Kurrende

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Dieser Artikel behandelt einen Schüler- oder Jugendchor; zur österreichischen Verwendung im Sinne von Zirkular siehe Rundschreiben.
Kurrende auf dem Weihnachtsmarkt vor der Dresdner Frauenkirche
Eisenacher Serienschein mit der Aufschrift „Fall hin und her verzweifele nur nicht und steh wieder auf – Martin Luther singt als Currendeschüler bei Frau Cotta

Eine Kurrende (lat.: currere = „laufen“, also „Laufchor“) war ursprünglich ein aus bedürftigen Schülern bestehender Chor an protestantischen Schulen, der unter Leitung eines älteren Schülers (des Präfekten) von Haus zu Haus zog oder bei Festen (zum Beispiel Hochzeiten, Beerdigungen) und Ähnlichem für Geld[1] sang. Die Bindung zur evangelischen Kirche erfolgte in der Reformationszeit.[2] In den 1930er Jahren wurde die Kurrende als kirchlicher Knabenchor beschrieben und angemerkt, dass sie im späten Mittelalter[3] ein aus bedürftigen Schülern gebildeter Chor war, der vor den Häusern gegen Geldspenden sang.[4] Diese Form, eines auf Straßen um Gaben singenden Chores, ging im 19. Jahrhundert allmählich verloren, es gab jedoch Wiederbelebungsversuche in verschiedenen Orten, zum Beispiel in Berlin:[5] Am jährlichen Reformationstag war die Kurrende der Berliner Stadtmission in ihrer spezifischen Kleidung auf Straßen und Plätzen der Hauptstadt unterwegs, darunter vor dem ehemaligen Lutherdenkmal an der Marienkirche im Zentrum Berlins und sang evangelische Choräle vor einer „gewaltigen Zuhörerschaft“, wie es in einem Bericht aus den 1920er Jahren heißt.[6] Die Berliner Stadtmission gewann die Erkenntnis: Der Erfolg des „gesegneten und seit Luthers Tagen bekannten Dienst(es) der Kurrende“ hängt von einem Chorleiter ab, „der musikalisches Talent und pädagogische Geschick hat, mit der Kurrende dreistimmige Choräle und Volkslieder einzuüben, dass sie ohne Text und Noten, also auswendig … gesungen werden können.“[7] Die Kurrendaner oder Kurrendschüler trugen kleine schwarze Radmäntel und flache Zylinderhüte[8] Luther als Kurrendeschüler bildete das Motiv für Gemälde mehrerer Historienmaler wie von Ferdinand Pauwels Luther singt als Currende-Schüler bei Frau Cotta in Eisenach 1499 und von Prof. Weiß Luther als Kurrendeschüler vor Frau Cotta singend. Kurrenden haben sich in Thüringen und Sachsen sowie als Kurrende des Staats-und Domchores Berlin unter der Trägerschaft der Universität der Künste[9] bis heute gehalten.

Heutige Formen[Bearbeiten]

  • Hauptaufgabe der Kurrende, die sich heute aus Jungen und Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren zusammensetzt, ist die Gestaltung der Gottesdienst-Liturgie und der Wechselgesänge mit der Gemeinde. Viele Gemeinden haben des Weiteren eine Vorkurrende, die Vier- bis Sechsjährige spielerisch auf die Aufgaben in der Kurrende vorbereitet.
  • Eine weitere Aufgabe von Kurrenden war der sogenannte Quempas, eine Abfolge von weihnachtlichen Gesängen im Gottesdienst.
  • Auch sonst hat sich der Begriff über die Jahrhunderte erhalten, heute findet man vor allem an evangelischen Kirchen Kurrenden. So findet sich in Wörterbüchern für Kurrende die Erklärung: evangelischer Kinderchor[10] und freiwilliger Jugendchor der evangelischen Kirche.[11]
  • Besonders im Erzgebirge gehören die Kurrenden noch zum normalen Gottesdienstablauf. Im Rahmen des umfangreichen weihnachtlichen Brauchtums ziehen die Kurrendesänger und -sängerinnen meist mit Kurrende- oder Mettenlaternen durch den Ort (siehe auch die Sternsinger in katholischen Gemeinden) und tragen Weihnachtslieder vor. In verschiedenen sächsischen Städten beschränkt sich das auf den Vortrag weihnachtlichen Liedgutes bei Rentnern und Rentnerinnen, die an den kirchlichen Aktivitäten zur Weihnacht schwer oder nicht teilhaben können.
  • Der Chor der Studenten-Gemeinde Halle (Saale) unter Leitung von Reinhard Ohse bezeichnete sich in den 1950er Jahren und noch später als "Kurrende" [12] der ESG.
  • Eine Kurrende muss jedoch nicht nur auf Chorsänger beschränkt sein. Auch viele Posaunenchöre ziehen noch heute durch ihre Orte und spielen insbesondere an den christlichen Hochfesten Ostern und Weihnachten zur Freude der Einwohner auf.

Erzgebirgische Volkskunst[Bearbeiten]

Seiffener Kurrende (Holzfiguren)

Bekannt geworden ist die Darstellung der Kurrende mit geschnitzten oder gedrechselten Figuren, wie sie traditionell von den Holzschnitzern im Erzgebirge, besonders in Seiffen hergestellt werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kurrende – Sammlung von Bildern

Luther als Kurrendeschüler vor Frau Cotta singend. Ansichtskarte nach dem Gemälde von Prof. Weiß im Lutherhaus zu Eisenach

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitat: "Laufchor, arme Singschüler (Kurrendaner) von Haus zu Haus gehend, die, um ein Almosen geistliche Lieder singen", in: Joh. Christ. Aug. Heyses Fremdwörterbuch", Hannover u. Leipzig, 1903, Stichwort "Kurrende", S. 480
  2. Das Neue Taschenlexikon', 8. Bd., Gütersloh, 1992, Stichwort "Kurrende", S. 372; ISBN 3-570-04208-1
  3. Das kluge Alphabet, Konversationslexikon in zehn Bänden, 6. Bd., Berlin (1935), Stichwort "Kurrende" , S. 101
  4. Der Sprach-Brockhaus, Leipzig, 1938, Stichwort "Kurrende", S. 350 ff.
  5. Meyers Lexikon, 7. Band, Leipzig, 1939, Stichwort "Kurrende", Spalte 86
  6. „Jubiläumsschrift der Berliner Stadtmission“ . 1877 – 1927. 50 Arbeitsjahre im Dienst des Glaubens und der Liebe. (Abb.); Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt, Berlin, 1927, S. 59
  7. Schlegelmilch, Friedrich: Bilder aus der Stadtmission, 1. Band; Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt, Berlin (o. J.) S. 14f.“
  8. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 11. Bd., Leipzig u. Wien, 1909, Stichwort "Kurrende", S. 55
  9. Kurrende UdK Ausbildung Kurrende I und II
  10. Neues Deutsches Wörterbuch, Lingen Verlag, Köln, 1984/1985, S. 311
  11. Großes Fremdwörterbuch", Leipzig, 1977, S. 426
  12. Abbildung in: Durch Verhaftung ... das Handwerk legen. Die Evangelische Studentengemeinde Halle (Saale) 1953 ..., Inhalt: Thulin, Andreas, Halle a. d. S., 2004, S. 124, Bilderklärung S. 122; ISBN 3-00-013470-0