Kultur- und Familienverein

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Der Kultur- und Familienverein e. V. (KuF) war ein Moscheeverein in Bremen-Gröpelingen. Der Verein wird dem radikal-islamischen Salafismus zugerechnet. 2014 wurde er vom Bremer Innensenator Mäurer verboten, und die Räume des KuFs wurden von der Bremer Polizei durchsucht. Zum KuF gehörten eine Moschee und weitere Vereinsräume. Zum Freitagsgebet trafen sich wöchentlich bis zu 70 Gläubige (Stand 2014).

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bremens Industrie, u. a. die Werften, warben in den 1960er und 1970er Jahren Türken, Griechen und Jugoslawen als Arbeitskräfte an. Vor allem in den an die Häfen grenzenden Stadtteile Bremen-Walle und Bremen-Gröpelingen leben viele Migranten. In Gröpelingen etablierte sich eine migrantische Community, die vornehmlich von türkisch- und kurdischstämmigen Menschen dominiert wird.

Aktivitäten des Vereins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 gründete der Salafist René Marc Sepac nach einem erfolglosen Versuch, in den „Dschihad“ nach Afghanistan zu ziehen, den KuF. Das angemietete Vereinsheim war eine ehemalige Kindertagesstätte in Gröpelingen. Ab 2008 beobachtete der Bremer Verfassungsschutz den Verein.

Im Jahr 2009 fand in den Räumen des KuF ein Treffen europäischer Salafisten statt.

2014 verbot Innensenator Ulrich Mäurer den Verein, weil seine Zwecke und Tätigkeiten gegen Strafgesetze verstießen. Danach hatte sich der KuF gegen die „verfassungsmäßige Ordnung“ und den „Gedanken der Völkerverständigung“ betätigt. Mehr als 100 Polizisten durchsuchten 2014 die Räume des KuF. Direkt nach dem Freitagsgebet ging die Polizei gegen den KuF in Gröpelingen vor. Die Beamten stellten die Personalien der Moscheebesucher fest und durchsuchten die Räume des Vereins. Zeitgleich lief eine Großrazzia an, bei der die Polizei in Gröpelingen 17 Wohnungen und Geschäfte von Vereinsmitgliedern durchsuchte.[1] Das Verbot ist seit dem 6. Januar 2015 bestandskräftig.[2]

Verbindungen des Vereins zum Terrorismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Informationen von Radio Bremen reisten bis 2014 15 Erwachsene aus dem Umfeld des KuF nach Syrien aus, um dort für die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu kämpfen. Sie nahmen elf Kinder mit. Im März 2014 protestierten Eltern von Ausgereisten gegen den KuF. Sie machten den Verein für die Radikalisierung ihrer Söhne und für die Motivation zum terroristischen Kampf verantwortlich.[3]

Zu den Besuchern des KuFs zählte auch der mutmaßliche Attentäter, der im September 2010 eine Explosion in einem Hotel in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen auslöste, teilte der Verfassungsschutz mit.

Im Jahr 2011 verurteilte das Oberlandesgericht München den Mitbegründer des KuFs, René Marc Sepac, wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu dreieinhalb Jahren Haft. Der als „Emir von Gröpelingen“ bekannte Marc S. habe zweimal versucht, in ein Terrorcamp zu reisen. Im Zuge der Ermittlungen wurden 2008 die Räumlichkeiten des Vereins von der Polizei durchsucht. Auch aus dem Gefängnis heraus soll Marc S. weiterhin aktiv gewesen sein.

Der Bremer Verfassungsschutz-Chef Joachim von Wachter vermutete 2014 in der taz, dass aus dem Umfeld des Vereins bis dahin acht Männer, fünf Frauen und sieben Kinder nach Syrien gezogen waren.[4]

Islamische Verbände gingen auf Distanz zum Kultur- und Familienverein. Die Bremer Schura, der Zusammenschluss von 25 Moscheenvereinen, wandte sich gegen Extremismus.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://bremen-medien.de/news.php?name=2014012203
  2. Bekanntmachung eines Vereinsverbots gemäß § 3 des Vereinsgesetzes Verbot des Vereins „Kultur & Familien Verein e.V.“ vom 23. März 2015 (BAnz AT 01.04.2015 B11)
  3. http://www.radiobremen.de/politik/themen/kulturverein-fragen-antworten100.html
  4. http://www.taz.de/!148205/
  5. Hubert Gude: SALAFISTEN: Muslime gegen Muslime. In: Der Spiegel. Nr. 14, 2014 (online31. März 2014).