Ernstbrunn

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Simonsfeld ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum deutschen Historiker siehe Henry Simonsfeld.
Ernstbrunn
Wappen Österreichkarte
Wappen von Ernstbrunn
Ernstbrunn (Österreich)
Ernstbrunn
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Korneuburg
Kfz-Kennzeichen: KO
Fläche: 80,72 km²
Koordinaten: 48° 32′ N, 16° 22′ OKoordinaten: 48° 31′ 34″ N, 16° 21′ 41″ O
Höhe: 293 m ü. A.
Einwohner: 3.180 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 39 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2115
Vorwahl: 02576
Gemeindekennziffer: 3 12 03
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 1
2115 Ernstbrunn
Website: www.ernstbrunn.gv.at
Politik
Bürgermeister: Horst Gangl (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(23 Mitglieder)
17
3
2
1
17 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Ernstbrunn im Bezirk Korneuburg
Bisamberg Enzersfeld im Weinviertel Ernstbrunn Gerasdorf bei Wien Großmugl Großrußbach Hagenbrunn Harmannsdorf Hausleiten Korneuburg Langenzersdorf Leitzersdorf Leobendorf Niederhollabrunn Rußbach Sierndorf Spillern Stetteldorf am Wagram Stetten StockerauLage der Gemeinde Ernstbrunn im Bezirk Korneuburg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Hauptplatz mit Pfarrkirche hl. Martin
Hauptplatz mit Pfarrkirche hl. Martin
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Oberleis mit Aussichtsturm

Ernstbrunn ist eine Marktgemeinde mit 3180 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Bezirk Korneuburg in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernstbrunn liegt im Zentrum des Weinviertels in Niederösterreich am Fuß der Leiser Berge. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 80,69 Quadratkilometer. 26,99 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 12 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2017[1]):

  • Au (99)
  • Dörfles (120)
  • Ernstbrunn (1.513)
  • Gebmanns (87)
  • Klement (263)
  • Lachsfeld (112)
  • Maisbirbaum (232)
  • Merkersdorf (156)
  • Naglern (124)
  • Simonsfeld (240)
  • Steinbach (129)
  • Thomasl (105)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Au, Dörfles, Ernstbrunn, Ernstbrunnerwald, Gebmanns, Klement, Lachsfeld, Maisbirbaum, Merkersdorf, Naglern, Oberleis, Simonsfeld, Steinbach und Thomasl.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Keltensiedlung Oberleiserberg und Oberleiser Berg (Praesidia)

Bereits um 2000 v. Chr. bestand eine Siedlung im heutigen Ort, etwa um 500 v. Chr. siedelten Kelten am Oberleiser Berg. Aus dem Jahre 100 n. Chr. datieren Funde eines römischen Wachturmes (Donaulimes) in Oberleis.

Im Jahre 1045 wurde Ernustisprunnin erstmals urkundlich erwähnt. Um 1533 verlieh der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Ferdinand I. dem Flecken Ernstbrunn das Marktrecht, nachdem 1531 erstmals ein örtlicher Schulmeister erwähnt wurde. 1592 erwarben die Herren von Sinzendorf die Herrschaft, die sie bis 1822 innehatten. 1432 wurde erstmals von der Heilquelle („Heilbründel“) berichtet (1710 wurde dort die Bründlkirche gebaut, diese wurde in den josephinischen Reformen 1786 aufgelassen). Im Dreißigjährigen Krieg wurde Ernstbrunn 1645 durch schwedische Truppen besetzt. 1713 forderte die Pest 23 Tote, zu deren Gedenken im darauffolgenden Jahr die Pestsäule am Hauptplatz errichtet wurde. 1720 wütete eine große Feuersbrunst im Ort. 1793 entstand die erste Apotheke in Ernstbrunn, 1798 wurde der heutige Friedhof eingeweiht.

19. Jahrhundert

1828 übernahm das Fürstenhaus Reuß-Köstritz Schloss und Gut Ernstbrunn. Während des Deutschen Krieges 1866 besetzten preußische Truppen Ernstbrunn, die ausgebrochene Cholera forderte 140 Tote. 1883 wurden die Freiwillige Feuerwehr und die Kalkgewerkschaft gegründet. Im Jahre 1887 eröffnete in Ernstbrunn das k.k. Postamt mit dem Postmeister Jakob Wojna, nachdem Ernstbrunn seit 1839 an das Postwesen angeschlossen war. Bürgermeister Reidlinger nahm 1891 den Feuerwehrbrunnen in Betrieb, 1894 eröffnete eine Raiffeisenkasse, 1896 wurde die Dampfmühle Weislein errichtet.

20. Jahrhundert

Mit der Eröffnung der Lokalbahn Korneuburg–Ernstbrunn im Jahr 1904 wurde die Postkutsche nach Korneuburg eingestellt. Zwei Jahre darauf wurde die Strecke der Landesbahn von Ernstbrunn nach Mistelbach eröffnet. 1908 folgte die Einweihung der Kaiserjubiläums-Schule, Bürgermeistersitz wurde das heutige Rathaus. Die Inbetriebnahme der gemeindeeigenen Stromerzeugung erfolgte 1911, gegen Ende des Ersten Weltkrieges, 1917, wurde das Kriegerdenkmal eingesegnet. Das Postamt übersiedelte ein Jahr später vom Hammerschmied-Haus ins Rathaus.

1920 wurde der Fernsprechdienst eingerichtet, ein Jahr später wurde eine Filiale der Korneuburger Sparkasse eröffnet. Im Jahr 1923 wurde das Turnerdenkmal am Semmelberg errichtet und 1926 der Fußballverein gegründet. Ein Jahr darauf wurde der erste öffentliche Fernsprecher am Bahnhof eingerichtet. Norbert Wutsch gründete 1929 die Autobuslinie Ernstbrunn–Laa/Thaya. 1934 wurde ein Bombenattentat auf das Haus des Bürgermeisters Seiler verübt.

Zweiter Weltkrieg

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde Ernstbrunn Schauplatz heftiger und wechselvoller Kämpfe. So kamen zunächst bei einem Luftangriff der United States Air Force am 31. Jänner 1945 zehn Zivilisten und zwei ungarische Soldaten ums Leben, drei Gebäude wurden komplett und 20 weitere teilweise zerstört. Zwischen dem 20. April und dem 8. Mai 1945 kam es zu Kämpfen zwischen Truppen der Wehrmacht und der Roten Armee. Dabei wurden die Wlassow-Truppen teilweise eingekesselt. Hartnäckige Kämpfe fanden außerhalb der Ortschaft im Ernstbrunner Wald statt. Im Zuge der weiteren Kämpfe in Ernstbrunn kamen 9 Zivilisten um, durch Artilleriebeschuss wurden 5 Wohnhäuser zerstört und etwa 100 beschädigt.[2]

nach 1945

Im Jahr 1953 wurde eine Rotkreuzstelle gegründet, ein Jahr darauf wurde in der Gemeinde erstmals ein Faschingsumzug veranstaltet. Das Ferienheim Janua Vitae nahm 1967 seinen Betrieb auf. Im Jahr 1970 wurde Ernstbrunn wieder zum Bezirk Korneuburg geschlagen. Drei Jahre später errichtete man in der Gemeinde den ersten öffentlichen Münzfernsprecher. 1975 wurde der Wildpark eröffnet. Vier Jahre später wurde der Kameradschaftsbund (Veteranenverein von 1905) wiederbegründet.

1983 fand die 450-Jahr-Feier der Marktgemeinde Ernstbrunn statt, man gründete eine Gemeindepartnerschaft mit Isen in Bayern und eröffnete die Heimatstube, errichtete einen Trachtenbaum. Eine Volksbank wurde in der Gemeinde eröffnet. Die Musikkapelle Ernstbrunn wurde 1984 gegründet. Im Jahr 1988 wurde die Personenzugverbindung Korneuburg–Ernstbrunn–Mistelbach eingestellt. Zwei Jahre darauf wurde das Hilfswerk Ernstbrunn-Niederleis gegründet. 1995 wurde das Heimatmuseum eröffnet und es fand die 950-Jahr-Feier der Pfarre Ernstbrunn statt. Im Jahr 1997 wurde der Trachtenbaum total erneuert. Am 6. September 1998 wurde die neue Feuerwehrzentrale eröffnet und ein Jahr später, 1999, der Schüttkasten Klement als Kulturzentrum, das Altstoffsammelzentrum, das Seniorenwohnhaus und die Hilfswerkstation „Leiser Berge“ eröffnet. 2000 wurden die Volks- und Hauptschule erweitert und ein neues Sportzentrum eröffnet. Im Jahr 2003 wurde abermals der Trachtenbaum erneuert. Ein Jahr darauf wurden der neue Radweg „Keltentrail“ und die neue Aufbahrungshalle eröffnet, 2007 folgte die Eröffnung der Nostalgie-Erlebniswelt (Fahrraddraisinenbahn) und des restaurierten Rathauses.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 23 Sitzen nach der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 folgende Mandatsverteilung: ÖVP 17, FPÖ 3, SPÖ 2, Liste Die Grünen 1, andere keine Sitze.

Bürgermeister
  • 1995–2013 Johann Prügl (ÖVP)[3]
  • seit 2013 Horst Gangl (ÖVP)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchenweiler Oberleis mit der Wallfahrts- und Pfarrkirche hll. Mauritius und Maria
Denkmallok der Baureihe BBÖ 378 beim Bahnhof Ernstbrunn
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Ernstbrunn

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 114, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 144. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 1460. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 46,99 Prozent.

Ansässige Unternehmen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Paurnfeindt (* Ende des 15. Jahrhunderts), Fechtmeister, immatrikulierte am 13. Oktober 1513 an der Universität Wien, Herausgeber eines Fechtbuches im Jahr 1516, ein Trabant des Erzbischofs von Salzburg Matthäus Lang von Wellenburg
  • Richard Gisser (* 1939), Bevölkerungswissenschaftler
  • Kurt Scholz (* 1948), Sonderbeauftragter für Restitutionsfragen der Stadt Wien
  • Alexander Kukelka (* 1963), Komponist, Dirigent und Pianist
Panorama nordwestlich von Ernstbrunn

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernstbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Bevölkerung am 1. Jänner 2017 nach Ortschaften
  2. Heeresgeschichtliches Museum/Militärhistorisches Institut (HGM/MHI), Militärgeschichtliche Forschungsabteilung (MilFoA), Studiensammlung, Bestand 1945, Schachtel 5, Fasz. 45/9, Gemeindeberichte Niederösterreich, Bezirk Mistelbach
  3. Bürgermeister Johann Prügl tritt zurück und geht in Pension Josef Christelli, NÖN Korneuburg, 19. Februar 2013