kursiv

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Beispiel der Schriftart Garamond in normal (oben) und kursiv (unten)

Als kursiv (laufend, von lateinisch currere ‚laufen‘, ‚rennen‘) wird in der Satzschrift eine Schriftauszeichnung bezeichnet, bei der die Formen der Schriftzeichen in Schreibrichtung schräg geneigt sind. Für diese Art der Schriftauszeichnung wird in aller Regel ein eigens dafür vorgesehener Schriftschnitt verwendet. Einzelne Zeichen können dabei nicht nur schräg gestellt, sondern auch in ihrer Form unterschiedlich zu den normalen, senkrecht (recte) zur Zeile stehenden Zeichen sein. Kursiv gesetzter Text dient zur Hervorhebung von Textstellen und ‑passagen.

Kursive Schrift gibt es nicht nur im lateinischen Alphabet, sondern auch in kyrillischer Schrift. Der englische Begriff dafür ist italic und findet sich auch in vielen Computerprogrammen; im Französischen wird er italique genannt.

Begriff und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste von Aldus Manutius gedruckte Kursivschrift, 1501

Der Begriff kursiv geht auf den der Kursive zurück. Dieser bezeichnet in der Paläografie Schriften, die sich für schnelles Schreiben mit der Hand eignen. Sie entstanden aus dem Schreiben mit einer Schreibfeder und ähnlichem Schreibgerät sowie dem Anspruch hoher Schreibgeschwindigkeit. Kursive werden auch Kurrent-, Lauf- oder Schreibschriften genannt. Das Adjektiv kursiv und das Substantiv Kursivschrift beziehen sich dagegen meistens auf Satzschriften.

Die humanistische Kursive, eine klare, schlichte und gut lesbare Handschrift aus der Epoche des Humanismus in Italien, wurde zur Urform der lateinischen Schreibschriften. Aus ihr entstanden auch die ersten kursiven Satzschriften. Wegen ihrer Herkunft aus Italien werden diese im Englischen italics genannt. Basierend auf der Cancellaresca formata, einer Kanzleischrift-Variante der humanistischen Kursive, entwickelte der Stempelschneider Francesco Griffo im Auftrag des Buchdruckers Aldus Manutius um 1501 die erste kursive Drucktype aus Blei. Sowohl die humanistische Kursive als Handschrift als auch die kursive Satzschrift breitete sich von Italien nach Frankreich, England und Deutschland aus. Im 16. Jahrhundert, dem Age of Italics, wurden ganze Bücher in dieser neuen Schrift gesetzt. Später löste die Antiqua, die etwa zeitgleich mit der humanistischen Kursive ebenfalls in Italien entstand, nach und nach die kursiven Drucktypen als Brotschrift ab. Die kursiven Typen blieben jedoch weiterhin im Einsatz. Sie werden seitdem zur Auszeichnung bestimmter Wörter oder Passagen innerhalb eines sonst in Antiqua gesetzten Textes verwendet.

Während bei der Antiqua die Zeichen senkrecht stehen, wirken sie in einer kursiven Satzschrift laufend, rennend – sie sind schräg, nach rechts geneigt und bilden ggf. Ligaturen. Einige Zeichen haben in kursiven Schriftschnitten andere Formen als die geraden, beispielsweise die einbogige („einstöckige“) Form ɑ des Kleinbuchstabens a, die ein Merkmal der humanistischen Kursive ist.

Der englische Begriff cursive bedeutet „Kursive“ (Schreibschrift) und nicht „kursiv“. Er wird in Computersystemen unter anderem verwendet, um allgemein darauf zu verweisen, dass eine Schrift aus der Schriftklasse der Schreibschriften zur Darstellung genutzt werden soll, ohne explizit eine zu benennen. Betriebssysteme nutzen dann eine dafür voreingestellte Schriftart. Beispiele stellen HTML bzw. CSS dar.[1]

kursiv vs. kursiviert [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oben: Oblique-Schriftart („Deja Vu Sans“); unten: Schriftart mit echten Kursiven („Liberation Serif“)

In der Typografie sind echte kursive von kursivierten Schriftschnitten zu unterscheiden – bei Letzteren wurden die Zeichen lediglich schräggestellt. Erstere sind eigens entworfene Schnitte bei denen zumeist die Kleinbuchstaben „a“, „f“ und „g“ spezielle Zeichenformen haben; sie tragen im Namen daher ein „Italic“ oder „Kursiv“. Bei den Namen der schräggestellten Schnitte findet sich hingegen ein “Oblique” oder „Schräg“. Bei ins Deutsche übersetzter Software kommt es jedoch vor, dass auch Italic-Schnitte als „Schräg“ bezeichnet werden.

Heutige Software erlaubt es jedem selbst Schrift schräg zu stellen; der Vorgang wird als Kursivierung, Verschiefung oder umgangssprachlich Schrägstellen bezeichnet. Dadurch sind heute auch links-oblique, also gegen die Leserichtung schräggestellte, Schriftschnitte – etwa zur Bezeichnung von Gewässern in Landkarten – obsolet geworden.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generell zeigt eine kursive Hervorhebung an, dass es sich bei dem mot juste um ein Fremdwort aus einer anderen Sprache handelt oder dass ein Wort innerhalb eines Satzes betont wird. Das Schriftbild verliert dadurch seine potenzielle Ambiguität. Daher wird beim Schreiben eines Textes (z. B. in Romanen) oftmals die Kursivschrift angewandt, auch weil die Kursive anders als halbfett gesetzter Text den Grauwert des Textes nicht beeinflusst und damit nicht hervorsticht.

Beispiele:

  1. „Er hätte ja auch die Tür öffnen können.“
    Die Betonung des Verbs weist darauf hin, dass die Person die Tür hätte öffnen können, es aber nicht getan hat.
  2. „Er hätte ja auch die Tür öffnen können.“
    Hier wird dem Leser eine Alternative des Geschehens angeboten. Die Person hat vielleicht ein Fenster geöffnet, hätte aber auch eine Tür öffnen können.

Auf Grund ihrer unterschiedlichen Betonung erlangen beide Sätze völlig andere Bedeutungen.

In der Regel werden in Romanen auch die Gedanken einer Person (innerer Monolog, aber keine indirekte Rede) durch kursive Schriftauszeichnung „sichtbar“ gemacht:

Ich glaube, sie liebt mich, aber wie kann ich sicher sein?

Im Fließtext ist es üblich, Titel von Büchern, Filmen u. ä. kursiv (statt in Anführungszeichen) zu setzen:

Goethes Faust hat eine große Bedeutung für die deutsche Literatur.
Mit Metropolis beschritt Fritz Lang neue Wege der Filmtechnik.

Ebenso werden Schiffsnamen kursiv gesetzt:

Die SMS Bismarck war ein Kriegsschiff der ehemaligen Kaiserlichen Marine.

Ist kursiver Text eingeklammert, werden auch die Klammern kursiv gesetzt; das nachfolgende Satzzeichen kann kursiv oder gerade gesetzt werden.[2]

Dies ist ein korrektes Beispiel (a correct example).
Dies ist ein Beispiel für einen Zeichensetzungsfehler (an example of wrong punctuation).
Dies ist korrekt (so)!
Dies ist ebenfalls korrekt (so)!

Kursivschrift in Literaturverzeichnissen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In manchen wissenschaftlichen Zitierweisen wird verlangt, dass die Titel von selbstständigen Publikationen (Büchern und Zeitschriften) kursiv ausgezeichnet werden. Die Überschriften von unselbstständigen Veröffentlichungen hingegen werden dann zwischen Anführungsstriche gesetzt. Beispiele:

Weldon, Fay: The Rules of Life (London: Century Hutchinson, 1987; arena, 1988. New York: Harper and Row, 1987).
Jones, Lewis: 'Airport' (The President’s Child), New Statesman (24. September 1982): S. 30.

Kursivschrift im Formelsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Formelsatz werden Variablen, Konstanten und Funktionen kursiv ausgezeichnet, um sie von Text und Einheitenzeichen unterscheiden zu können; zum Beispiel

s für Strecke, s für Sekunde,
c für die Lichtgeschwindigkeit, c für centi-

Einige Schriftarten bieten für den Formelsatz und ähnliche Zwecke besondere Varianten von kursiven Glyphen an, z. B. die Computer Modern oder die Cambria Math. Dabei unterscheiden sich etwa und in der Regel von den Kursiven für den Fließtext ( x f ). Außerdem ist der lateinische Buchstabe besser vom griechischen Buchstaben unterscheidbar. Diese Glyphen werden jedoch anders kodiert als die regulären lateinischen Buchstaben, z. B. durch die OML-Codierung (bei TeX) oder über den Unicodeblock Mathematische alphanumerische Symbole, sind also technisch betrachtet andere Zeichen. Vor Unicode wurden mehrere Schriftarten kombiniert bzw. spezielle Schriftschnitte für den Formelsatz verwendet.

Kursivschrift bei wissenschaftlichen Artnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationalem Gebrauch folgend, werden wissenschaftliche Artnamen des Tier- und Pflanzenreichs kursiv ausgezeichnet. Steht der Name in Klammern, so werden in diesem Fall jedoch die Klammern nicht kursiv ausgezeichnet. Beispiel:

Die Samenkerne der Taxus baccata sind hochgiftig.
Die Samenkerne der Europäischen Eibe (Taxus baccata) sind hochgiftig.

Auszeichnung innerhalb kursiven Textes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn man innerhalb einer kursiven Textpassage ein Wort besonders betonen möchte, wird wieder die gerade Grundschrift verwendet:

Wie konnte ich nur so dumm sein!

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: kursiv – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Kursivschrift – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Ernst: Wechselwirkung – Textinhalt und typografische Gestaltung. Königshausen und Neumann, Würzburg 2005, ISBN 978-3-8260-3146-5.
  • Stephan Füssel, Helmut Hiller: Wörterbuch des Buches. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-465-03495-7.
  • Ursula Rautenberg (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Buches. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2003, ISBN 3-15-010542-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Übersetzung der W3C-Seite "Web Style Sheets CSS tips & tricks": CSS: Fonts, aufgerufen am 15. Dezember 2013
  2. Duden, Abschnitt „Schriftauszeichnung“, 24. Aufl. 2006.