-3311-8.
  32. Dieter Nohlen (Hrsg.), Rainer-Olaf Schultze (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft : Theorien, Methoden, Begriffe. Bd. 2, N-Z. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47604-X.
  33. Seymour Martin Lipset (Hrsg.): The encyclopedia of democracy : Volume II, 1. Aufl., Routledge, London 1995, ISBN 0-415-14350-0.
  34. JurisPedia.org: Homepage, Abruf am 18. Dezember 2011.
  35. Brockhaus Enzyklopädie Online, Abruf am 18. Dezember 2011 (nicht frei verfügbar).
  36. Meyers Lexikon : 7. Band, 7. Aufl., Bibliographisches Institut Leipzig 1927.
  37. LEO.org: Homepage, Abruf am 18. Dezember 2011.
  38. Waite, Maurice (Hrsg.): Oxford Dictionary and Thesaurus, 2. Aufl., Oxford University Press, Oxford (u.a.) 2007, ISBN 978-0-19-923088-4, S. 1168.
  39. J. Derbyshire: From ‘Activist’ to ‘Warmonger’. In: National Review, Bd. 55, Nr. 18, 2003, ISSN 0028-0038, S. 28–29.
  40. a b Nana Asaase: Song from the battlefield. Poetry for Peace contest, 15 September until 14 October 2011, Abruf am 18. Dezember 2011.