Kurt Kotrschal

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Kurt Kotrschal (2019)

Kurt Kotrschal (* 5. Mai 1953 in Linz) ist österreichischer Biologe, Verhaltensforscher und Autor.[1] Er ist Professor im Ruhestand an der Universität Wien,[2] ehemaliger langjähriger Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau/Oberösterreich und Mitbegründer des Wolfforschungszentrums (Wolf Science Center).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Kotrschal studierte Biologie in Salzburg, schloss sein Diplomstudium 1979 ab, wurde 1981 promoviert und 1987 habilitiert. Von 1981 bis 1989 war er Assistenzprofessor an der Universität Salzburg und 1989 bis 1990 im Rahmen eines Erwin-Schrödinger-Stipendiums[1] Assistant Visiting Professor an der Universität Colorado, Denver (Vereinigte Staaten). Dort forschte er und verfasste wissenschaftliche Artikel über die Evolution der Fische und zur Funktion von Sinnes- und Nervensystemen.[3]

Von 1990 bis 2018 hatte er eine Professor der Universität Wien Fakultät für Lebenswissenschaften, Department für Verhaltensbiologie.[2][4][5] und leitete zugleich die Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau.[6]

Kotrschal ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Forschungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Forschung befasste er sich mit hormonalen und kognitiven Gesichtspunkten sozialer Organisation[7] sowie der Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, insbesondere der Beziehung zwischen Mensch und Hund.[8][9][3] Von 1990 bis zur Pensionierung 2018 leitete Kotrschal als Nachfolger von Konrad Lorenz die Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal.[10]

Kotrschal wurde besonders durch die Erforschung und Zuschreibung charakterlicher Eigenschaften von Tieren bekannt.[11][12] Im Jahr 2008 hat Kotrschal das Wolf Science Center mitbegründet, das zuerst in Grünau im Almtal angesiedelt war und sich seit 2009 in Ernstbrunn befindet.[13][14]

Kotrschal engagiert sich auch in der 2018 gegründeten Arbeitsgruppe Wildtiere des Forum Wissenschaft & Umwelt.[15] Diese versorgt Medien und Politik mit gesichertem Wissen und Informationen über all jene Wildtiere, die in Österreich im Kreuzfeuer der öffentlichen Berichterstattung stehen, also in erster Linie Wolf, Fischotter, Bär, Luchs und Greifvögel. Als Sprecher dieser Arbeitsgruppe will Kotrschal die Diskussion „versachlichen“, weil irrationale Argumente in letzter Konsequenz zu illegalen Verfolgungen von streng geschützten Wildtieren geführt hätten.[16]

Mediale Präsenz und öffentliches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kotrschal ist Präsident des Eurasier-Clubs Austria (ECA).[17]

Außerdem ist Kotrschal als Experte für die SWR-2-Radiosendung 1000 Antworten tätig[18] und war an der dreiteiligen Fernsehsendung Die Zukunft ist wild beteiligt.[19] Kotrschal ist Autor eines regelmäßig alle 14 Tage erscheinenden Gastkommentars „Mit Federn, Haut und Haar“ in der österreichischen Tageszeitung Die Presse.[20] Ferner ist er in den Fernsehsendungen Planet Wissen und Faszination Wissen als Experte aufgetreten.[11][21][22]

Kotrschal machte sich besonders um die Erforschung der Beziehung zwischen Mensch und Hund[8] sowie des Verhaltens des Wolfes verdient.[14][23] Außerdem unternimmt er grundlegende Forschung zur Intelligenz von Vögeln.[24]

Er wirkte mit am Leitfaden zum Einsatz von Hunden in der Schule, der 2012 vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und später vom Bundesministerium für Bildung und Frauen herausgegeben wurde.[25][26] Dieser Leitfaden wurde auch in der Schweiz aufgegriffen.[27]

Am 10. Jänner 2011 wurde Kotrschal vom „Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten Österreichs“ zum Wissenschafter des Jahres 2010 ernannt.[28][29][30] 2013 wurde sein Buch Wolf – Hund – Mensch als österreichisches Wissenschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet.[31]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kotrschal ist Autor von mehr als 60 wissenschaftlichen Publikationen aus dem Zeitraum 2001 bis 2011.[32]

  • Faktor Hund – Hund. Eine sozio-ökonomische Bestandsaufnahme der Hundehaltung in Österreich. Czernin Verlag, Wien 2004, ISBN 3-7076-0199-4.
  • Im Egoismus vereint? Tiere und Menschentiere – das neue Weltbild der Verhaltensforschung. Piper, München 1995, ISBN 3-492-03738-0. Neuauflage. Filander-Verlag, Fürth 2001, ISBN 3-930831-44-9.
  • Konzepte der Verhaltensforschung. Konrad Lorenz und die Folgen. Filander Verlag, Fürth 2001, ISBN 3-930831-33-3.
  • Grundkurs Verhaltensbiologie. Verhaltensbiologische Übungen für Schule und Universität. Filander-Verlag, 2000, ISBN 3-930831-34-1.
  • Wolf – Hund – Mensch. Die Geschichte einer Jahrtausende alten Beziehung. Brandstätter Verlag, 2012, ISBN 978-3-85033-675-8 (Wissenschaftsbuch des Jahres 2013 in der Kategorie Medizin/Biologie).
  • Einfach beste Freunde – Warum Menschen und andere Tiere einander verstehen. Brandstätter Verlag, 2014, ISBN 978-3850338141.
  • Mit Henri Julius, Andrea Beetz, Dennis Turner, Kerstin Uvnäs-Moberg: Bindung zu Tieren – Psychologische und neurobiologische Grundlagen tiergestützter Interventionen. Hogrefe Verlag, 2014, ISBN 978-3801724948.
  • Hund & Mensch – Das Geheimnis unserer Seelenverwandtschaft. Brandstätter Verlag, 2016, ISBN 978-3710600548.
  • Mensch – Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen. Brandstätter Verlag, Wien 2019, ISBN 978-3-7106-0368-6.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF). In: fwf.ac.at. Abgerufen am 13. März 2021.
  2. a b Neue Professuren an der Universität Wien. In: medienportal.univie.ac.at. 18. Januar 2012, abgerufen am 13. März 2021.
  3. a b Biographie – Kurt Kotrschal. In: Czernin-Verlag.com. Abgerufen am 13. März 2021.
  4. Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien. In: www.behaviour.univie.ac.at. Abgerufen am 13. März 2021.
  5. Forschungsgruppe Mensch-Tier-Beziehung der Universität Wien. In: mensch-tier-beziehung.univie.ac.at/. Archiviert vom Original am 17. Januar 2010; abgerufen am 13. März 2021.
  6. Prof. Dr. Kurt Kotrschal: Kurze Biografie. Abgerufen am 16. Januar 2022.
  7. Kurt de Swaaf: Sozialer Stress stört hormonelle Harmonie. In: derStandard.at. 19. Januar 2010, abgerufen am 13. März 2021.
  8. a b Verhaltensforschung. „Sie mag mich, wie ich bin“. In: Zeit.de. 22. Dezember 2009, abgerufen am 13. März 2021.
  9. Tobias J. Körtner: 'Der kooperative Wolf. In: Sciencev2.ORF.at. 29. Juli 2010, abgerufen am 13. März 2021.
  10. Die Geschichte der Konrad Lorenz Forschungsstelle. In: KLF.UniVie.ac.at. Abgerufen am 13. März 2021.
  11. a b Faszination Wissen: Wie Hund und Katz – Haben Tiere Charakter? In: BRF.de. 26. Juli 2013, abgerufen am 13. März 2021.
  12. Marcus Anhäuser: Biologie. Schrullige Eidechsen, ängstliche Clownfische. In: Sueddeutsche.de. 19. Mai 2010, abgerufen am 13. März 2021.
  13. Wie die Leute im Wolfsforschungszentrum zusammenkamen. In: WolfScience.at. Archiviert vom Original am 26. Dezember 2009; abgerufen am 13. März 2021.
  14. a b „Newton“: Die wahre Geschichte vom bösen Wolf. In: Programm.ORF.at. 14. März 2009, archiviert vom Original am 26. November 2015; abgerufen am 13. März 2021.
  15. Kurt Kotrschal: Tierschutz im Sinne der Selbstachtung und der Nachhaltigkeit. In: AG-Wildtiere.com. 28. November 2018, abgerufen am 13. März 2021.
  16. wabel: Wolf, Fischotter, Greifvögel – einmal nüchtern betrachtet. In: oekonews.at. 4. Dezember 2018, abgerufen am 9. Dezember 2018.
  17. Homepage des Eurasier Clubs Austria. In: Eurasier-Club-Austria.at. Abgerufen am 13. März 2021.
  18. 1000 Antworten: Kurt Kotrschal. In: SWR.de. 11. April 2019, abgerufen am 13. März 2021.
  19. Christoph Rind: Ist das unsere Zukunft? In: Abendblatt.de. 25. März 2003, abgerufen am 13. März 2021.
  20. Online-Archiv der Tageszeitung „Die Presse“. In: DiePresse.com. Abgerufen am 13. März 2021.
  21. Schlaue Tiere – Von Rechenkünstlern, Werkzeugmachern und Plappermäulern. In: Programm.ARD.de. 6. August 2010, abgerufen am 13. März 2021.
  22. Planet Wissen: Wölfe und ihre Verwandtschaft – Von Hunden, Schakalen und Wüstenfüchsen. In: Fernsehserien.de. 30. September 2010, abgerufen am 13. März 2021.
  23. Staunen über die Klugheit von Wölfen. In: derStandard.at. 14. Oktober 2010, abgerufen am 13. März 2021.
  24. Thomas Bergmayr: Papageien und Raben denken anders. In: derStandard.at. 8. Februar 2010, abgerufen am 13. März 2021.
  25. Hunde in der Schule. Allgemeine Hinweise zu Tieren in der Schule. Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Abteilung I/4b, 2012, abgerufen am 16. Januar 2022.
  26. Hunde in der Schule. Allgemeine Hinweise zu Tieren in der Schule (2. ergänzte Auflage). Bundesministerium für Bildung und Frauen, Abteilung I/4b, Juni 2014, abgerufen am 16. Januar 2022.
  27. Leitfaden Hundegestützte Pädagogik in der Schule. Dezember 2020, abgerufen am 16. Januar 2022.
  28. Beatrix Karl gratuliert „Wissenschafter des Jahres 2010“ Kurt Kotrschal. In: Studium.at. 10. Januar 2011, abgerufen am 13. März 2021.
  29. jakob: Wissenschafter des Jahres 2010: Kurt Kotrschal. In: Wissenschaftsjournalisten.at. 10. Januar 2011, abgerufen am 13. März 2021.
  30. Klaus Taschwer: Auszeichnung 2010. Wolfsforscher Kotrschal ist „Wissenschafter des Jahres“. In: derStandard.at. 10. Januar 2011, abgerufen am 13. März 2021.
  31. Wolf – Hund – Mensch. Die Geschichte einer Jahrtausende alten Beziehung. In: Wissenschaftsbuch.at. Abgerufen am 13. März 2021.
  32. Liste ausgewählter Publikationen von Kurt Kotrschal. In: KLF.UniVie.ac.at. Archiviert vom Original am 26. März 2016; abgerufen am 13. März 2021.
  33. Curriculum Vitae Kurt M. Kotrschal (May 2008). (PDF; 19 kB) In: KLF.UniVie.ac.at. Archiviert vom Original am 3. Mai 2015; abgerufen am 13. März 2021.
  34. Curriculum Vitae Kurt M. Kotrschal, Summary, January 2012. (PDF; 116 kB) In: WolfScience.at. Archiviert vom Original am 3. Mai 2015; abgerufen am 13. März 2021.
  35. Kurt Kotrschal ist „Wissenschafter des Jahres“. In: Medienportal.univie.ac.at. 10. Januar 2011, abgerufen am 13. März 2021.
  36. Großes Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich für VfGH-Präsident a. D. Gerhart Holzinger und den Tiroler LH a. D. Herwig van Staa – Landeskorrespondenz. In: Land-Oberoesterreich.gv.at. 15. November 2018, abgerufen am 13. März 2021.