Kuhberg (Stützengrün)

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Kuhberg
Prinz-Georg-Turm auf dem Kuhberg

Prinz-Georg-Turm auf dem Kuhberg

Höhe 794,6 m ü. NHN [1]
Lage Erzgebirgskreis, Sachsen (Deutschland)
Gebirge Erzgebirge
Koordinaten 50° 31′ 12″ N, 12° 29′ 56″ OKoordinaten: 50° 31′ 12″ N, 12° 29′ 56″ O
Kuhberg (Stützengrün) (Sachsen)
Kuhberg (Stützengrün)
Gestein Turmalingranit
Besonderheiten Prinz-Georg-Turm (AT)

Der Kuhberg ist ein 794,6 m ü. NHN[1] hoher Berg im westlichen Erzgebirge an der Grenze zum Vogtland in Sachsen. Er liegt im Naturpark Erzgebirge/Vogtland in der Gemeinde Stützengrün im Erzgebirgskreis.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kuhberg bildet eine „markante Erhebung“ im Westerzgebirge „auf dem Gebiet des Kontakthofs der Granitregion“.[2] Der „Kuhbergrücken“ stellt nach der Naturraumkarte von Sachsen eine eigene Mikrogeochore dar und ist Teil der Mesogeochore „Kuhberg-Steinberg-Rückenland“.[3] Er ist auch auf seinem Gipfel mit Wald bewachsen. Die Hauptbaumart sind Fichten (Picea abies).

Auf dem Gipfel steht eine historische Vermessungssäule der "Königlich-sächsischen Triangulierung" von 1876, die im Zuge der Landesvermessung zwischen 1862 und 1890 entstand und zu den Säulen gehört, die an ihrem historischen Standort erhalten sind.[4]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kuhberg wird schon 1563 erwähnt als Kuhebergk im Vertrag zwischen den Erben Balthasar Friedrich Edler von der Planitz‘ und Kurfürst August von Sachsen, durch den Schönheide, Stützengrün, Neustädtel an den Kurfürsten verkauft wurden.[5] Im Berliner Exemplar der Sächsischen Meilenblätter von 1792 ist als Name „Kuh-Berg“ eingetragen,[6] im Freiberger Exemplar „der Kühberg“.[7] Noch im Jahr 1823 verwendete die sächsische Forstverwaltung die Bezeichnung „Kühberg“.[8]

Turm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein 20 m hoher gemauerter Aussichtsturm führt mit 99 Stufen zum Ausblick über das Erzgebirge und das angrenzende nordwestliche Vogtland. Er wurde vom Erzgebirgs-Zweigverein Schönheide[9] 1894 als Prinz-Georg-Turm[10] errichtet und ist ganzjährig gegen Gebühr zu ersteigen.[11] Der Turm war bei der Errichtung 16 m hoch[9] und wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg auf der West- und Nordseite verbrettert.[12] Nach dem weiteren Wachstum des Waldes wurde er später um eine gemauerte Etage erhöht, damit Besuchende über die umstehenden Bäume hinwegschauen können, und in den 1990er Jahren mit einer verglasten Holzkonstruktion versehen. Der inzwischen weiter gewachsene Wald lässt keinen Blick in die Landschaft mehr zu. Der örtliche Tourismusverband fand noch keinen Weg, in einer Verständigung mit der sächsischen Staatsforstverwaltung die Bäume in einem engeren Umkreis um den Turm zu fällen, damit er wieder als Aussichtsturm genutzt werden kann. Neben dem Turm steht die in den 1990er Jahren erweiterte und aufgestockte Gastwirtschaft aus den 1930er Jahren, die dadurch zum Hotel wurde.[13] Von den umliegenden Gemeinden führen Wanderwege und von Stützengrün-Neulehn eine asphaltierte Straße zum Gipfel. Über den Kuhberg verläuft der Bergwanderweg Eisenach–Budapest.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triangulierungssäule von 1876

Im Jahr 1876 wurde auf dem Kuhberg im Zuge der systematischen, zwischen den deutschen Staaten abgestimmten Vermessung Deutschlands eine heute noch immer existierende, steinerne Vermessungssäule aufgestellt.[14] Damit wurde der Kuhberg einer von 122 Punkten der „Königlich Sächsischen Triangulierung“.[15] 1894 wurde eine zweite steinerne Triangulierungssäule auf dem Kuhberg errichtet.

Nachdem der Oberförster des Staatsforstreviers schon 1858 mit der Anregung an die Öffentlichkeit getreten war, auf dem Kuhberg einen Aussichtsturm zu bauen,[16] errichtete im Jahr 1880 der Erzgebirgs-Zweigverein Schönheide ein hölzernes „Aussichtsgerüst“,[9] das "mit hoher Genehmigung" nach dem sächsischen Kronprinzen Georg "Prinz-Georg-Turm" genannt wurde. Von 1892 galt wegen Baufälligkeit ein Verbot der Benutzung dieses hölzernen Turms.[17] Am 15. März 1894 begann der Bau des heutigen steinernen Turmes, er wurde schon am 22. Juli eröffnet.[17]

Nach 1989: Das HO ist entfernt. Die Höhe wird immer noch mit 811 Metern angegeben.

Zur Einweihung brachte der Verein eine Festschrift heraus, die unter anderem Artikel enthielt über die geologischen Verhältnisse, die Bedeutung des Kuhberges für die Landesvermessung, die Entstehung des Turmes und die Schmalspurbahn von Wilkau-Haßlau nach Wilzschhaus, die im Jahr 1893 von Saupersdorf nach Wilzschhaus verlängert worden war und zahlreiche Touristen aus dem Bereich von Zwickau ins Gebirge beförderte. Die große Zahl von Turmbesteigern zeigt den touristischen Erfolg: Im Jahr 1900 waren es 11.405 Personen.[18] Die Mauern des Turmes sind unten einen Meter und waren am damaligen oberen Ende 38 Zentimeter stark.[19] Eine einfache hölzerne, mit einem Pultdach versehene, an den Seiten offene Baulichkeit wurde mit Tischen und Bänken versehen und diente nach dem Bau des Turmes als behelfsmäßige Gastwirtschaft. Sie konnte Besuchende zwar vor Sonne und Regen schützen, war aber bei kühlem Wetter oder im Winter ungeeignet. 1903 errichtete der Schönheider Erzgebirgs-Zweigverein neben dem Turm ein heute noch existierendes Blockhaus.[9][20] Kurze Zeit später entstand eine erste kleine Bergwirtschaft.[21] Erst im Jahr 1935 erfolgte der Bau einer größeren Gastwirtschaft mit zwölf Übernachtungsbetten.[22] Sie wurde vom Pächter Neues Berghaus genannt, zu DDR-Zeiten trug sie den Namen HO-Berggaststätte. Um das Jahr 2000 wurde diese Gastwirtschaft durch Aufstocken und Erweitern zu einem Hotel umgestaltet. Dieses Objekt wird vom Betreiber Berghotel Kuhberg genannt.

1945 schädigten Waldbrände große Waldareale am Kuhberg.[23]

Im Jahr 2012 wurde auf dem Berg westlich des Aussichtsturms ein Sendeturm in Form eines Stahlgittermastes aufgestellt. Er überragt die Bäume auf dem Berggipfel deutlich und ist aus der Umgebung – anders als der Aussichtsturm – deutlich zu sehen.[24]

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Erschließung des Kuhbergs für Touristen durch die Schmalspurbahn entstanden für die große Zahl von Besuchern um die Wende zum 20. Jahrhundert zahlreiche Ansichtskarten. Fast immer wurde die Höhe mit 811 Metern angegeben. Diese wurde aber nur mit dem Besteigen des bei der Errichtung 16 Meter hohen Turmes erreicht. Auch nach der Erhöhung des Turmes auf 20 Meter blieb es auf den nach diesem Ereignis produzierten Ansichtskarten bei der alten Höhenangabe. Außerdem war auf den Ansichtskarten die Bezeichnung Kuhberg bei Schönheide üblich, obwohl der Berg schon immer auf Stützengrüner Gemeindegebiet gelegen haben soll.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der „Interessengemeinschaft Rund um den Kuhberg e. V.“ haben sich die Gemeinden Steinberg, Stützengrün und Schönheide landkreisübergreifend zusammengeschlossen, um gemeinsam für den Tourismus zu werben.[25] Vorsitzender ist Stützengrüns Bürgermeister Volkmar Viehweg, der bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Gemeinden Schönheide und Stützengrün am 26. Februar 2018 unter Hinweis auf die Errichtung des Turms vor 125 Jahren und dessen Sanierungsbedürftigkeit den Bau eines Baumwipfelpfads auf dem Kuhberg ins Spiel brachte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festschrift des Schönheider Erzgebirgs-Zweigvereins zur Eröffnung des Turms am 22. Juli 1894 mit Link zur digitalen Fassung des Büchleins
  • W. Bauer: Das neue Berghaus auf dem Kuhberg bei Schönheide in Kalender für das Erzgebirge und das übrige Sachsen, 1937. - 33 (1937), S. 53–54 (Der Aufsatz behandelt das neu gebaute Gasthaus und gibt verlässliche Information über seine Errichtung.)
  • Der goldne Hirsch auf dem Kuhberge. In: Johann August Ernst Köhler "Sagenbuch des Erzgebirges", Verlag Gärtner Schneeberg und Schwarzenberg 1886, Reprint-Ausgabe Olms-Verlag Hildesheim 1978, S. 323[26]
  • Erzgebirgs-Zweigverein Schönheide (Herausgeber): Festschrift zur Einweihung des Prinz-Georg-Turms auf dem Kuhberge bei Schönheide am 22. Juli 1894, Schönheide 1894. (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) (Eine ausführliche Beschreibung der Entstehung des Turms auf dem Kuhberg mit Beschreibung von Geographie und Geologie des Westerzgebirges sowie die geodätische Bedeutung des Turms.)
  • Reinhart Heppner, Jörg Brückner, Helmut Schmidt: Sächsisch-böhmische Aussichtsberge des westlichen Erzgebirges in Wort und Bild mit touristischen Angaben, Horb am Neckar 2001, S. 35–37
  • Siegfried Sieber in: Kuhberg. In: Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock (= Werte der deutschen Heimat. Band 11). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1967, S. 101–102.
  • Erich Tittel: Der Kuhberg bei Schönheide und die neue Eisenbahnlinie Wilzschhaus-Carlsfeld in Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins, 1897, S. 90–93 (Großen Aufschwung bei der Zahl der Besucher im oberen Erzgebirge bewirkte die Eisenbahn. Der mit der Bahn leichter erreichbare Kuhberg war einer der Hauptanziehungspunkte.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kuhberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schönheide/Erzgeb. – Prinz-Georg-Turm auf dem Kuhberg 811 m mit Vermessungssäule (1876) und Blockhaus (1903)
  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Landschaftssteckbrief Westerzgebirge des Bundesamts für Naturschutz (Memento des Originals vom 3. September 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfn.de, abgerufen am 2. September 2017
  3. Recherchekarte des Landschaftsforschungszentrums Dresden(LfZ) Link zur Recherchekarte
  4. Karte "Historische Vermessungssäulen in Sachsen", Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung des Landes Sachsen, Maßstab 1:500.000, ohne Datumsangabe, erschienen in den 2010er Jahren
  5. Gottfried August Arndt, Archiv der Sächsischen Geschichte, 2. Teil, Leipzig 1785, S. 367 bis 388 (Digitalisat)
  6. Blatt 196 der Sächsischen Meilenblätter (Berliner Exemplar) von 1792 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
  7. Blatt 185 des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen aus dem Jahr 1792 mit Nachträgen bis 1876 (Link zu Kartenblatt und seiner Beschreibung in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
  8. Archivwesen in Sachsen - Beständeübersicht. archiv.sachsen.de, abgerufen am 30. Dezember 2017.
  9. a b c d Max Grohmann: Auf nach Schönheide mit Bismarckhain und Prinz-Georg-Turm auf dem Kuhberge. Ratgeber in Bild und Wort für Einheimische, für Sommerfrischler, Wanderlustige und Wintersportfreunde, für Schul-, Vereins- und Gesellschaftsausflügler. Herausgegeben im Auftrag des Erzgebirgs-Zweigvereins Schönheide von M. Grohmann, gedruckt bei Meisenbach, Riffahrt und Co., Leipzig o. J. (um 1915), S. 29
  10. Kuhberg Stützengrün mit dem Prinz-Georg-Turm auf der Webseite der Gemeinde Stützengrün
  11. W. Bauer: Das neue Berghaus auf dem Kuhberg bei Schönheide, in: "Kalender für das Erzgebirge und das übrige Sachsen", 33. Jg., S. 53–54, Leipzig 1937
  12. Dies zeigt ein Vergleich historischer Ansichtskarten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
  13. Webpräsenz Berghotel Kuhberg
  14. Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 8
  15. Karte "Historische Vermessungssäulen in Sachsen", Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung des Landes Sachsen, Maßstab 1:500.000, ohne Datumsangabe, erschienen in den 2010er Jahren
  16. Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 312
  17. a b Erzgebirgs-Zweigverein Schönheide (Herausgeber): Festschrift zur Einweihung des Prinz-Georg-Turms auf dem Kuhberge bei Schönheide am 22. Juli 1894, Schönheide 1894, S. 10 Digitalisat [1] Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, abgerufen am 5. August 2014
  18. Dillingers Reisezeitung vom 20. Januar 1901, S. 6 Digitalisat
  19. Erzgebirgs-Zweigverein Schönheide (Herausgeber): Festschrift zur Einweihung des Prinz-Georg-Turms auf dem Kuhberge bei Schönheide am 22. Juli 1894, Schönheide 1894, S. 12 Digitalisat [2] Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, abgerufen am 12. Januar 2016
  20. Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 8
  21. Max Grohmann: Auf nach Schönheide mit Bismarckhain und Prinz-Georg-Turm auf dem Kuhberge. Ratgeber in Bild und Wort für Einheimische, für Sommerfrischler, Wanderlustige und Wintersportfreunde, für Schul-, Vereins- und Gesellschaftsausflügler. Herausgegeben im Auftrag des Erzgebirgs-Zweigvereins Schönheide von M. Grohmann, gedruckt bei Meisenbach, Riffahrt und Co., Leipzig o. J. (um 1915), S. 31
  22. Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock (= Werte der deutschen Heimat. Band 11). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1967, S. 101.
  23. Das östliche Vogtland (= Werte der deutschen Heimat. Band 59). 1. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0938-1, S. 17.
  24. Freie Presse, Regionalausgabe Auerbach, vom 15. Oktober 2012 Webseite, abgerufen am 7. April 2017
  25. Webseite Rund um dem Kuhberg, abgerufen am 1. März 2018
  26. Erzgebirge Museum